Konstanz Polizeibekannte Jugendliche: Das Urteil im Konstanzer Amtsgericht heißt Veränderung

Das Amtsgericht entschied über vier junge Angeklagte im Alter von 17 bis 23 Jahren. Sie sollen unter anderem gemeinsam Diebstähle begangen haben.

Von Diebstahl bis zur versuchten gefährlichen Körperverletzung – im Sitzungssaal 107 beim Amtsgericht in Konstanz liegen am Morgen vier Anklageschriften auf dem Tisch. Alle vier Angeklagten sind dem Gericht bekannt – jeder Einzelne von ihnen hat mindestens vier Einträge im Vorstrafenregister. Im vergangenen Jahr sollen sie teils gemeinsam, teils allein, weitere Straftaten begangen haben. Das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Franz Klaiber urteilte: zweimal Bewährung, eine Geldstrafe und eine Freiheitsstrafe. Doch vor allem entschied das Gericht: Für die jungen Männer muss eine Veränderung her.

Diskussion um gestohlenen Fernseher

Die Verlesung der Anklageschriften erlaubte einen Rückblick auf zahlreiche Straftaten. Über eine herrschte besonderer Diskussionsbedarf: Drei der Angeklagten besuchten im Januar eine Party in einem Konstanzer Studentenwohnheim, bei der der 17-jährige Angeklagte ein Handy einsteckte und sich den Fernseher aus einem Aufenthaltsraum griff. Vor dem Eingang des Wohnheims wurden die Täter von einem Studenten erwischt.

Der Verdächtigte hat den Diebstahl vor Gericht zugegeben. Doch er beschuldigte seinen 22-jährigen Begleiter, er solle ihm zuvor Geld dafür geboten haben: 500 Euro für das Handy, 200 Euro für den Fernseher. Dieser beteuerte aber seine Unschuld. Für das Gericht jedoch ist er schuldig: "Entscheidend dabei ist auch das Bild der Überwachungskamera", sagte Klaiber. Es zeigt den 22-Jährigen mit dem Fernseher in der Hand vor dem Studentenwohnheim. Es widerlegt seine Aussage, er habe das Gerät zurückbringen wollen. Für den Diebstahl bekam der 22-Jährige, der bereits sieben Vorstrafen hat, eine Geldstrafe von 1050 Euro.

Diebstahl für Drogen

Der 23-Jährige Angeklagte entwendete am gleichen Abend eine Geldkassette aus dem Studentenwohnheim. Bei ihm kein Einzelfall – ebenfalls verhandelt wurde ein Fall vom Juli diesen Jahres. Nachdem er einen MP3-Player aus einem Rucksack im Personalraum einer Krankengymnastik gestohlen hatte, wurde er kurz darauf mit der Beute von der Polizei gefasst. Der 23-Jährige stritt alles ab, beschuldigte jemand anderen. Vor Gericht bestritt er die Taten zunächst weiter, gab sie dann aber doch noch zu.

"Ich wollte den Ipod beim Asylheim verkaufen", sagte er. Er wurde zudem öfter mit Marihuana erwischt. Klaiber ging deshalb von Beschaffungskriminalität aus: "Die Drogen sind so wichtig, dass Sie dafür Kopf und Kragen riskieren." Sein Bewährungshelfer beschrieb ihn in einem Bericht als unzuverlässig. Auch die verhängten Sozialstunden leistete er nicht rechtzeitig. Das Gericht entschied sich für neun Monate Haft. Er könne sich aber um den Start einer Drogentherapie bemühen. "Dann lasse ich Sie genau an dem Tag aus dem Knast raus", sagte Klaiber.

Jugendhilfe-Einrichtung soll helfen

Bei dem 17-Jährigen hingegen entschied sich das Gericht für eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Er zeigte sich vor Gericht geständig für Schmierereien in der Stadt sowie für den Diebstahl im Studentenwohnheim. Weiter wurde ihm zur Last gelegt, eine Gruppe Jugendlicher beleidigt, sowie mit Glasflaschen beworfen zu haben. Ein Fall von versuchter gefährlicher Körperverletzung.

Zudem hatte er mit einem Freund das Schloss eines Mountainbikes geknackt, um es zu verkaufen. Für den 17-Jährigen soll sich künftig einiges ändern: Noch am Mittwochabend ging es für ihn in eine Jugendhilfe-Einrichtung im Breisgau. Das erkannte das Gericht an. Doch Klaiber betonte: "Wenn der Aufenthalt durch Sie vorzeitig beendet wird, dann müssen wir uns hier wieder treffen." Für diesen Fall zieht er einen Widerruf der Bewährung in Betracht.

Als Abschreckung in den Arrest

Einem weiteren 17-jährigen Angeklagten, der auch am Fahrraddiebstahl beteiligt war, machte Klaiber seine Lage ebenso deutlich: "Wenn Sie so weitermachen, dann wird es echt gefährlich", sagte er. Ihm wurden auch der Besitz von Marihuana, Sachbeschädigung sowie Körperverletzung vorgeworfen. Er hat bereits vier Vorstrafen, einige Verfahren werden noch auf ihn zukommen. "Meistens ist irgendwas passiert, wenn ich getrunken habe", sagte er. Das Gericht entschied sich für zwei Jahre Bewährung. "Und Sie gehen eine Woche in den Arrest nach Rastatt, damit Sie mal sehen, wohin das Ganze führen kann", sagte Klaiber. Damit legte der Richter allen Angeklagten an diesem Tag eine Veränderung nahe. Drei Angeklagte nahmen ihre Urteile an. Der 23-Jährige hat eine Woche Zeit, um in Berufung zu gehen.

Jugendschöffengericht

Das Jugendschöffengericht ist am Amtsgericht angesiedelt. Dort wird über Vergehen von Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren sowie jungen Erwachsenen bis 21 Jahre entschieden. Das Gericht besteht aus einem vorsitzenden Richter sowie zwei Jugendschöffen, ehrenamtlichen Richtern. Anklagen, die nicht bei der Jugendkammer des Landgerichts landen, verhandelt das Jugendschöffengericht.

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