Dort, wo sonst das blaue Thermalwasser vor sich hin sprudelt und die Badegäste es sich gut gehen lassen, herrscht zurzeit gähnende Leere. Kein Tropfen Wasser befindet sich mehr im Thermalaußenbecken der Therme Konstanz. Trotzdem ist der Anblick nicht weniger aufregend: das fehlende Wasser gibt den Blick auf den Untergrund frei. Hier kleben viele kleine weiße Fliesen aneinander, an einigen Stellen fehlen sie. Die Sprudelliege ist nicht wieder zu erkennen – statt den Mosaiksteinen ist dort nur grauer Beton zu sehen – zum Herumliegen lädt dieser nicht gerade ein.

Bild: Wetschera, Wiebke

Die Arbeiten am Thermalaußenbecken und am Panoramapool sind Teil von regelmäßigen Revisionsarbeiten. Jedes der Becken muss jährlich einmal geleert werden, damit die Filter und Fliesen überprüft und erneuert werden können.

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"Wir müssen das jedes Jahr machen, sonst müssen wir irgendwann mal komplett schließen", sagt Robert Müller, stellvertretender Betriebsleiter der Therme. Bei einem Betrieb mit rund 450.000 Badegästen jährlich sei die Instandhaltung wichtig. Die jetzigen Standardarbeiten nutzt das Team der Therme, um auch die Thermalquelle und die Sandfilter in Stand zu setzen.

Viele hunderttausend Liter Wasser müssen weg

Am Montag haben die Arbeiten am Thermalaußenbecken begonnen. Doch zuvor musste das ganze Wasser abgelassen werden – 570.000 Liter. Das sind immerhin 3800 gefüllte Badewannen. Bis das Becken bis auf den letzten Tropfen leer war, hat es deshalb gedauert. Ein Mitarbeiter der Therme habe mit dem Ablaufen um 22 Uhr am Sonntag begonnen, am Montagmorgen – nach rund zwölf Stunden – war das Becken dann bis auf den letzten Tropfen leer.

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Damit ist der Startschuss für die Revisionsarbeiten gefallen. Fliesenleger, Elektriker und Mitarbeiter der Therme sind zurzeit auf der Baustelle im Einsatz. "Es waren schon bis zu zwölf Mann gleichzeitig im Becken", sagt Müller. Während die Elektriker schauen, ob die neu installierten Scheinwerfer funktionieren...

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...haben die Fliesenleger an der Sprudelliege alle Hände voll zu tun.

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Die drei haben bereits damit begonnen, den Rohbeton aufzuspachteln. Dann folgt eine Abdichtung und erst Mitte nächster Woche beginnen sie voraussichtlich mit dem Verlegen der Mosaiksteine. "Durch die Rundung haben wir beim Modellieren mehr Aufwand", sagt Fliesenleger Chris Klar. Und sein Kollege, Andreas Techel, ergänzt: "Die Arbeit ist anspruchsvoller, aber dadurch auch schön." Ihr Arbeitsmaterial dafür steht im Becken bereit.

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Die Sprudelliege wird im Zuge der Arbeiten komplett erneuert. Einige der Fliesen haben sich zwischenzeitlich gelöst. "Für die Gäste ist es nicht schön und birgt auch eine Verletzungsgefahr", sagt Müller. Bei den Badegästen sei die Liege beliebt – doch das sei nicht der Grund für kaputte Fliesen. "Wir sind mittlerweile im 11.Jahr und das waren noch die ersten Fliesen", sagt Müller. Auch an anderen Stellen im Becken fallen Fliesen ab – so zum Beispiel an der Eingangstreppe.

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Und auch die Umrandung des Beckens soll mit neuen Fliesen besetzt werden. Die alten wurden bereits am Montag entfernt.

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Die neuen Fliesen werden dann nach und nach eingesetzt. Für rund 20 Quadratmeter hat die Therme immer Fliesen auf Vorrat. "Falls es mal schnell gehen muss", sagt Müller. Für die Revisionsarbeiten wurden allerdings Fliesen bestellt.

