• Christoph Nix bekommt endgültig keine Vertragsverlängerung.
  • Der Konstanzer Gemeinderat entschied am Donnerstag in geheimer Sitzung
  • Seine Intendanz läuft am Konstanzer Stadttheater im Jahr 2020 aus.

Christoph Nix erschien während der nicht-öffentlichen Abstimmung des Gemeinderates im Vorraum des Ratssaales und wirkte nachdenklich – so, als habe er geahnt, was wenig später verkündet werden sollte: "Ich bin sehr skeptisch", sagte er. "Aber es war gut, dass wir das gemacht haben, was wir gemacht haben." Er hatte mit Oberbürgermeister Uli Buchardt den Kompromiss ausgehandelt, ein halbes Jahr länger bleiben zu wollen, damit das Theater die Baden-Württembergischen Theatertage 2019 sowie das Projekt Atlantis 2020 stemmen könne. Im Januar bereits stimmte der Gemeinderat deutlich mit 24 zu 13 gegen eine Vertragsverlängerung – woraufhin Nix verkündete, dass er die Theatertage kippen würde. Nun die nächste, finale Abfuhr – wenn auch deutlich knapper als wenige Wochen zuvor. Die Gemeindeordnung sieht vor, dass bei Stimmengleichheit der Antrag negativ beschieden wird.


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Nix sagt: Rat ist für Scheitern der Theatertage verantwortlich

Als Christoph Nix davon erfuhr, rang er nach Worten. "Ich bin sprachlos", sagte er. "Ohne Not hat dieser Gemeinderat die Theatertage verbannt. Das müssen die Damen und Herren den Menschen erklären." Wenige Minuten später erteilte ihm Oberbürgermeister Uli Burchardt das Wort im Ratssaal. Der Intendant gab sich zunächst moderat: "Ich bin kein Mensch, der beleidigt ist", erklärte er. "Ich danke dem Gemeinderat, dass er sich so intensiv mit der Sache beschäftigt hat. Sie aber haben es politisch zu verantworten, dass wir die Theatertage 2019 nun nicht ausrichten werden." Unter den rund 50 Zuschauern im Saal machte sich Unmut breit: "Das ist nicht im Namen des Volkes", rief eine erboste Frau den Räten zu. "Sie sind feige", sagte eine andere Person. Das Projekt Atlantis 2020 soll als Abschluss von Nix' Wirken nach wie vor ausgerichtet werden. "Doch im letzten Jahr einer Intendanz kann ein sich quasi auflösendes Ensemble keine zwei so große Projekte realisieren", begründet der Intendant die Absage der Theatertage.

 

Intendant kündigt „lange zwei Jahre“ bis zum Abschied an

Christoph Nix verließ den Saal mit seinen Schauspielern und seinem Referenten Daniel Morgenroth. "Eigentlich wäre dieses halbe Jahr ein guter Kompromiss im Sinne der Stadt gewesen", sagte Nix gegenüber dem SÜDKURIER. "Doch hier geht es um etwas anderes als um die Interessen der Stadt: Es geht um Emotionen und Beleidigtsein. Für einige Räte war das eine persönliche Abrechnung mit der Person Christoph Nix. Im Sinne der Stadt haben die nicht abgestimmt." Andreas Osner griff er persönlich an: "Der Kulturbürgermeister hat gegen die Kultur in seiner Stadt gestimmt. Da fehlen mir die Worte." Einmal in Rage, teilte er weiter aus: "In nächster Zeit möchte ich möglichst keinem Politiker begegnen." In Richtung der Verwaltung zielten diese Worte: "Die zwei Jahre bis zum Ende meiner Intendanz beim Theater können lange werden." Heute habe er die Quittung für seine gute und erfolgreiche Arbeit in Konstanz erhalten, sagte er mit bitterer Ironie.


OB Burchardt wollte im Konflikt vermitteln

Wenige Stunden zuvor übergab Stefan Postius die Petition "Konstanz braucht seinen Theater-Intendanten für ein zusätzliches Jahr" an OB Uli Burchardt. 1512 Personen haben unterschrieben, davon 1017 Konstanzer – das Quorum von 1000 war damit erreicht. Diese Petition hat zwar keine rechtliche Bindung, doch immerhin Symbolkraft. "Das ist eine besondere Art der Bürgerbeteiligung", sagte der OB. "Dafür danke ich ihnen." Rund 30 Theaterfreunde sowie Mitarbeiter des Hauses waren im Ratssaal bei der Übergabe anwesend – und zu diesem Zeitpunkt noch guter Dinge. "Uli Burchardt war sehr verständnisvoll und entgegenkommend", berichtete Stefan Postius hinterher. Wobei ihm nicht klar ist, wieso die Entscheidung als Personalangelegenheit nicht-öffentlich ablief. "De facto hat das nichts mit der Person Nix zu tun", sagt er. "Sondern es geht darum, dass die Theatertage und das Projekt Atlantis im Sinne der Stadt Konstanz realisiert werden sollen – und das geht nur mit diesem Intendanten." Auf der anderen Seite sei es ein Anliegen, die jahrelang erfolgreiche Arbeit des Christoph Nix nicht am Ende seiner Konstanzer Zeit zu schmälern: "Sein Ruf darf nicht beschmutzt werden."


Kritiker wollen Stadträte zur Erklärung zwingen

Stefan Postius war enttäuscht. Er kündigte weitere Aktionen an: "Über die Petition werden Fragebögen an die Gemeinderäte verschickt." Die Plattform Openpetition sorge dafür, dass Politiker wissen, was die Bürger bewege: "Wenn eine Petition das Quorum erreicht hat wie in unserem Fall, wird das Parlament, also alle gewählten Vertreter, um eine Stellungnahme gebeten. Das steht jedem Bürger zu." Einige Stadträte wollten am Sitzungsabend mit dem Hinweis auf die nicht-öffentliche Abstimmung keinen Kommentar abgeben.