Konstanz Parken in Konstanz: Darf es im Zentrum wirklich bald fünf Euro für eine Stunde kosten?

Händler und Wirte sind empört: Hohe Parkgebühren als Abschreckung für Langzeit-Parker und als Förderung für günstige Großparkplätze mit Bus-Anschluss sorgen in Konstanz für hitzige Diskussionen. Aber auch die von der Verwaltung vorgeschlagene Parkplatz-Bau-Offensive sorgt für Kontroversen – allerdings mit vertauschten Rollen.

Für die einen ist es der größte Kniefall vor der Autofahrer-Lobby seit Jahrzehnten, für die anderen die Chance auf Entlastung der Altstadt: Die Diskussion darüber, wie es künftig mit dem Autofahren in Konstanz laufen soll, hat an Fahrt aufgenommen und an Schärfe zugelegt. Seit die Stadtverwaltung konkrete Vorschläge präsentiert hat, außerhalb der Altstadt Tausende neue Stellplätze zu errichten und zugleich das Langzeit-Parken in den Parkhäusern am Altstadtring drastisch zu verteuern, ist eine intensive Debatte zum Autoverkehr entbrannt. Händler und Gastronomen haben scharfen Protest gegen die Idee vorgebracht, in der Altstadt ab der vierten Stunde fünf Euro pro Stunde zu verlangen und damit den Verkehr ins künftige Großparkhaus beim Bodenseeforum und ein mögliches weiteres Parkhaus am Schänzle zu lenken.

Handels-Vertreter warnt: Die besten Zeiten sind vorbei

Bei der Sondersitzung des Technischen und Umweltausschusses am Dienstagabend warnte Peter Kolb mit drastischen Worten davor, Kunden von der Fahrt nach Konstanz abzuschrecken. Er bezeichnete sich als „Wirtschaftsvertreter“ und betonte, er spreche nicht in eigener Sache (Sport Gruner), sondern in Abstimmung mit Thomas Adams (Karstadt), Jürgen Baur (Edeka) und Peter Herrmann (Lago).

Die gemeinsame Position sei, dass man „gegen eine Erhöhung der Parkgebühren“ sei und sich „gegen jegliche Vergrämungsaktionen und Sperrungen“ stelle. Der Handel habe im Moment genug mit neuem oder künftigem Wettbewerb in Radolfzell, Singen, Wigoltingen und im Internet zu kämpfen: „Die besten Zeiten sind vorbei“, so Kolb, „sägen Sie nicht an den Ast, auf dem wir alle sitzen.“

Politik ist bei Parkgebühren gespalten

Bei den Stadträten wurde Kolbs Beitrag unterschiedlich aufgenommen. „Wir jammern auf hohem Niveau“, sagte etwa Peter Müller-Neff (Freie Grüne Liste), während Sabine Feist (CDU) betonte: „Wir wollen keine abschreckende oder wirtschaftsfeindliche Stadt sein.“ Jürgen Ruff (SPD) forderte wie Johannes Hartwich (FDP) weniger Autoverkehr in der Altstadt.

Anselm Venedey (Freie Wähler), selbst Wirt, stellte sich gegen seinen Branchenverband Dehoga: „Parken muss teurer werden, wenn die Alternativen bereitstehen.“ Und Thomas Buck (Junges Forum) begrüßte ausdrücklich auch die von der Verwaltung vorgeschlagene Verkehrslenkung mit zeitweisen Einfahrtsperren als „sehr vernünftig und umsetzbar“.

3000 neue Stellplätze sind auch nicht unumstritten

Kontrovers diskutiert wurde auch die Frage, ob überhaupt so viele neue Parkplätze entstehen sollen. Vor allem ein Parkhaus mit bis zu 900 Plätzen an der Schänzlehalle – laut Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn könnte es auch der HTWG und Anwohnern zugute kommen – ist politisch noch lange nicht gesichert. Vor allem aus der Freien Grünen Liste, der größten Fraktion im Gemeinderat, gab es kaum Zustimmung zu dem Projekt. Wann eine konkrete Entscheidung ansteht, ist offen.

 

 

Was auf Autofahrer zukommen dürfte

Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat Konstanz wieder eine Generaldebatte zum Thema Verkehr geführt. Nach der mehr als fünfstündigen Sitzung des Technischen und Umweltausschusses zeichnet sich ab:

  • Parkplätze: Das Parkhaus am Bodenseeforum mit 1800 Plätzen ist weitgehend unumstritten. Auch die 900 Plätze am Döbele (davon aber viele für die künftigen Bewohner) sind gesetzt. Gegen eine früher schon einmal geplante Park-Palette an der Schänzlehalle gibt es erhebliche Widerstände. Sie müsste an der Stelle des jetzigen Parkplatzes direkt vor der Halle stehen. Unter der Brücke und auf dem Sportplatz-Gelände ist ein Bau aus rechtlichen Gründen nicht möglich, sagte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Auch wer das Parkhaus bauen und bezahlen würde, bleib noch offen.
  • Parkgebühren: Außerhalb des Zentrums zu parken und auf den Bus umzusteigen, geht nur über Anreize und Abschreckung, soweit herrscht Einigkeit. In der Diskussion zeichnete sich ab, dass die meisten Stadträte zuerst die Anreize in Form komfortabler Parkplätze und einem dichten Bus-Takt ins Zentrum schaffen wollen, bevor sie das Langzeit-Parken am Altstadtring verteuern wollen. Über die vorgeschlagene Höhe (erste drei Stunden maximal fünf Euro und dann jede weitere Stunde nochmals fünf Euro, in den Parkhäusern außerhalb dagegen fünf Euro pro Tag inklusive Bus) wurde nicht detailliert diskutiert.
  • C-Konzept: Innerhalb von zehn Jahren soll es umgesetzt werden. Nach dem Rheinsteig kommt 2019 der Bahnhofplatz mit Kreisel vor dem Lago an die Reihe, danach gibt es auf dem Rest des Rings auf Jahre hinaus Baustellen. Verkehrsplaner Stephan Fischer sagte, diese dienten nicht allein der Neuorganisation des Verkehrs, sondern auch der Erneuerung von Leitungen.

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