Die Stadt könnte vielleicht doch noch ein riesiges Rundbild bekommen, das Konstanz zur Zeit des Konzils (1414-1418) zeigt. Nach Informationen des SÜDKURIER ist die Idee eines Panoramas aus der Werkstatt des Künstlers Yadegar Asisi noch nicht gestorben. Demnach haben Gespräche hinter den Kulissen mögliche Lösungen für die politisch kritisierten Punkte aufgezeigt. So schlägt das Baudezernat offenbar einen neuen Standort vor, der an der Stadteinfahrt liegt, gut an alle Verkehrswege angeschlossen ist, sich aber nicht direkt am Seerhein befindet. Und: Es laufen offenbar Gespräche mit dem in Konstanz geborenen, international renommierten Architekten Matthias Sauerbruch über ein attraktives Gebäude für das Riesenbild. Damit wären zwei wesentliche Gegenargumente – ungeeigneter Standort am Wasser und phantasielose "Blechschachtel"-Architektur – entkräftet.

In Lutherstadt Wittenberg hat Panorama-Künstler Yadega Asisi ein Werk geschaffen, das die Stadt zur Zeit der Reformation darstellt.
In Lutherstadt Wittenberg hat Panorama-Künstler Yadega Asisi ein Werk geschaffen, das die Stadt zur Zeit der Reformation darstellt. | Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Für Asisi selbst ist das Konstanzer Konzil als Thema für ein Rundpanorama nach wie vor attraktiv, wie sein in Berlin ansässiges Büro dem SÜDKURIER bestätigte. Demnach ist die Idee eines Zyklus' zu den großen Wendepunkten in der Geschichte des Christentums für ihn unvermindert aktuell. "In dem Kontext", so sein Sprecher Karsten Grebe, "ist für Yadegar Asisi auch das Thema des Konstanzer Konzils von 1414 bis 1418 von hohem Interesse, da es die große Krise der christlichen Kirche im 15. Jahrhundert zeigt und für Asisi in eine Reihe zur langen Geschichte des christlichen Abendlandes gehört.“

Auch die Stadtverwaltung arbeitet offenbar weiter an dem Thema. Nach Informationen des SÜDKURIER wurde das Berliner Büro Sauerbruch Hutton um eine Machbarkeitsstudie gebeten, die auch zeigen soll, dass ein Rundpanorama in einem ansprechenden Gebäude als Tor zur Stadt präsentiert werden könnte. Das international renommierte Büro wird vom Sohn des Konstanzer Künstlers Hans Sauerbruch geleitet. Wenn am Mittwoch (13 Uhr, Untere Laube 24) der Gestaltungsbeirat in öffentlicher Sitzung über das Thema spricht, sollen auch seine Ergebnisse diskutiert werden. Unterlagen dazu hat die Stadt im Vorwege allerdings nicht veröffentlicht.

Will investieren: Wolfgang Scheidtweiler, Unternehmer.
Will investieren: Wolfgang Scheidtweiler, Unternehmer.

Der Pforzheimer Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler hält sich vor der neuerlichen Debatte eher bedeckt. In Konstanz hatte er für seine geplante Investition Zuspruch und Ablehnung gleichermaßen erfahren. Im Gemeinderat erlebte er vor gut einem Jahr mit, dass die Politik das Vorhaben nur unter weitreichenden Bedingungen weiterverfolgen will, dazu gehörten eine Standort-Alternative und eine Begleitung durch den Gestaltungsbeirat. Auf der anderen Seite erlebte er bei einem Bürgerforum der FDP auch sehr viel Zustimmung von Konstanzern. Zum aktuellen Sachstand sagte Scheidtweiler, er habe nach wie vor Interesse, das Panorama komplett auf eigene Kosten zu bauen, erwarte aber ein klares Signal aus Konstanz: "Ich bin gespannt und habe die Hoffnung nicht verloren", sagte er am Montagabend.

Das jetzt von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Grundstück gehört dem Bund und entstand in seiner jetzigen Form mit der neuen Anbindung der Schänzlebrücke an das Straßennetz. In der Umgebung plant die Stadt eine Bebauung mit einem großen Parkplatz und dem Mobilpunkt am Schänzle-Nord, auch Gewerbe und Wohnen sind auf der anderen Seite der Brücke vorgeschlagen. Das ovale Areal zwischen Brücke und Oberlohn-Kreisel gilt als städtebaulich attraktiv, weil es gut angebunden und zugleich so etwas wie ein Tor zu der Stadt darstellt.

Asisi-Panoramen

Yadegar Asisi erschafft mit seinem Team in einer Mischtechnik aus Malerei und Fotografie riesige Rundbilder, die die Besucher in eine andere Zeit oder Umgebung versetzen. Zu ihren Kennzeichen gehört enorme Detailfülle. Sie werden in vorhandenen (Pforzheim, Leipzig, Dresden) oder eigens errichteten (Berlin, Rouen, Wittenberg) Rundbauten gezeigt. Die Bilder können untereinander getauscht werden, so dass an den einzelnen Standorten immer wieder eine neue Ausstellung zu sehen ist. Die Themen sind oft geschichtlich, so Rom 312, Wittenberg 1517, Leipzig 1813, Dresden 1945.

Fast wie im alten Rom: Das 27 Meter hohe und 107 Meter lange Geschichts-Bild von Yadegar Asisi, hier bei seiner Premiere im Panometer in Dresden.
Fast wie im alten Rom: Das 27 Meter hohe und 107 Meter lange Geschichts-Bild von Yadegar Asisi, hier bei seiner Premiere im Panometer in Dresden. | Bild: dpa