Konstanz Pflegeheim-Projekt in der Konstanzer Niederburg: Streit um Zoffingen spitzt sich zu

Anwohner äußern neue Kritik an der Caritas, und die Stimmung war zeitweise geradezu feindselig: Bei einem von der SPD organisierten Ortstermin flogen zeitweise die Fetzen. Am Ende gab es aber doch so etwas wie vorsichtige Entspannung.

Anwohner in der Niederburg bleiben weiter ablehnend zum Vorhaben der Caritas, aus der Schule Zoffingen ein Pflegeheim zu machen und dafür auch einen Anbau auf den bisherigen Schulhof zu stellen. Das wurde am Montagabend bei einem Ortstermin und einer streckenweise emotionsgeladenen Diskussion im St. Marienhaus deutlich. Rund 40 Personen hörten sich teils aufmerksam, teils feindselig und teils auch wohlwollend die Argumente von Caritas-Vorstand Andreas Hoffmann an, der das Vorhaben erneut vorstellte.

Bereits beim Treffen direkt in der Niederburg schlug Hoffmann einiger Zweifel entgegen. Brigitte Rabus als Sprecherin der Initiative bemängelte erneut, die Nachbarn seien „vor vollendete Tatsachen gestellt“ wurden, hielt aber auch fest, dass die Initiative nicht gegen das Pflegeheim an sich sei. Kritik gibt es, wie der Abend zeigte, fast ausschließlich an einem Anbau, für den ein Teil des Schulhofs mit vier großen Kastanienbäumen geopfert werden soll. Später lenkte er bei der Frage ein, ob zur Verdeutlichung der Baumasse ein Stangengerüst errichtet wird, wie viele Anwohner dies forderten. Wenn die katholische Gesamtkirchengemeinde als Grundstücksbesitzerin mitspiele, unterstütze die Caritas als spätere Pächterin diesen Wunsch.

Auch Sozialbürgermeister Andreas Osner kam zu dem von der SPD ausgerichteten Informationstermin. Er mahnte, neben den Einwänden von Nachbarn auch die Interessen jener zu wahren, die zum Beispiel dringend einen Pflegeplatz für einen Angehörigen suchen. Peter Müller-Neff, Fraktionssprecher der Freien Grünen Liste, verteidigte seinen Vorstoß für einen Bebauungsplan. Das kritisierte später SPD-Stadtrat Jan Welsch als „reine Farce“, der allenfalls eine Verzögerung bringe, aber als Verhinderungsplanung rechtlich keinen Bestand haben könne.

Engagiert bezog Peter Kern Position, dem eine benachbarte Immobilie gehört. „Das ganze Mikroklima der Niederburg“ sei in Gefahr, wenn ein Teil der Bäume gefällt werde. Anwohner Fred Schmid befürchtete ein Mehr an Verkehr. Auch viele weitere Betroffene äußerten sich zu Wort – nicht nur vor Ort, sondern auch anschließend im St. Marienhaus. Dort stellte Hoffmann das Projekt erneut umfassend vor und machte deutlich, dass der Anbau für die Caritas zwingend notwendig sei, damit das Haus auch für weniger vermögende Pflegepatienten erschwinglich bleibe. Auch ein Umbau das Marienhauses sei keine Alternative, da Kostenträger und Genehmigungsbehörde nicht mitspielten.

Am 21. September ist nun die Politik gefragt: Im Technischen und Umweltausschuss wird das Projekt erneut öffentlich vorgestellt. Caritas-Chef Hoffmann versprach, bis dorthin auch dreidimensionale Ansichten erstellen zu lassen, um die städtebaulichen Auswirkungen vor allem des Anbaus greifbar zu machen. "Wir haben nichts zu verstecken", versprach er. Eine politische Debatte um einen Bebauungsplan berge überdies die Chance, das Vorhaben durch eine Mehrheit des Gemeinderats unterstützen zu lassen.

 

Das Projekt Zoffingen und die Kritik daran

Die Caritas will die bisherige Schule Zoffingen in der Niederburg in ein Pflegeheim mit Kita umbauen. Seit die konkreten Pläne bekannt sind, gibt es aber auch Kritik. 

  • Das Vorhaben: Wo im Moment noch Mädchen die bereits 1775 gegründete und lange Zeit kirchlich getragene Schule Zoffingen besuchten, will die Caritas ein Pflegeheim mit 105 Plätzen und eine Kindertagesstätte mit 20 Plätzen errichten. Die Zahl von 105 Plätzen ergibt sich laut Caritas aus der Vorgabe, dass laut Gesetz 15-er Gruppen gebildet werden müssen und 90 Plätze nicht ausreichen, um die Plätze des vor der Schließung stehenden, ebenfalls von der Caritas betriebenen St. Marienhauses zu ersetzen. Baubeginn könnte nach dem Auszug der Schule im Herbst 2018 sein, Fertigstellung 2020 oder 2021. An die Stelle der Zoffingen-Turnhalle sowie auf einen Teil des bisherigen Schulhofs sollen Neubauten treten. Die Baukosten dürften bei über 15 Millionen Euro liegen.
  • Die Akteure: Die katholische Gesamtkirchengemeinde besitzt Grundstück und Gebäude, sie hat beides im Jahr 2016 vom Dominikanerorden gekauft. Die Caritas Altenpflege, eine gemeinnützige GmbH unter dem Dach des katholischen Trägers, will das Anwesen pachten, umbauen und dann auch betreiben. Die Stadt Konstanz hat über den Bauantrag der Caritas zu entscheiden, sollte es als Reaktion darauf zu Widersprüchen oder Klagen kommen, wird auch das Regierungspräsidium Freiburg zum Akteur.
  • Die Kritiker: Vor allem Nachbarn haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, die nach eigenem Bekunden ein "Pflegeheim mit Augenmaß" will. Vor allem der rund 15 Meter hohe Neubau-Kubus direkt an der Klostergasse und die Fällung von vier Kastanienbäumen ruft die Kritik hervor. Politische Unterstützung erhalten die Kritiker von Freien Grünen Liste. Deren Ratsfraktion hat durchgesetzt, dass der Technische und Umweltausschuss sowie der Gemeinderat darüber diskutieren, ob für das Areal ein Bebauungsplan erlassen wird. Dies würde den Bau zumindest verzögern. (rau)

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