Mehr Platz sollen Busfahrgäste der Linie 9 und auf dem Bodanrück ab Juli bekommen. Die Stadtwerke werden dann die bereits für Ende 2015 erwarteten Busgespanne einsetzen, kündigte Norbert Reuter, einer der beiden Geschäftsführer, bei einer Feierstunde an. Rund 1,4 Millionen Euro investierten die Stadtwerke in die vier Zugfahrzeuge (eines davon als Ersatz) und drei Anhänger. Das Land bezuschusste den Kauf mit 180 000 Euro. Die Buszüge sollen vor allem das Platzangebot auf den 9er-Linien zwischen Kernstadt und Universität vergrößern. Diese sind laut Ralph Stöhr, dem Leiter der Busbetriebe, den gesamten Tag über stark nachgefragt. "Früher hat es dort Spitzen gegeben – heute gibt es tagsüber keine Schwachlastzeiten mehr", berichtete er. In den Sommerferien könne er sich durchaus einen Einsatz auf der Doppelringlinie 4/13 und 13/4 auf den Konstanzer Bodanrück vorstellen. Entlastung bei den Fahrten zur und von der Insel Mainau würden in Spitzenzeiten mittlerweile von Zusatzkursen geschaffen. Fallweise sollen die Buszüge auch auf den Linien 1 und 2 fahren.

Noch haben die Gespanne keine Zulassung für öffentliche Straßen. Die Zusage der Versicherung werde stündlich erwartet, erklärte Reuter. Bisher dürfen die Fahrzeuge nur auf dem Betriebsgelände bewegt werden. Eine weitere Neuerung ist die dynamische Fahrgastanzeige, die in der zweiten Jahreshälfte ihren Probebetrieb aufnehmen soll. Die neuen Fahrzeuge werden dieses System erhalten. Für den Test werden die Bushaltestellen Stadtwerke und Technisches Rathaus mit entsprechenden Anzeigetafeln ausgestattet. Zugfahrzeug und Anhänger übermitteln laut Reuter ihre Informationen getrennt. "Wenn beide unterschiedliche Zeiten melden, dann wissen wir, dass der Bus seinen Anhänger verloren hat", scherzte er.

"Die bisherigen Busse stoßen an ihre Grenzen", betonte Oberbürgermeister Uli Burchardt. Die Gespanne könnten ein Drittel mehr an Passagieren befördern als ein Gelenkbus. Auch Norbert Reuter ist zuversichtlich. "Wenn Sie mich heute fragen, werden wir nach und nach Buszüge kaufen – sofern keine gravierenden Probleme auftreten", erklärte er. Elisabeth Schöndienst aus Litzelstetten beurteilt die Anhänger kritisch. Viele ältere Menschen würden dort nicht einsteigen, berichtete sie. Schöndienst befürchtet unter anderem, dass die Sicherheit leidet, da der Fahrer nicht direkt ansprechbar sei. Die Pöbeleien durch Kinder und Jugendliche seien heute bereits sehr ausgeprägt, findet der Litzelstetter Günter Dolak, der sich seit langem mit der Optimierung des Bussystems befasst. Im Anhänger würden diese Ärgernisse zunehmen ebenso wie die Zahl der Schwarzfahrer.

Die neuen Buszüge

Das Gespann aus Zugfahrzeug und Anhänger ist knapp 23 Meter lang und bietet Platz für rund 190 Passagiere, im Gelenkbus für etwa 140, im Solobus für zirka 90. Vier Kameras im Anhänger und eine zwischen beiden Fahrzeugen übertragen Bilder zum Fahrer. Diese Daten werden über einen Zeitraum von 48 Stunden gespeichert. Bus und Anhänger verfügen über ABS. In Deutschland fahren mittlerweile über 100 Buszüge. Eigentlich verbietet die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung seit 1960 solche Gespanne. Seit über zehn Jahren dürfen diese mit einer Sondergenehmigung betrieben werden. (nea)