Ein Monat nach dem Start wird das neue Leihsystem für Lastenräder begeistert angenommen: Schon 775 Nutzer haben sich registriert, das ist mehr als die Hälfte dessen, was sich die Stadt Konstanz für die ganze zweijährige Test-Laufzeit vorgenommen hatte. Bis zu 40 Ausleihungen am Tag gibt es, im Schnitt sind es etwa 30. Marco Walter, der Initiator des Projekts, und Dominik Langer als Betreiber des Systems sind selbst überrascht: "Das übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem", sagt Marco Walter. Zumal die Vergleichs-Stadt Norderstedt bei Hamburg, die zusammen mit Konstanz vom Bundesverkehrsministerium den Zuschlag für den Modellversuch erhalten hatte, nur auf einen Bruchteil dieser Zahlen kommt.

Im Stadtbild sind die aus den Niederlanden importierten Lastenräder kaum noch zu übersehen, obwohl die Verleihstationen auf Altstadt, Niederburg und einen Teil Petershausens beschränkt sind. Neben sperrigen oder schweren Gegenständen werden vielfach auch Kinder transportiert. Zulässig ist das bis zum Alter von sechs Jahren, sagt Marco Walter, und Dominik Langer zerstreut Sicherheitsbedenken: "Im Gegensatz zum Kindersitz am Gepäckträger oder zum Anhänger sehe ich auf die Kleinen, das ist ein großer Vorteil." Obwohl eine Beladung mit 100 Kilogramm zulässig ist, sollten größere Kinder oder Erwachsene nicht mitgenommen werden – und es ist auch verboten.

Im Test des SÜDKURIER zeigte sich der zweirädrige Lasten-Drahtesel unerwartet mühelos zu fahren, allerdings wurden auch die Schwächen deutlich. Vor allem das Ausleihen über Handy-Kurznachrichten bringt noch nicht den versprochenen Komfort und auch keine Kostentransparenz. Im Oktober, verspricht Dominik Langer, sind die eigens entwickelten Bordcomputer einsatzbereit. Schon jetzt funktioniert dagegen die auch mit dem Handy gut nutzbare Internet-Seite, auf der zu sehen ist, wie viele Fahrräder an welchem Standort verfügbar sind. Wer aber kein Handy mit mobiler Internet-Nutzung hat, kann das System nicht sinnvoll nutzen.

Der wohl größte Vorteil des Transportrades ist, dass Fahrten von Tür zu Tür möglich sind, auch das zeigte der Test. In den Getränkemarkt in der Feldstraße könnte man beinahe direkt hineinfahren und die Kisten erst gar nicht auf einen Einkaufswagen laden. Auch das Schleppen vom Parkplatz bis an die eigene Haustür entfällt; da die Fahrtzeit auf kurzen Innenstadt-Strecken kaum länger ist als mit dem Auto, ist das Lastenrad ein Zeitsparer – wenn man in der Nähe einer Verleihstation wohnt. Der Ausbau des Netzes ist bereits geplant, allerdings ist das Förder-Budget zunächst ausgeschöpft, so Walter.

Ob sich die Anfangserfolge verstetigen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Der Reiz des Neuen ist irgendwann verflogen, und das Wetter wird nicht fahrradfreundlicher. Dennoch: Marco Walter und Dominik Langer sagen, sie hätten sich keinen besseren Start vorstellen können. Auch die auffällig lachenden Gesichter der Nutzer scheinen ihnen Recht zu geben.
 

Kosten fürs Leihrad

Seit fünf Wochen kann man in Konstanz Transporträder ausleihen. Nutzer zahlen täglich in der ersten Stunde fürs Leihen nichts. Später wird ein Euro pro halber Stunde verlangt, maximal neun Euro am Tag. Der günstige Preis ist möglich, weil die Allgemeinheit mitbezahlt: Das Konstanzer Modellprojekt kostet auf zwei Jahre etwa 240 000 Euro. Knapp 50 000 Euro davon muss die Stadt übernehmen, der Rest kommt vom Bundesverkehrsministerium. (rau)