Nicht nur am Hauptbahnhof, auch in Petershausen müssen Bahnfahrer deutlich länger als erwartet auf einen barrierefreien Zugang zum Zug warten. Die Deutsche Bahn und die Stadtverwaltung haben bestätigt, dass auch die zeitwichtigste Station im Stadtgebiet von Verzögerungen betroffen ist. Während die Stadt aber noch von einer Fertigstellung im 2. Quartal 2018 ausgeht, nennt die Bahn den Herbst 2018, und zwar für den Baubeginn. Diesmal ist nicht die Ausschreibung das Problem, sondern ein geändertes Planungsverfahren: Nötig ist jetzt ein Planfeststellungsverfahren, das gegenüber dem früheren Vorgehen aufwendiger und langwieriger ist. Was bedeutet das?

 

  1. Für Petershausen ist eine vergleichsweise einfache Lösung geplant. Die Diskussion um die Barrierefreiheit am Petershauser Bahnhof läuft seit Jahren. Zunächst waren eine Treppe und ein Aufzug von der Z-Brücke hinunter zum Mittelbahnsteig vorgesehen. Dann entschieden sich die Planer, den Mittelbahnsteig einfach stillzulegen und für jedes Gleis und damit jede Fahrtrichtung einen eigenen Seitenbahnsteig zu errichten. Das hat den Vorteil der leichteren Erreichbarkeit von der Umgebung her. Der Bahnsteig auf der Nordseite (Fahrtrichtung Radolfzell) wie auch der gegenüber entstehen direkt an der Z-Brücke.
    Erst wenn sie fertig ist, können die Arbeiten starten.
  2. Wenn die Bahn ab Herbst 2018 baut, sind die neuen Bahnsteige erst 2019 fertig. Die Stadtverwaltung antwortete auf eine Anfrage des SÜDKURIER: "Die Barrierefreiheit sollte dann im zweiten Quartal 2018 hergestellt sein." Die Bahn dagegen lässt wissen: "Für die Erneuerung der Seehaas-Bahnsteige Konstanz-Petershausen, Böhringen-Rickelshausen, Mühlhausen (bei Engen) und Welschingen- Neuhausen und Engen ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig. Dieses ist noch nicht abgeschlossen. Daher beginnen die Arbeiten voraussichtlich im Herbst 2018." Angesichts der Bauzeiten an den anderen Stationen ist damit eine Fertigstellung vor dem Jahr 2019 unwahrscheinlich.
  3. Die Stadt Konstanz geht davon aus, dass sich ihr Kostenanteil von 851 000 Euro nicht weiter erhöht. Die Stadtverwaltung geht weiter von den 851 000 Euro aus, die sie laut einer Vereinbarung für Petershausen in die Sanierung der Station stecken muss. Fast die Hälfte davon sind Planungskosten. Dieser Anteil ist schon mehrfach gestiegen, zuletzt um 117 000 Euro. Das war auch der wesentliche Grund, warum der Stadt-Beitrag zu den neuen Bahnsteigen von 2014 bis 2016 um rund 18 Prozent in die Höhe gegangen ist. Die Gesamtkosten für Petershausen stiegen seit 2010 übrigens trotz der Vereinfachung (Neubau von Bahnsteigen statt Umbau unter laufendem Betrieb) von 1,1 Millionen Euro auf nun erwartete 2,4 Millionen Euro.
  4. Die Bahn selbst zahlt in Petershausen den geringsten Teil für die Sanierung ihres Bahnhofs. Der Bahnhof Petershausen gehört der Deutschen Bahn AG und bleibt auch in ihrem Besitz. Doch eine 2009 getroffene Vereinbarung zwischen Bahn und Land, das so genannte Bahnhofsmodernisierungsprogramm, bürdet die Kosten vor allem den Gemeinden und dem Land auf. Für Konstanz-Petershausen bedeutet dies auf Grundlage der Zahlen von 2016: Von den 2,4 Millionen Euro zahlt das Land 58 Prozent, die Stadt 35 Prozent und die Bahn selbst nur 7 Prozent der Bau- und Planungskosten.
  5. Nur in Fürstenberg muss nicht investiert werden. Als einzige Seehas-Station im Stadtgebiet wurde Konstanz-Fürstenberg in den 1990er-Jahren gleich mit der barrierefreien Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern gebaut. Deshalb ist dort, anders als am Innenstadt-Bahnhof, in Petershausen und Wollmatingen keinerlei Umbau nötig.