Die eine verzaubert harte Kerle, der andere verknackt harte Kerle: Puppenspielerin Magdalene Schäfer (mit Handpuppe "Alex") und Polizeipräsident Ekkehard Falk haben mehr gemeinsam, als man zunächst denken mag. Umso spannender also, sie näher kennenzulernen. In diesem Fall in entspannter Atmosphäre, bei Mucke und Mischgetränken. Das ist das Konzept der neuen Konstanzer Talkshow "Klimperquatschen". "Die Idee ist, dass wir Menschen einladen, die in unserer Stadt etwas bewegen. Wir wollen erfahren, was sie antreibt", beschreibt Harald Kühl, Initiator und Moderator, das Format. Das Konzept ging auf: Am Ende hatte man als Besucher das Gefühl, sich auf einen Drink und einen netten Abend mit einem sehr nahbaren Polizeipräsidenten und einer außergewöhnlichen Schauspielerin getroffen zu haben.



Eines vorweg: Der Polizeipräsident trank vor 90 Zeugen Johannisbeerschorle. Schließlich musste er in der Nacht noch einige Kilometer fahren. Falk pendelt zwischen Konstanz und Stuttgart, betont aber als gebürtiger Oberschwabe: "Die Konstanzer haben mich mit ihrem bekannten badischen Liberalismus sehr freundlich aufgenommen." Seit 2014 ist Falk Polizeipräsident in Konstanz, begonnen hat seine Karriere 1975. Zu einer Zeit, in der die zweite RAF-Generation eine neue Qualität des Terrorismus nach Deutschland brachte. Polizeilicher Nachwuchs wurde dringend gesucht und Falk fing mit 16 Jahren seine Ausbildung an. 1986 wird er befördert und begleitete als Zugführer der Hundertschaft in Stuttgart EU-Gipfel, Fußballspiele oder Demonstrationen. Kämpfte er dabei immer auf der Seite, auf der er auch privat stehen würde? Nun ja, natürlich gebe es Einsätze, die entsprechen nicht immer der persönlichen Überzeugung, antwortet Falk.

Wackersdorf vor mehr als 20 Jahren zum Beispiel, als der Streit um die Wiederaufbereitungsanlage eine der größten Protestaktionen der Umweltgeschichte auslöste und die Situation bei der Demo eskalierte. Oder die Hausbesetzungen in den 80er Jahren in Freiburg, die die Polizei beenden musste. "Aber wir machen nicht die Gesetze", sagt Falk. "Wir sind nur dafür da, dass sie eingehalten werden." Nichtsdestotrotz haben auch Polizisten in der Hundertschaft in Einzelfällen die Freiheit, zu sagen: Bei diesem Einsatz bitte nicht. "Wenn einen das so oft zerreißt, ist der Beruf aber vielleicht auch nicht der Richtige", bemerkt Falk.

Den richtigen Beruf hat Magdalene Schäfer schon lange für sich entdeckt. Sie bringt künstlerische Freiheit dort hin, wo es eigentlich keine gibt: In die Justizvollzugsanstalt. Gemeinsam mit Denis Ponomarenko und auf Initiative von Theater-Intendant Christoph Nix hat die Puppenschauspielerin ein ungewöhnliches Projekt auf die Beine gestellt: Puppentheater im Konstanzer Knast, gespielt von Insassen. Mehrere Monate probte und improvisierte sie in einem abgeschlossenen Turmraum des Gefängnisses. Mit Männern, die vielleicht gemordet, geraubt oder betrogen haben. So genau wusste das Schäfer bis zum Ende nicht. Wollte sie auch nicht. "Das macht einen freier im Umgang mit den Menschen". Die ersten Tage seien schon komisch gewesen, erinnert sich Schäfer. Aber zum einen war Denis Ponomarenko an ihrer Seite, der schon viel Erfahrung hatte mit dem Theater hinter Gittern. Zum anderen sagt sie: "Wenn man den Leuten das Vertrauen schenkt, bekommt man auch viel zurück.

" 16 Interessierte gab es zu Beginn, sechs probten letztlich, zwei sprangen kurz vor der Aufführung vor anderen Insassen, dem Wachpersonal und Theaterleuten doch noch ab. "Vor anderen Insassen aufzuführen, war für viele schwierig. Es gibt Hierarchien, und dementsprechend die Angst vor dem Statusverlust." Am Ende aber, erinnert sich Schäfer, habe sie selten so stolze Menschen sich verbeugen sehen. "Es gab Momente im Stück, in denen es kein professioneller Schauspieler besser, purer hätte machen können." Freiheit, das heißt auf der Theaterbühne: Ich kann sein, wer ich will.

Freiheit, das kann auch das heißen: "Alles, das wir sehen müssen, ist, dass ich nicht dir gehöre und du nicht mir" – frei übersetzt nach George Michaels "Freedom", das der ganze Klimperkasten am Ende gemeinsam sang. Überhaupt war der Abend voller unterhaltsamer Zwischentöne: Liedermacher Kevin Klang mit Pop- und Folk-Songs an der Gitarre, Marcel Beck an der Bar und als (noch) unentdecktes Sidekick-Talent, und die Musikauswahl für den Auftritt von Ekkehard Falk: "Ich hab Polizei" von Jan Böhmermann.

Nächste Ausgabe

Wer den Auftakt zu der neuen Talkshow „Klimperquatschen“ in Konstanz verpasst hat, muss noch bis 14. März 2017 warten. Dann laden Harald Kühl und Marcel Beck zur nächsten Ausgabe in den Klimperkasten. Die ersten beiden Abende werden vom städtischen Kulturbüro gefördert. Wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest.