Manfred Riedle hat gerade den großen Gasbrenner angezündet, da ereignen sich innerhalb von wenigen Minuten zwei sehr unterschiedliche Szenen. Eine ältere Dame steigt am Beginn des Herosé-Parks von ihrem Rad ab, spricht Riedle und seinen Kollegen Mamadou Diallo an und sagt: "Das ist eine gute Idee. Danke, dass Sie das machen, und hoffentlich hilft es was."

Kurz darauf fegt ein Radler mit kaum verminderter Geschwindigkeit in weniger als Armdistanz an den beiden Mitarbeitern der Technischen Betriebe vorbei, Riedle ruft seinem Kollegen noch ein erschrecktes "Pass auf!" zu.

Die Buchstaben wurden wieder entfernt

Der junge Radler war wohl zu schnell unterwegs, um die Buchstaben zu lesen, die die beiden Männer in Blau auf weißem Grund auf den kombinierten Geh- und Radweg geschweißt haben. BITTE RÜCKSICHT stand dort am Donnerstagmittag in kapitalen Lettern – bis sich die Buchstaben wieder ablösten und in den nächsten Wochen neu aufgeschweißt werden müssen. Dann wird die Schrift übrigens auch noch eindeutiger und steht für Radler, die aus Richtung Bodenseeforum kommen, auch nicht mehr auf dem Kopf.

Auch auf der anderen Seite der Engstelle gibt es seit Donnerstag eine neue Markierung. Diese Radler hier geraten nicht mit Fußgängern in Konflikt, haben aber mehr als Schrittgeschwindigkeit drauf.
Auch auf der anderen Seite der Engstelle gibt es seit Donnerstag eine neue Markierung. Diese Radler hier geraten nicht mit Fußgängern in Konflikt, haben aber mehr als Schrittgeschwindigkeit drauf. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Mit den Inschriften – jede von ihnen kostet laut den Technischen Betrieben und 600 Euro – will die Stadtverwaltung an der Stelle für mehr Sicherheit sorgen. Immer wieder hatte es Klagen gegeben, dass Radfahrer auf dem vergleichsweisen engen Weg Fußgänger fast umfahren.

Auch am Donnerstag wird es mehrfach eng, und nicht alle Radler passen ihr Tempo der Strecke und ihren Mitmenschen an. Sogar die Sperrung des Wegs für Radfahrer hatten Politiker gefordert, allen voran Stadtrat Anselm Venedey von den Freien Wählern. Es könne nicht sein, sagte der Politiker mehrfach, dass die Schutzlosesten im Verkehr inzwischen die größte Angst haben müssten – und zwar vor Radlern.

Und es gibt auch Situationen wie diese im Herosé-Park: Ein Radler hat eben einen Fußgänger umkurvt und flitzt jetzt an einem Paar vorbei, das einen Kinderwagen schiebt. Nicht selten werden Fußgänger hier auch rüde weggeklingelt.
Und es gibt auch Situationen wie diese im Herosé-Park: Ein Radler hat eben einen Fußgänger umkurvt und flitzt jetzt an einem Paar vorbei, das einen Kinderwagen schiebt. Nicht selten werden Fußgänger hier auch rüde weggeklingelt. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Die neuen Schriften – eine zweite brachten Riedle und Diallo am Morgen auf der anderen Seite der Engstelle nahe der Fahrradbrücke an – sind ein Kompromiss. Denn ein Fahrradverbot hatte die Stadtverwaltung an der Stelle abgelehnt. Weil sie sonst hätte Zuschüsse zurückzahlen müssen, die ausdrücklich für den Radweg bestimmt waren. Und weil Durchfahrt-Sperren stets auch für Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen eine Barriere sind. Zusätzlich zur Markierung gibt es an der Fahrradstraße außerdem ein Schild, das als Alternative den Radweg nahe der Reichenaustraße, auf der anderen Seite der Hofgärten-Wohnhäuser, empfiehlt.

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Laut Stadtverwaltung müssen Radler auf dem Stück zwischen Fahrradstraße und Bischofsvilla künftig Schrittgeschwindigkeit fahren. Am ersten Tag mit den neuen Hinweisen ist davon noch nicht viel zu merken. Viele Radler haben um die 20 Kilometer pro Stunde drauf. Als ein Paar mit Kleinkind im Kinderwagen entgegenkommt, schlägt ein Radler einen schnelle Haken und verhindert die Kollision.

Andere nehmen mehr von dem, was die neuen Schriften erbitten: Rücksicht. Im neuen Café Lebensart neben der Bischofsvilla sitzt ein Stammgast und sagt: "Ich wundere mich nur, dass hier noch nicht viel mehr passiert ist". Dass nun bessere Zeiten anbrechen, das bezweifelt er.