Einen solchen Andrang erfährt der Stadtgarten selten. Und das, obwohl peitschender Regen am Samstag kurz nach 22 Uhr einen Abbruch der Konzerte beim Open-See-Festival erzwang. Die Veranstalter vom Kulturladen ziehen für das zum zweiten Mal auf drei Tage gestreckte Ereignis im Stadtgarten allerdings eine äußerst positive Bilanz. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Sprecherin Magdalena Schweizer über das Open Air, hinter dem rund 50 ehrenamtliche Helfer stehen. Sie geht von rund 7000 Besuchern aus. Auch die Reaktionen des Publikums zeigten: Ob bei Sonnenschein oder Sturmregen, die Gäste waren begeistert von der Mischung aus Kleinkunst, Musik und internationalem Flair.

Kein Eintritt, keine Sperrgitter, einfach und ungezwungen Freunde zu treffen und sich überraschen lassen: Das hat der Konstanzer Kulturladen mit den Partnern K9, Südwestdeutsche Philharmonie und Flüchtlingsorganisationen auf die Beine gestellt. Viele sprach das an. Klemens Schnobrich, der mit Frau, Kindern und Schwester in den Stadtgarten gekommen war, bezeichnete das kleine Festival als freier und schöner als Großereignisse. Ohne öffentliche Zuschüsse und Einsatz Ehrenamtlicher würde es diese Form von Open See allerdings nicht geben (siehe Infokasten). Patrick Schreiber, der im Bühnenaufbau für Profibands wie Guns'n'Roses arbeitet, zeigte sich vor allem neugierig auf aufstrebende Musikgruppen. Open See gibt regionalen Bands die Möglichkeit, sich vor größerem Publikum zu präsentieren, so am Samstag, als mit Beginn des Festivalabends dicke Regenwolken über dem Stadtgarten hingen.

Bild: Claudia Rindt
Bild: Claudia Rindt

Zwei Stunden lang hielten sich die Hoffnungen, dass sich diese wieder verziehen, dann brach der Gewitterregen los. Jonas Pommnitz von The Sound Monkeys aus Konstanz stand mit seiner Elektrogitarre auf der Bühne, als Sturmböen den Starkregen direkt auf die Bühne drückten. „Uns ist der Regen um die Ohren geflogen“, sagte er rückblickend. Selbst sein Handy sei so nass geworden, dass er es zum Trocknen in ein Bett aus Reis legen musste. Vor der Bühne aber tanzten die Menschen weiter, als könnten sie auf diese Weise einen Wettergott positiv beeinflussen. Die Verstärker waren vorsorglich mit Regenschonern bedeckt worden, doch eines der Geräte hielt dem Sturm nicht stand. Als es kippte und dann auch noch ein Kurzschluss den Bühnenstrom kappte, war den Veranstaltern klar: Das Konzert muss abgebrochen werden. Sie warfen das Notstromaggregat an und gaben das Ende des Musikabends bekannt. „Wir haben die Leute nach Hause geschickt", sagt Sprecherin Schweizer. Die Sound Monkeys aus Konstanz und die Delirious Mob Crew aus Frauenfeld hatten das Nachsehen, beide Bands sollen nun Termine für Ersatzauftritte im Kulturladen bekommen, wie Magdalena Schweizer und ihre Kollegin Annelies Hell betonten. Vor dem Konzertabbruch hatten die Lauffreudigen Motorsensen aus Konstanz Punkiges mit frechen und kritischen deutschen Texten gegeben, und danach hatte El Jetta aus Langenargen ihren Gitarrenrock ins Publikum gefetzt.

Die Trommel- und Tanzakrobaten von Saf Sap, die neue Generation, heizen den Zuschauern am Sonntagnachmittag ein. Die Konzerte am Samstagabend mussten kurz nach 22 Uhr wegen Gewittereinbruchs mit Starkregen abgebrochen werden.
Die Trommel- und Tanzakrobaten von Saf Sap, die neue Generation, heizen den Zuschauern am Sonntagnachmittag ein. Die Konzerte am Samstagabend mussten kurz nach 22 Uhr wegen Gewittereinbruchs mit Starkregen abgebrochen werden.

Das Wetterpech am Samstagabend wurde durch Wetterglück am Sonntagnachmittag ausgeglichen. Nach einem verregneten Morgen strahlte pünktlich zu Beginn des Festivalprogramms die Sonne. „Wir sind erleichtert. Heute gibt es für alle Sonne satt“, sagte dann auch Sprecherin Schweizer. Entsprechend gelassen ging es auf dem Gelände zu. Die Besucher tanzten unter anderem zu Reggae von El Flecha Negra, zu afrikanischen Trommeln der Gruppe Saf Sap der neuen Generation und zu den Balkan-Tönen der Haiducken. In einem kleinen Zelt gab es mehrere Programm-Punkte für Kinder, so etwa den Auftritt des Flohzirkus' Orquestra mit Clownerei, Zauberei und Musik. Der letzte Festivaltag war eingebunden in ein interkulturelles Fest, auf dem Save me (Helfernetzwerk für Flüchtlinge), das Café Mondial und das Café International Dettingen für Speisen und Getränke sorgten. 19 freiwillige Helfer, darunter Flüchtlinge, arbeiteten in der Küche und an den Ständen. Marion Mallmann-Biehler vom Save-me-Vorstand hoffte, neue Sprachpaten für aktuell rund 1000 Flüchtlinge gewinnen zu können.

Bild: Claudia Rindt
Bild: Claudia Rindt

Das Festival

Rund 50 ehrenamtliche Helfer sorgten im Hindergrund für den Ablauf der 15. Auflage des Open-See-Festivals. Beim Abbau waren sie bis in die frühen Morgenstunden beschäftigt. Ohne deren Einsatz sowie dem städtischen Zuschuss von 18 000 Euro, dem vom Land über 9000 Euro und Sponsorenbeiträgen gäbe es das Open-See-Festival nicht. Hauptorganisator ist das soziokulturelle Zentrum Kulturladen in Zusammenarbeit mit dem K9, der Südwestdeutschen Philharmonie und Flüchtlingsorganisationen.