Hannah presst mit ihren Handballen im schnellen Rhythmus auf die Mitte des Brustkorbs. 100 Mal pro Minute drückt sie kräftig und souverän zu; nicht auf die Brust eines Menschen, sondern einer Übungspuppe: "Anstrengend", stellt sie nach einigen Minuten der Herdruckmassage fest und fügt überzeugt an: "Ich weiß, wie es geht und, dass ich helfen könnte." Die 13-jährige Schülerin kennt die Angst vieler, dass sie etwas falsch machen könnten. "Ich habe keine Hemmungen", sagt Hannah: "Auch wenn ich vielleicht jemandem dabei die Rippen brechen könnten – es geht doch darum, ein Menschenleben zu retten. Das ist das Entscheidende." Hannah hat an der Grundschule Dingelsdorf die Ausbildung zur Schulsanitäterin gemacht. Sie nahm aber trotzdem engagiert an der Woche der Wiederbelebung an der Gemeinschaftsschule teil, denn, je mehr man übt, desto besser funktionieren die Handgriffe.

825 Schüler nahmen an der Aktion teil, die der Malteser Hilfsdienst auf Initiative von Volker Kurzweg, leitender Notarzt beim Malteser Hilfsdienst und freiberuflicher Anästhesist, anbot. Vor drei Jahren bot Kurzweg für eine Schulklasse erstmals einen Reanimationskurs, im Folgejahr für die Jahrgangsstufe und jetzt mit weiteren Malteser-Kollegen für die gesamte Gemeinschaftsschule an. Menschenleben retten ist sein Beruf, das Sensibilisieren der Bevölkerung seine Berufung.

Wissen, das Leben rettet: Alle Schüler der Gemeinschaftsschule nahmen an der Aktion des Malteser Hilfsdienstes bei der Woche der Wiederbelebung teil. Bild: Aurelia Scherrer
Wissen, das Leben rettet: Alle Schüler der Gemeinschaftsschule nahmen an der Aktion des Malteser Hilfsdienstes bei der Woche der Wiederbelebung teil. Bild: Aurelia Scherrer

Eine statistische Erhebung aus dem Jahr 2011 stimmte ihn nachdenklich. Bei einem Kreislaufstillstand, der von anderen beobachtet wird, erfolgten in Deutschland lediglich "17 Prozent Wiederbelebungsmaßnahmen durch Laien", so Kurzweg: "In 83 Prozent der Fälle erfolgte keine Hilfe in den ersten Minuten." Eben diese seien überlebenswichtig. Zum Vergleich: "In Holland wurden 65 Prozent und in Norwegen 74 Prozent der Wiederbelebungen durch Laien geleistet." Wichtig ist Kurzweg, Kinder und Erwachsene zu sensibilisieren und Wissen zu vermitteln, um mehr Ersthelfer zu generieren. An der Gemeinschaftsschule wurden in drei Tagen immerhin etwa ein Prozent der Konstanzer Bevölkerung mit gezielten Reanimationsmaßnahmen vertraut gemacht.

Volker Kurzweg vermittelte den Schülern in seinem Kurzvortrag die grundlegende Vorgehensweise – von der Ansprache des Patienten über das Absetzen des Notrufes bis hin zu der Herzdruckmassage. Er machte den jungen Leuten Mut zum Handeln. "Wichtig ist, dass man es tut", sagte er. Nicht jeden Menschen könne man retten. "Es funktioniert nicht immer, aber es ist besser als nichts zu machen".

Nach der Einführung übten die Mädchen und Jungen die Herzdruckmassage an den Puppen. Die 13-jährige Ida findet die Aktion gut. "Ich habe das vorher noch nie gemacht", sagt sie. Die Handgriffe hat sie jetzt gelernt, ist sich aber nicht ganz sicher, ob sie sich das an einem Menschen trauen würde. "Ich glaube, ich hätte Angst, ihm was zu brechen", sagt sie offen, meint dann aber: "Aber man kann Leben retten." David (13) ist bei der DLRG und trotzdem froh über diesen Auffrischungskurs. "Hier wird alles auf etwas andere Weise erklärt. Man sollte das regelmäßig üben".

Begeistert von den Schülern sind Ausbildungsleiterin und Lehr-Rettungsassistentin beim Malteser Hilfsdienst Sabine Hartauer und Harald Härle, Leiter der Ausbildung bei den Maltesern. "Sie haben keine Berührungsängste. Sie trauen sich und haben Freude beim Üben", berichtet Sabine Hartauer und Harald Härle fügt an: "im Gegensatz zu vielen Erwachsenen, die Angst davor haben, etwas falsch zu machen." Was beide beeindruckte: "Acht Minuten dauert es im Schnitt, bis der Rettungsdienst vor Ort ist. Eine Schülergruppe wollte es ausprobieren, ob sie es durchhalten", erzählt Sabine Hartauer und fügt schmunzelnd an: "Sie haben es geschafft und dann auf zehn Minuten verlängert."

 

Wiederbelebung

Unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit findet jedes Jahr die Woche der Wiederbelebung statt. Sie ist eine Initiative des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. In Konstanz startete der Malteser Hilfsdienst eine konzertierte Aktion an der Gemeinschaftsschule. Die Helfer machten in drei Tagen 825 Schüler mit dem Thema in Theorie und Praxis vertraut. (as)

Nähere Informationen im Internet: www.einlebenretten.de