Jetzt zoomt die Kamera auf Fabio Crivellaris Gesicht heran, zum Finale seines Vorstellungsvideos sieht man den CDU-Landtagskandidaten in Großaufnahme. Zuvor hat er seine politischen Positionen erklärt, und jetzt, zum großen Finale, kann eigentlich nur der Satz kommen: „Wählen Sie mich!“

Aber es kommt ein anderer, nämlich: „Gehen Sie wählen!“ Ähnlich im Video der Grünen-Kandidatin Nese Erikli: „Mich gibt es auch auf Facebook und Twitter, und ich freue mich, wenn ihr am 13 März…“ – mich wählt? Nein: „…wählen geht!“

Kreisjugendring organisiert Wahlvideo-Aktion

Christine Derschka findet derartige Schlusssätze richtig gut: In diesen Momenten gingen Kandidaten über Wahlwerbung für sich selber hinaus und stellten den Versuch in den Mittelpunkt, junge Wähler zum demokratischen Engagement zu motivieren, sagt sie. Und dieses Credo lag auch der Aktion zugrunde, die sie und ihre Mitstreiter initiiert haben.

Die Bildungsreferentin des Kreisjugendrings hat in Kooperation mit dem Ring politischer Jugend und der Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung der Stadt Konstanz acht Landtagskandidaten in den beiden Wahlkreisen Konstanz/Radolfzell und Singen/Stockach gebeten, sich Jugendlichen und jungen Wählern vorzustellen.

Und zwar nicht mit ellenlangen Positionspapieren im Politikersprech, sondern innerhalb von Medien aus der Jugendkultur: Sie sollten ein einminütiges Vorstellungsvideo abliefern und einen Steckbrief ausfüllen. In letzterem hatten sie auf Fragen nur zwei Zeilen Platz für Antworten.
 

"Politiker bringen den Jugendlichen Wertschätzung entgegen"

Die Videos und Steckbriefe sind seit gestern auf der Homepage des Kreisjugendrings online. „Die Kandidaten haben sich Gedanken gemacht – das ist eine Wertschätzung, die sie Jugendlichen entgegengebracht haben“, lobt Stefan Kitzmann von der Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung.

Das Video Crivellaris ist am aufwendigsten und professionellsten gefilmt: In drei Einstellungen sieht man ihn, mal stehend, mal gehend, vor dem Konstanzer Suso-Gymnasium, vor der Uni, an der er arbeitet, und vor dem Berufsschulzentrum Radolfzell.

Die anderen Kandidaten verharren stehend oder sitzend an einem Ort: Erikli zum Beispiel in einem Sessel neben einem Bücherregal, Kirsten Brößke (FDP) am Schreibtisch. Der Konstanzer FDP-Kandidat Jürgen Keck setzt auf Humor: Unter einem FDP-Sonnenschirm versammelt er sich mit einer Gruppe von Mitstreitern, ein weiterer gießt derweil aus einer schwarzen, einer roten und einer grünen Gießkanne Wasser auf den Schirm.

„Egal, ob's regnet, stürmt und schneit in schwarz…“, beginnt Keck bei der ersten Kanne, wandelt den Spruch bei der roten Kanne entsprechend ab und komplettiert nach der dritten: „Egal ob's regnet, stürmt und schneit in Grün, ich lass euch nicht im Regen stüh'n.“ Auf Angaben zu politischem Programm und seiner Person verzichtet er.

Die AfD fehlt bei den Videos

Die Initiatoren der Aktion haben sich auf die Kandidaten der derzeit im Landtag vertretenen Parteien beschränkt: auf die von Grünen, SPD, CDU und FDP. Andere Parteien wie etwa die AfD fehlen also.

Sämtliche Kandidaten aufzunehmen, hätte die Kapazitäten gesprengt, erklärt Derschka. „Wir mussten ein Kriterium setzen.“ Alle acht Kandidaten füllten die Steckbriefe aus, sieben lieferten Videos ab. Die Grünen-Kandidatin Dorothea Wehinger habe mangels Zeit und Ressourcen keines eingereicht, sagt Derschka.

In den Videos bemühen sich die Politiker, den Jugendlichen zu vermitteln, dass deren Anregungen ernst genommen würden.

Sie laden sie ein, mitzureden. Konkret wird es unter anderem, wenn Crivellari zur Mitarbeit bei der Integration von Flüchtlingen aufruft, wenn Hans-Peter Storz (SPD) mehr Geld für Jugendbelange zusagt oder Erikli das Abschaffen oder Lockern der Sperrzeiten als Ziel nennt.

Derschka und Kitzmann sind zufrieden mit der Aktion: Die Videos hätten die Kandidaten offenbar „nicht als bloße Pflichterfüllung empfunden“, sagt Derschka.
 


Hier sind alle Videos zum Anschauen (alphabetisch)

 

Kirsten Brößke (FDP)


Fabio Crivellari (CDU)


Nese Erikli (Grüne)


Peter Friedrich (SPD)


Jürgen Keck (FDP)


Wolfgang Reuther (CDU)


Hans-Peter Storz (SPD)