Was ist Nightfever und wie ist es entstanden?

Tobias Höppel: Nightfever entstand nach dem Weltjugendtag in Köln 2005. In Bonn haben sich Jugendliche zusammengefunden, die den Geist des Jugendtages erhalten wollten. Während dieser Zeit waren viele Jugendliche in den Kirchen, es gab Abende mit Gebet und Musik. Das wollten sie weiterführen. Eigentlich sollte es eine einmalige Veranstaltung werden. Die kam aber so gut an, dass sich mittlerweile über 70 Städte in Deutschland und über 200 Städte weltweit angeschlossen haben. Einen Abend lang ist dann die Kirche geöffnet, es gibt Musik und wir gehen mit Kerzen durch die Innenstadt und laden die Menschen ein, hereinzukommen.

Und wie ist Nightfever nach Konstanz gekommen?

Monika Barget: Ich kannte Nightfever schon seit dem Weltjugendtag 2005 und habe es in Augsburg, wo ich zu der Zeit Theologie studiert habe, mit aufgebaut. Als ich dann nach Konstanz kam, wollte ich Nightfever gern auch hier weiterführen. Die Ministranten aus der Innenstadt waren schon bei einem Nightfever in Freiburg gewesen und es gab noch einige andere, die Nightfever aus anderen Städten kannten und dann nach Konstanz gezogen waren. So hat sich über drei Ecken ein Gründerteam zusammengefunden, das wunderbar funktioniert hat.

Ist Nightfever denn nur etwas für gläubige Menschen oder Christen?

Monika Barget: Nightfever ist gezielt als offener Gebetsabend geplant. Er spricht natürlich die Menschen an, die in der Kirche ihr festes Zuhause gefunden haben, aber genauso die, die schon lange nicht mehr oder vielleicht auch noch nie in der Kirche waren. Man kann eine Stunde bleiben oder nur zehn Minuten. Es ist einfach eine wunderbare Möglichkeit, in der Adventszeit, die für viele ohnehin sehr stressig ist, mal zur Ruhe zu kommen. Ob man dann in der Kirche letztlich betet oder nicht, steht ja jedem frei.

Tobias Höppel: Es geht ja darum, gerade auch Menschen anzusprechen, die eigentlich etwas anderes vorhatten, die vielleicht auf dem Weg zum Essen sind oder beim Einkaufen.

Und wie reagieren die Menschen, wenn Sie inmitten von Weihnachtsmarkt und Einkaufsstress auf Nightfever angesprochen werden?

Tobias Höppel: Viele lassen sich sehr gern einladen. Manche sind am Anfang noch etwas skeptisch, aber wenn sie dann einmal den Schritt in die Kirche gemacht haben, kommen sie danach oft freudestrahlend und sehr berührt wieder nach draußen. Wir haben es schon oft erlebt, dass die Menschen sich anschließend nochmal bedankt und gesagt haben, wie gut es ihnen gefallen hat.

Sind Kirche und Religion denn in der heutigen Zeit ein Thema, mit dem man Menschen auf der Straße noch ansprechen kann? Haben nicht viele Angst, missioniert werden zu sollen?

Tobias Höppel: Viele denken natürlich anfangs, wir wollten ihnen etwas verkaufen. Wenn sie dann aber hören, dass es nichts kostet, freiwillig ist und man so lange bleiben kann, wie man möchte, reagieren viele doch positiv.

Monika Barget: In größeren Städten wie Augsburg oder München habe ich aber durchaus auch schon erlebt, dass Menschen sehr kritische Fragen gestellt haben, uns teilweise auch aggressiv begegnet sind. In so einem Moment muss man einfach Respekt dieser anderen Meinung gegenüber haben und die Menschen ernst nehmen, die schlechten Erfahrungen auch einfach mal so stehen lassen. Oft hilft es, dass man die Kerze, mit der wir die Menschen auf der Straße einladen, auch einfach so mit nach Hause nehmen kann, ohne in die Kirche kommen zu müssen. Viele, die gerade eine schwere Zeit haben oder niemanden, mit dem sie sprechen können, sind dann dankbar für dieses Gefühl der Verbundenheit.

Was motiviert Sie persönlich, sich bei Nightfever zu engagieren?

Tobias Höppel: Für mich ist es die Begeisterung an meinem Glauben, die ich so weitergeben möchte. Vor allem ist Nightfever eine tolle Möglichkeit, Menschen anzusprechen, die die Kirche sonst nicht erreichen würde.

Monika Barget: Neben der Begeisterung ist es bei mir auch der Wunsch, etwas zurückzugeben, das ich von anderen Christen erfahren habe. Ich komme selbst aus einer nicht religiösen Familie, bin erst während meines Studiums in die Kirche eingetreten. Damals haben mir andere junge Christen meine Fragen beantwortet. So möchte ich auch jetzt Menschen, die auf der Suche sind, helfen, den Ort zu finden, an dem sie sich zuhause fühlen.

Fragen: Julia Chladek


Nightfever

Organisiert und musikalisch gestaltet wurde der Abend von der Katholischen Hochschulgemeinde und deren Chor, den Ministranten aus den Altstadtgemeinden und der Adoray-Gruppe aus Kreuzlingen. Nightfever findet regelmäßig dreimal im Jahr statt. Der nächste Abend ist für das Frühjahr 2017 geplant.

Informationen auf: www.nightfever.org