Die Altenpflege in Konstanz ist ein Feld von Großbaustellen, das zeigt der aktuelle Bericht der Stadt Konstanz dazu. Es fehlt vor allem an Plätzen für die Kurzzeitpflege und die Pflege, wenn ein Angehöriger wegen Krankheit oder Urlaub verhindert ist, es fehlt an 24-Stunden-Plätzen und an Fachkräften. Im Sozialausschuss gab es unterschiedliche Meinungen, welcher Rolle künftig den sorgenden Gemeinschaften, also den auch bürgerschaftlich getragenen Hilfs- und Unterstützungsnetzwerken in den Quartieren zukommt. Bürgermeister Andreas Osner regte Meilensteinplanungen in einem Handlungsprogramm an. Dazu müsste der Gemeinderat aber Gelder für zusätzliche Stellen freigeben. Der Bürgermeister will ein Konzept dazu vorlegen.

Es ist ein sehr übersichtlich gestaltetes 55-Seitenwerk, das klar auflistet, was Konstanz noch alles machen muss, um die Lage für Pflegende und Pflegebedürftige zu verbessern. Die Altenhilfeberatung zählt zehn Handlungsfelder auf, darunter drei, die sie selbst als „Notbaustellen“ bezeichnet, und eines, das sie mit „Großbaustelle“ benennt. Dabei ist eines klar: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird steigen, nach der rechnerischen Prognose von 2500 im Jahr 2015 auf rund als 3100 im Jahr 2035.

„Die Zukunft wird die Vielfalt sein“, sagte Claudia Richter von der Altenhilfeberatung der Stadt im Sozialausschuss. Vielfältige Betreuungs-Angebote eröffneten die Möglichkeit, Mitarbeiter mit vielfältigen Bedürfnissen einzusetzen. Es müsse dann nicht immer die Arbeit zu 100 Prozent im Schichtdienst sein. Die Stadt müsse jetzt die Initiative ergreifen, um diese Angebote zu schaffen. „Wir haben das lange Zeit dem Pflegemarkt überlassen.“ Bei den ambulant betreuten Wohngemeinschaften geht Konstanz gerade einen großen Schritt voran (siehe Infokasten).

Auch bei der Planung neuer Quartiere wird darauf geachtet, den Rahmen für die auch bürgerschaftlich getragene sorgende Gemeinschaft zu schaffen, etwa durch neue Formen des gemeinschaftlichen Zusammenwohnens. Claudia Richter geht davon aus, dass die sorgende Gemeinschaft unumgänglich ist. „Wir werden in 20 Jahren nicht mehr in der Servicegesellschaft leben wie heute. Wir werden andere Lösungen finden müssen.“

Petra Böhrer von der Altenhilfeberatung wies auf die bisher hohe Bedeutung der Angehörigen in der Pflege hin. „Das ist der größte Pflegedienst, den es gibt.“ Es gelte genau hinzusehen, was die Menschen brauchen, damit sie durch die Belastung nicht selbst krank werden. Doch es fehlt noch an einigen Bausteinen, die für Entlastung sorgen könnten.

  • Krisenherd Kurzzeitpflege: Es stehen in Konstanzer Heimen gerade zwei ausdrücklich ausgewiesene Plätze für die Kurzzeitpflege zur Verfügung. Sie sind wichtig für pflegende Angehörige, die eine Auszeit planen oder selbst krank werden, oder auch für Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt Übergangshilfen brauchen, die in den eigenen Vierwänden nicht möglich sind.
  • Krisenherd Verhinderungspflege: Wenn ein pflegender Angehöriger eine Vertretung benötigt, kann er bis zu zehn Tage lang auf bürgerlich Engagierte der Zeitinsel zurück greifen, ein Projekt der Altenhilfeberatung und des Sozialdiensts katholischer Frauen. Der Bedarf liegt nach Angaben der Experten aber höher. Pflegehotels oder Pflegepensionen hat Konstanz nicht.
  • Krisenherd 24-Stunden-Pflege: Die Wartelisten in den Heimen sind lang, der Weg zu neuen Heimen mühsam. Gegen das geplante Haus mit 60 Plätzen in der Jungerhalde, das Ende 2019 in Betrieb gehen sollte, drohen der Stadt nun Klagen von Anwohnern, hieß es im Sozialausschuss. Andere Vorhaben sind in weiter Ferne: Ein Haus am Weiherhof mit 60 Plätzen soll im Idealfall 2022 öffnen, für Häuser im Gerstäcker und Hafner mit auch jeweils 60 Plätzen liegen noch keine Planungen vor. Eine neue zentrale Anmeldestelle für Heimplätze, vergleichbar mit der bei den Kindergärten, soll Erleichterungen für Angehörige bringen, die einen Heimplatz suchen.
  • Krisenherd ambulante Pflege: 12 ambulante Pflegedienste sind voll ausgelastet, Kapazitäten für eine Erweiterung fehlen, weil es an Personal fehlt. Um Menschen in den Diensten zu halten, gibt es Ideen, besondere Touren zu individuellen Arbeitszeiten einzurichten, etwa für Mütter oder ältere Mitarbeiter
  • Krisenherd Entlassmanagement: Kliniken sollten keinen Patienten entlassen, bei dem der anschließende Bedarf an Unterstützung nicht geklärt und gesichert ist. In Zusammenarbeit mit den Kassen sind solche Managementsysteme im Aufbau, funktionieren nach Angaben im Bericht der Altenhilfeberatung aber noch nicht zufriedenstellend.