Konstanz Neuer Stadtteil für Konstanz: Der Knackpunkt sind die Grundstücke

Hunderte Eigentümer, viele unterschiedliche Erwartungen – aber nur ein Ziel: Das Projekt Hafner am Rand von Konstanz-Wollmatingen steht und fällt mit den Grundstückseignern. Aber die Stadtverwaltung hat eine Reihe von guten Ideen.

Der neue Stadtteil am Rand von Wollmatingen wird Stück für Stück Wirklichkeit. Die Stadtverwaltung arbeitet so zielstrebig und schnell an dem Thema, dass es im Gemeinderat großen Applaus gab. Und schon im nächsten Jahr startet der sogenannte Wettbewerbliche Dialog, an dessen Ende ein Masterplan für das gesamte neue Quartier mit seinen voraussichtlich rund 5000 Bewohnern stehen wird. Was Marion Klose, die Chefin des Amts für Stadtplanung und Umwelt, und Sonja Knapp von der unterstützenden Planungsgesellschaft Steg aus Stuttgart den staunenden Stadträten präsentierten, machte vor allem eines deutlich: Es geht schneller voran, als viele wahrnehmen und wissen.

Im Moment, erklärten Klose und Knapp, läuft die erste Runde von Gesprächen mit den Grundstückseigentümern. Mehr als 300 sind es den beiden Planungsexpertinnen zufolge, und für jeden besteht die Möglichkeit zu einem Einzelgespräch. Dort wird ihnen erläutert, wie sie an der Entwicklung des neuen Stadtteils teilhaben können. Auch die Frage, ob sie der Stadt Flächen verkaufen würden, ist Thema. Wie groß die Bereitschaft dazu ist, dazu wollte sich Knapp nicht äußern. Auch, weil im Jahr 2018 eine weitere Gesprächsrunde ansteht. Ziel dabei: "Gemeinsam etwas hinbekommen", wie Marion Klose sagt.

Besonders spannend wird das Jahr 2018 für den Hafner aber auch, weil dann der Wettbewerbliche Dialog startet. Das ist eine Art Planungswettbewerb, der aber immer wieder von Bürgerbeteiligungsphasen mit besonderen Forums-Veranstaltungen unterbrochen wird. Die Auswahl trifft am Ende auf dieser Grundlage eine Jury, Ende 2018 oder Anfang 2019 könnte es so weit sein. Am Ende hat die Stadt laut Marion Klose ein Konzept aus einem Guss, das alle weiteren Schritte wie die Aufstellung von Bebauungsplänen deutlich beschleunigt. Parallel, so Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schörnborn, arbeiten andere Abteilungen im Rathaus ebenfalls am Hafner – von der Verkehrserschließung über den Bedarf an Kindergartenplätzen über Sportanlagen bis zur Frage, ob eine weitere Schule gebaut werden muss.

Im Gemeinderat lobten Stadträte aller Fraktionen den Zeitplan und das Vorgehen, auch die Einbindung einer externen Beratungsfirma wurde ausnahmsweise nicht kritisiert. Das Interesse in der Bürgerschaft sei groß, hieß es aus der Kommunalpolitik. Vor allem aus der CDU kam der Appell, gerade die Grundbesitzer weiter eng einzubinden und ihnen zu vermitteln, dass das gewählte Instrument der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme mehr Chance als Bedrohung sei. Sonja Knapp von der Steg hatte darauf eine Antwort: Von den sechs Mitarbeitern der Stuttgarter Gesellschaft, die am Konstanzer Projekt arbeiten, haben drei den Aufgabenschwerpunkt Eigentümeransprache.

 

Das Projekt und was es bedeutet

Mit 45 Hektar für Wohnen und 15 Hektar für Gewerbe ist der Hafner das größte Satdterweiterungsvorhaben seit Jahrzehnten. 

  • Die Grundbesitzer: Eine riesige Herausforderung am Hafner liegt daran, dass das Areal aus hunderten einzelnen Parzellen besteht, die meist eigene Eigentümer haben. Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, diese in den Prozess einzubeziehen. Die Wertsteigerungen durch die Umwandlung von landwirtschaftlicher Fläche in Bauland kommt allen zugute, egal ob sie an die Stadt verkaufen oder selbst investieren. Verkürzt gesagt, gibt es für Grundbesitzer fast alle Möglichkeiten, nur eine haben sie nicht – das Grundstück einfach nicht zu entwickeln oder entwickeln zu lassen.
  • Die Wohnungssuchenden: Viele Konstanzer fragen sich schon ungeduldig, wann sie denn nun auf eine neue Wohnung am Hafner hoffen können. Vor 2025 wird es aber auf keinen Fall so weit sein, denn Planung und Bau dauern noch viele Jahre. Womit aber alle schon rechnen können: Am Hafner wird es Raum für alle sozialen Gruppen geben. Und weil die Fläche gut ausgenutzt werden soll, läuft es eher auf Geschosswohnungsbau und vielleicht Reihenhäuser hinaus.
  • Die Planer: Im Rathaus arbeitet eine große Projektgruppe am Thema, die Leitung hat Marion Klose, die Leiterin des Amts für Stadtplanung und Umwelt. Unterstützt wird das Rathaus-Team von der Stuttgarter Steg Stadtentwicklungsgesellschaft, die dafür eine europaweite Ausschreibung gewann. Die Steg gehört der Landesbausparkasse und dem katholisch getragenen Siedlungswerk und hat nach eigenen Angaben bereits mehrere Projekte von der Dimension des Hafner erfolgreich abgeschlossen. (rau)

Internetseite der Stadt zum Projekt Hafner: www.neuer-stadtteil.de

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