Ein Paukenschlag in hellstem Dur: Konstanz gehört zu nur sieben Städten in Deutschland, in denen der Bund künftig Orchester mit großen Summen fördert. Die Südwestdeutsche Philharmonie und der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung (CDU) teilte am Donnerstag die überraschende Nachricht mit. Danach erhält das Orchester in den nächsten fünf Jahren jeweils 500 000 Euro für die programmatische Weiterentwicklung. Weitere 400 000 Euro gibt es, um die Gehälter der Musiker aufzustocken. Über die fünf Jahre, die das Programm läuft, bedeutet dies eine Zuschuss-Summe von 4,5 Millionen Euro.

Die Freude in Konstanz ist riesig, denn neben der Südwestdeutschen Philharmonie kommen nur Großstadt-Orchester in den Genuss der neu aufgelegten Förderung. Dies sind die Bochumer Symphoniker, die Hamburger Symphoniker, die Jenaer Philharmonie, die Münchner Symphoniker und die Stuttgarter Philharmoniker. Große Namen wie etwa die Bamberger Symphoniker oder das Freiburger Barockorchester sind dagegen nicht berücksichtigt worden. Beat Fehlmann zeigte sich am Tag der guten Nachricht aus Berlin überglücklich. Der neu gewonnene Zuschuss zeige, dass Konstanz als besonders innovationsfreudig ausgezeichnet wurde. Kooperationen mit vielen Partnern vor Ort vom Oktoberfest über die HTWG bis hin zum Campus-Festival hätten eben nicht nur örtlich, sondern auch überregional Strahlkraft, erklärte er.

Überglücklich über die neue Bundesförderung für die Philharmonie: Oberbürgermeister Uli Burchardt, Intendant Beat Fehlmann und ...
Überglücklich über die neue Bundesförderung für die Philharmonie: Oberbürgermeister Uli Burchardt, Intendant Beat Fehlmann und Bundestagsabgeordneter Andreas Jung (von links) | Bild: Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

Auch Andreas Jung zeigte sich mehr als zufrieden. „Konstanz spielt damit im Konzert der Besten“, erklärte er am Donnerstag: „Exzellenz gibt es nicht nur in Berlin, sondern auch am Bodensee.“ Damit spielte er darauf an, das bisher lediglich die weltberühmten Berliner Philharmoniker in den Genuss von Bundesmitteln kommen. Konstanz sei ausgewählt worden, weil das Orchester nicht nur künstlerisch hervorragend sei, sondern auch überdurchschnittlich gut geführt werde. Die vom Intendanten Beat Fehlmann nach der Philharmonie-Finanzkrise vor drei Jahren eingeführten Kontrollmechanismen gerade für finanzielle Fragestellungen gelten bundesweit als beispielgebend und werden immer wieder in Fachzeitschriften als Referenzprojekt vorgestellt.


In einer Pressemitteilung wird Oberbürgermeister Uli Burchardt mit den Worten "Ich bin stolz auf unser Orchester" zitiert. Er freue sich, dass sich die „intensive, aber auch offene und transparente Arbeit der letzten Jahre“ nun so auszahle. „Die heutige Entscheidung ist eine Bestätigung des Bekenntnisses der Stadt Konstanz zur Philharmonie – gerade auch in schwierigen Zeiten.“ Es sei erstaunlich, welchen Weg Management und Musiker gemeistert hätten. Das werde nun durch die Bundesförderung gewürdigt.

Für das Publikum bedeutet die Förderung, dass künftig wohl noch mehr außergewöhnliche Musikprojekte angeboten werden können. Auch vom Austausch mit den anderen neu geförderten Orchestern könnten nicht nur ausgewiesene Klassik-Liebhaber profitieren. Denn der Bund will ausdrücklich Kooperation und Vernetzung. Zudem dürfen sich die Zuhörer auf ganz besonders motivierte Musiker freuen, denn im Zuschussprogramm sind auch 400 000 Euro zur „Förderung des persönlichen Exzellenzwillens“ der Orchestermusiker vorgesehen.. Damit sollen Vereinbarungen und Prämien zur Umsetzung einer „Exzellenzcharta“ ermöglicht werden. Darin soll sich jedes Orchester eigene Entwicklungsziele setzen. Da das Konstanzer Orchester seine Mitglieder nach dem günstigeren B-Tarif bezahlt (gegenüber dem höheren A-Tarif, den etliche andere Klangkörper in Deutschland anwenden), dürfte es auch leichter sein, hervorragende Musiker in Konstanz zu halten.