Konstanz Nutzung von Turnhallen als Flüchtlingsunterkunft: Sportverband fordert gerechtere Verteilung

Um Flüchtlinge kurzfristig unterzubringen, werden Turnhallen umgenutzt. Der Stadtsportverband Konstanz fordert nun eine gerechtere Verteilung.

Für 96 Flüchtlinge richtete das Landratsamt im August in der kreiseigenen Turnhalle der Zeppelin-Gewerbeschule Plätze ein. Jetzt, einen Monat später, sind dort 160 Menschen untergebracht. Mittlerweile wurden Stockbetten eingebaut, zwölf statt sechs Flüchtlinge leben in jeweils einem notdürftig abgetrennten Bereich. Unterdessen versucht Harald Schuster vom Stadtsportverband Konstanz mit den Vereinen und dem Sportamt neue Trainingszeiten in den anderen Sporthallen abzustimmen. Mehrere Vereine und Schulen sind von der Umnutzung betroffen. Die Volleyballer vom USC Konstanz beispielsweise wichen auf die Schänzlehalle aus. Ein Notprogramm, sagt Schuster, das machbar ist – aber Einschränkungen für alle bedeutet: Die Handballer, die Basketballer, die Leichtathleten. Noch mehr Einschränkungen, sagt Schuster, gehen nicht: „Das ist das Ende der Fahnenstange.“

Die aktuelle Situation macht es deutlich: Die Erstunterkünfte sind überfüllt und genügend Wohnraum ist noch lange nicht gebaut – weder für die Flüchtlinge, noch für die bisherige Bevölkerung. Dass auch Sportstätten umgenutzt werden müssen, war schon früh klar und wurde auch entsprechend vom Landratsamt gegenüber Schuster kommuniziert, sagt er. „Wir haben stets Solidarität bei der Unterbringung versichert und werden uns auch weiter für integrative Sportangebote stark machen“, so Schuster. Aber: „Auch Solidarität kann brüchig werden, wenn nur zwei Pfeiler – Schule und Verein – in der Kommune einseitig belastet werden“, sagt Schuster. Fakt ist: Die Zeppelinhalle ist belegt, der Vertrag für die Tennishalle Dettingen ist unterschrieben und im Bodenseestadion sollen bald Zelthallen aufgestellt werden.

„Es geht natürlich um die Verteilung und die Nutzung freier Räume, ohne das St. Floriansprinzip zu nutzen“, sagt Schuster. Und weiter: „Wer auf Dauer nicht ehrenamtliches Engagement torpedieren will, sollte die Rangliste der Unterkünfte anderes definieren. Wir erwarten, dass eine Priorisierung der möglichen Standorte aus dem Sportbereich mit uns abgestimmt wird.“ Das Bodenseestadion beispielsweise werde viel häufiger genutzt als oft angenommen werde. Das Suso-Gymnasium trainiert dort regelmäßig – und es gibt immer wieder große Sportveranstaltungen wie den Grundschulcup. Als Alternative könne sich Schuster zum Beispiel Bolzplätze im Stadtgebiet vorstellen, auf denen Erstunterkünfte errichtet werden könnten. Klar ist für ihn: „Hallen dürfen nicht mehr umgenutzt werden.“

Mit dem Landkreis besteht Konsens, die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen unbedingt zu vermeiden, heißt es von Seiten der Stadt. 96 Grundstücke oder Gebäude, die von der Verwaltung ermittelt oder von Bürgern gemeldet wurden, würden derzeit auf ihre Verfügbarkeit, baurechtliche Belange oder städtebauliche Eignung geprüft.

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