Konstanz Ökumene im Römertopf geschmort: Kardinal Koch schlägt beim 600-jährigen Papstjubiläum kritische Töne an

Kurt Koch ist Gesandter des Papstes für das Konzilsjubiläum. Der Kurienkardinal hielt eine Festrede, die manchen überraschte.

Benedikt XVI. wollte der Einladung der Stadt Konstanz damals nicht Folge leisten. Franziskus kann auch nicht zum Jubiläum kommen, obwohl die Wahl vor 600 Jahren viel mit dem heutigen Papsttum zu tun hat. Dafür schickte er Kurt Koch als Sondergesandten - Koch ist im Vatikan zuständig für die Ökumene.

Mit hohen Erwartungen sahen die Besucher dem Vortrag des Kurienkardinals entgegen. Der obere Saal im Konzil war voll besetzt, die Stimmung nach der Rede von Ministerin Susanne Eisenmann und den delikaten Klängen des Vokalensembles gehoben. Irgendwann war auch die Litanei der politischen, klerikalen und sonstigen Titel abgearbeitet, deren Länge dem titellosen Laien anzeigt, dass er einem sehr bedeutenden Ereignis beiwohnt. Die Ahnung täuschte nicht: Kardinal Koch hielt eine Rede, die auf Kante geschrieben war. Er zeigte den römischen Standpunkt auf in der Papstfrage: Dieses Amt ist der Schlüssel zur Einheit der Kirchen – nicht deren Hindernis. Ökumene ohne Petrus-Amt geht nicht.

Festgottesdienst im Münster
Festgottesdienst im Münster | Bild: Oliver Hanser

Der Vortrag des ehemaligen Bischofs von Basel war eindeutig. Erst wiederholte er die Geschichte des Konzils, an deren Ende drei streitende Päpste abgelöst und ein neuer gewählt wird: Martin V., Papst der Einheit. Spannend wurde dann der Bogen, den der Kardinal bis in die Heute-Zeit zog. In der ökumenischen Frage sei der Papst nicht das Hindernis für ein Zusammenrücken, sondern dessen größte Chance. „Der Papst lebt den Primat der Liebe“, sagte Koch unter Berufung auf den frühchristlichen Schriftsteller Ignatius von Antiochia. Koch spannte das Bild weiter: Es gehe dem Bischof von Rom nicht um Herrschaft oder Unterordnung, sondern um den Dienst. Seine Leitungsfunktion verrichte er als Diener und als Förderer der Einheit.

Den evangelischen Christen gab er zu denken, dass die Institution namens Papst der Ökumene nützlich sein könne – man müsse ihn eben nur anerkennen. Während Kardinal Koch den protestantischen Zweig eher distanziert behandelte, zeigt er den Orthodoxen mehr Wärme. Dass er damit an vielen Zuhörern vorbeiredete, war ihm wohl nicht klar: Zahlreiche evangelische Würdenträger bis hin zum Landesbischof waren anwesend – aber kein orthodoxer Vertreter.

Freilich folgte er nicht nur der Spur des römischen Triumphalismus (verkürzt: Wir sind wir). Er stellte der katholischen Kirche, die er maßgeblich vertritt, auch kritische Fragen. „Die katholische Kirche hat noch die die Synodalität erreicht, die theologisch notwendig wäre,“ sagte er unter Anspielung auf fehlende Mitwirkung. Synodalität kann man auch als Reverenz an die evangelischen Kirchen lesen, in denen vieles durch gewählte Gremien entschieden wird.

Seine Rede löste viele Reaktionen aus, sie wurde den Tag über noch zerlegt und besprochen. Vielen war sie zu päpstlich, zu wenig versöhnlich. Eines wird man dem Kardinal sicherlich lassen: Er hat den römischen Standpunkt ohne Wenn und Aber vertreten. Dass mancher katholische Pfarrer im Oberen Konzil über den Thesen aus dem katholischen Hauptquartier zusammenzuckte, dürfte ihm entgangen sein – so stark war der Kardinal in sein Manuskript vertieft.

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