Naja, findet Ari Rasilainen, im Grunde sei das ganz einfach: "Wenn Du als Dirigent erfolgreich sein willst, brauchst Du vor allem drei Dinge: Ehrlichkeit, eine gute Vorbereitung und ein gutes Arbeitsklima", sagt der 57-Jährige, der zur heute beginnenden Spielzeit neuer Chefdirigent der Südwestdeutschen Philharmonie wird. Charisma zählt der Zwei-Meter-Mann gar nicht erst auf, das hat er einfach. Das wird von Anfang an klar, wenn man ihn in seinem charmant nord-europäisch geprägtem Deutsch reden hört.

Am Dienstag wurde der neue starke Mann bei der Südwestdeutschen Philharmonie offiziell vorgestellt. Blonde Haare, schwarzer Anzug, schwarze Schuhe, eine schwarz-weiß karierte Krawatte, dazu immer ein spitzbübisches Lächeln im Mundwinkel – keine Frage, der Mann weiß sich zu verkaufen. Unter der Oberfläche zeigt sich, dass Rasilainen ein extrem erfahrener Dirigent ist. Studiert hat er in der renommierten Dirigentenklasse von Jorma Panula an der Sibelius-Akademie in Helsinki sowie bei Arvid Jansons und Aleksander Labko in Berlin. Er hat schon mehrere Orchester geleitet, unter anderem das Norwegische Radioorchester Oslo und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Mit wichtigen deutschen Radio-Sinfonieorchestern hat er zusammen gearbeitet, an der finnischen Nationaloper in Helsinki hat er verschiedene Opern dirigiert. Nicht umsonst gilt Rasilainen als einer der herausragenden Dirigenten seiner Generation.

Dass er nun ausgerechnet in Konstanz einen Fünf-Jahres-Vertrag als Chefdirigent annimmt, habe vor allem mit dem Orchester hier zu tun, versichert der 57-Jährige. "Wir haben schon bei früheren Produktionen zusammen gearbeitet und ich war immer sehr angetan von der Leistung dieses Orchesters. Die Chemie hat von Anfang an gestimmt", erklärt der begehrte Dirigent seine Wahl. Außerdem habe er Lust gehabt, mal wieder ein eigenes Orchester zu leiten. "Wenn Sie als Gastdirigent irgendwo hinkommen, müssen Sie im Grunde immer wieder von vorne anfangen, das hatte ich in den vergangenen Jahren ausreichend. Jetzt freue ich mich darauf, einen Klangkörper wieder ganz intensiv formen zu können", so Rasilainen im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Diese Faszination aus einer früheren Begegnung scheint beidseitig gewesen zu sein. Auch das Orchester habe die damalige Zusammenarbeit als sehr bereichernd empfunden. "Die Wahl der Musiker in dem Bewerbungsverfahren ist einstimmig auf Ari Rasilainen gefallen", sagt Beat Fehlmann, Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie. Nach einer chefdirigent-losen Spielzeit hat er jetzt wieder einen Partner an seiner Seite. "Ich bin wahnsinnig gespannt auf die neue Saison und die Konzerte mit Ari Rasilainen", erklärt Fehlmann.

In vielen Dingen sind die beiden Brüder im Geiste. Vor allem was das Thema Musikvermittlung betrifft. Bereits in den vergangenen beiden Jahren hat Beat Fehlmann über neue Formate und neue Spielorte das Orchester erfolgreich für neue Zuschauer geöffnet. Das zeigt sich auch in aktuellen Abozahlen. Mehr als 3000 Abonnenten verzeichnet das Orchester nach eigenen Angaben inzwischen. "Für eine Stadt von der Größe Konstanz' ist das ziemlich außergewöhnlich" beschreibt es Fehlmann. Auch für Ari Rasilainen ist Musikvermittlung ein zentrales Anliegen. "Wir können nicht immer davon ausgehen, dass es so gut läuft wie jetzt. Wir müssen uns immer um die jüngere Generation, um ein neues Publikum bemühen, sonst stehen wir am Ende alleine da", findet Rasilainen.

Der Saisonstart

  • Am Mittwochabend beginnt die neue Saison der Südwestdeutschen Philharmonie mit dem Abokonzert. Es wird Mittwoch, 21. September (ausverkauft!) und am Freitag, 23. September (es gibt noch Restkarten), jeweils 20 Uhr, aufgeführt. Unter dem Titel "Hypnose" stehen Werke der Komponisten Sibelius, Rachmaninoff und Mussorgski auf dem Programm.
  • Für Frühaufsteher bietet sich heute Morgen eine besondere Gelegenheit: Die Generalprobe des Abend-Konzertes ist öffentlich. Ab 9.30 Uhr können Zuhörer im Konzil hautnah erleben, wie Dirigent und Orchester den Werken den letzten Feinschliff vor dem Konzert verpassen. Die Karten hierfür kosten fünf Euro an der Tageskasse. In der neuen Spielzeit sind nach Angaben der Philharmonie mehrere solcher Generalproben-Termine geplant. (lün)

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