Konstanz – Eines stellen die Frauen und Männer in der bunt gemischten Gruppe gleich zu Beginn des Gesprächs klar: „Wir haben nichts gegen ein Pflegeheim, und wir haben auch nichts gegen die Caritas als Betreiber eines Pflegeheims.“ So formuliert es Haro Eden, den man in Konstanz als langjährigen Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer kennt. Und dazu nicken Brigitte Rabus mit ihrer über die Stadt hinaus bekannten Werbeagentur, der Niederbürgler Architekt Uli Fritz, der Psychiater und Psychotherapeut Stephan Schulz und weitere Bürger. Auch Jens Schröder, Wolfgang Wüster und Daniel Frey geben beim Ortstermin an der Ecke Klostergasse/Schreibergasse zu Protokoll, beim geplanten Umbau der Schule Zoffingen zum Pflegeheim gehe es ihnen nicht um das Ob, sondern nur um das Wie.

Die Kritik an den Plänen der Caritas entzündet sich vor allem an jenem Teil des Projekts, der in die Kategorie Nachverdichtung fällt. Einen Teil des bisherigen Schulhofs will der kirchliche Träger zusätzlich bebauen, mit einem Anbau, dessen Höhe die Kritiker mit 15 Metern angeben. Nicht alle, die die Caritas auffordern, umzuplanen und vor allem auf den Anbau zu verzichten, sind selbst Nachbarn; einige vertreten nach eigenem Bekunden auch die Interessen ihrer Mieter. Architekt Uli Fritz wendet ein, der Anbau sei „städtebaulich nicht richtig“. Brigitte Rabus kritisiert vor allem die Fällung von vier prächtigen Bäumen auf dem derzeitigen Schulhof: „Die grüne Lunge des Quartiers wird irreparabel zerstört“.

Die zweite große Sorge der Nachbarn gilt den Themen Verkehr und Parken. Für die Anlieferung, für die Mitarbeiter und die Besucher der Heimbewohner seien viel zu wenige Stellplätze ausgewiesen, sagt Uli Fritz. In einem Pflegeheim gebe es viele Umzüge, umfassende Wäsche-Transporte und regelmäßig auch Rettungsdienst-Einsätze. Außerdem sorge die im Erdgeschoss des Anbaus geplante Tageskinder-Gruppe für viel Verkehr, weil Eltern ihre Kleinen oft mit dem Auto brächten und holten.
 

Sie sehen die Pläne der Caritas zum Umbau der Schule Zoffingen in ein Pflegeheim mit 105 Plätzen kritisch: Anwohner und Betroffene, unter ihnen (von rechts) Jens Schröder, Haro Eden, Brigitte Rabus. Sie betonen, es gehe ihnen nicht um ein Nein zu einer sozialen Einrichtung.
Sie sehen die Pläne der Caritas zum Umbau der Schule Zoffingen in ein Pflegeheim mit 105 Plätzen kritisch: Anwohner und Betroffene, unter ihnen (von rechts) Jens Schröder, Haro Eden, Brigitte Rabus. Sie betonen, es gehe ihnen nicht um ein Nein zu einer sozialen Einrichtung. | Bild: Jörg-Peter Rau

Dass die Nachbarn aber behaupten, die ganze Erschließung laufe über die Schreibergasse und damit direkt am Münsterkindergarten vorbei, dagegen wehrt sich Caritas-Vorstand Andreas Hoffmann: „Da werden zum Teil mit Gerüchten Ängste geschürt“, sagt er. Natürlich werde das Pflegeheim vom Rheinsteig her angeschlossen. Und der Neubau sei erforderlich, um 105 Pflegeplätze unterzubekommen. Nur so sei die Schließung des St. Marienhauses mit seinen 101 Plätzen aufzufangen, und nur so könnten sich auch weniger wohlhabende Konstanzer einen Platz im Pflegeheim Zoffingen leisten.

Die Anwohner und weitere Kritiker sind von den Zahlen auch nach zwei Informations-Abenden, zu denen die Caritas sie eingeladen hatte, nicht überzeugt. Die Caritas habe ihnen selbst erklärt, dass zahlreiche Alternativen geprüft worden seien, sagt Uli Fritz, „aber warum bekommen wir diese dann nicht zu sehen?“ Und Haro Eden ergänzt: „Es muss doch intelligentere Wege geben, diese angeblich nötigen 105 Plätze unterzubringen.

" Sein Urteil lautet: „Da wird die ganze Niederburg versaut." Jens Schröder schlägt vor, die Caritas solle doch einen Teil der Plätze im dann umgebauten St. Marienhaus belassen, um auf den Anbau in der Klostergasse verzichten zu können. Dass das überhaupt möglich sei, sei auch so ein Gerücht, entgegnet Hoffmann.

Wie sich die Wogen zwischen der Caritas und den Anwohnern glätten lassen, darauf haben beide Seiten noch keine abschließende Antwort. Die Caritas will die Kritiker weiter informieren, stellt aber ihr Vorhaben nicht grundsätzlich in Frage. Die Nachbarn setzen sich weiter gegen die geplante Nachverdichtung in der Niederburg ein. Und sie betonen auch am Ende des Gesprächs noch einmal: „Wir sind für ein Pflegeheim“, so Haro Eden, „aber für ein Pflegeheim mit Augenmaß“.

 

So geht es weiter

  • Die Rechtslage: Die Caritas hat für den Umbau des Zoffingen zum Pflegeheim bisher noch keine Bauvoranfrage eingereicht. Gegen die Antwort darauf können Betroffene ebenso klagen wie auf den folgenden Verwaltungsakt, die Baugenehmigung. Grundlage ist mangels Bebauungsplan Paragraf 34 des Baugesetzbuches. Kernsatz darin ist: "Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist."
  • Die Politik: Über einzelne Bauanträge haben der Gemeinderat und seine Ausschüsse nicht zu entscheiden. Auch der Gestaltungsbeirat hat nur beratende Funktion. Da das Vorhaben aber das Stadtbild am nördlichen Rand der Niederburg zweifellos prägen wird, ist eine Information und Diskussion im Technischen und Umweltausschuss dennoch zu erwarten. Er tagt nach der Sommerpause zum nächsten Mal am 21. September.
  • Der Zeitplan: Bis mindestens Sommer 2018 läuft der Schulbetrieb unter der Regie der Stadt Konstanz. Der Abriss der Turnhalle, der Neubau an gleicher Stelle sowie die Errichtung des Anbaus dürften mehrere Jahre dauern. Im Jahr 2021 könnten die ersten Bewohner ins neue Pflegeheim Zoffingen einziehen. (rau)