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Auch unter der Erde wird derzeit fleißig gearbeitet. Im Keller werden die Filter des Thermalaußenbeckens mit neuem Sand befüllt. Das muss alle zehn Jahre passieren, wie Robert Müller erläutert. Dafür wurden rund 32 Tonnen Sand aus den Filtern herausgepumpt. Der wartet nun neben der Therme noch auf seine Abholung.

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Der neue Sand steht hingegen schon vor der Therme bereit. Er ist in über 1200 Säcke mit jeweils 25 Kilogramm Sand verpackt.

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Dieser Sand muss nach und nach in drei rote Filter, die für die Reinigung des Thermalaußenbeckens verantwortlich sind, gefüllt werden.

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Den Sand in die Filter zu füllen dauert insgesamt etwa 1,5 Tage. Noch sind diese alle leer.

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Bevor der Sand in die roten Filter darf, müssen dort aber noch neue Filterdüsen installiert werden. 500 Düsen müssen pro Filter eingesetzt und befestigt werden.

Video: Wetschera, Wiebke

Auch am Schallwasserbehälter sind Ausbesserungen nötig. Dort sammelt sich das Wasser, was aus dem Becken überschwappt. Von hier aus wird es über den Filter wieder zurück ins Becken gepumpt. Hier haben sich einige Fliesen an der Wand gelöst.

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"Wir lassen hier seit drei Tagen Frischluft mit Ventilatoren herein", sagt Robert Müller. Denn sonst hält der Schwallwasserbehälter das Wasser mit einer Temperatur von 34 Grad bereit. Trotz Lüftung ist es in dem Wasserspeicher noch immer heiß. "Da geht der Fliesenleger nicht gerne rein", sagt Müller.

Die haben zumindest erst einmal rund um das Thermalaußenbecken noch genug zu tun.

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Bis zum 30. September sollen die Arbeiten planmäßig fertig sein. In zehn Jahren, sagt Robert Müller, habe man für solche Arbeiten bisher noch nie den kompletten Zeitraum benötigt. "Dieses Mal wird das anders", sagt er. Das liegt an der Filtererneuerung, aber auch an den Arbeiten an der Thermalpumpe.

Dort werden in einer Tiefe von bis zu 660 Metern Rohre ausgetauscht. Die Arbeiten an der Pumpe haben bereits vor einer Woche begonnen. "Aber es wird zeitlich knapp", sagt Müller. Ohne das warme Wasser aus der Thermalquelle kann das Thermalaußenbecken nicht betrieben werden. "Mit kaltem Stadtwasser machen wir uns alle Arbeiten wieder kaputt." Neu wird der Außenbereich nicht aussehen, wenn er wieder in Betrieb genommen wird – doch im Hintergrund ist dann in zwei Wochen Arbeit einiges passiert.

Die Revisionsarbeiten in der Therme

  • Zeitpunkt: Die Betreiber der Konstanzer Therme haben sich bewusst für die beiden letzten Septemberwochen für die Revisionsarbeiten entschieden. Der Grund: Sie wollen so wenig wie möglich Badegäste damit einschränken. Nach den Ferien sei deshalb ein guter Zeitpunkt. "Die Leute gehen wieder arbeiten und in die Schule und haben erstmal genug von der Therme", sagt Müller. Planmäßig sollen das Thermalaußenbecken und der Panoramapool am 1. Oktober wieder für Badegäste zugänglich sein. Dann wird auch das Schwimmbecken mit Traglufthalle für die Saison in Betrieb genommen.
  • Finanzen: Robert Müller schätzt die Kosten für die Revisionsarbeiten auf rund 200 000 Euro. Allein 150 000 Euro fallen für die Arbeiten an der Thermalquelle an. Rund 30 000 Euro sind für die Arbeiten im Becken vorgesehen. Für die Arbeiten an den Filtern fallen mindestens noch einmal 10 000 Euro Kosten an.
  • Reaktion: Die Besucher gehen mit den Revisionsarbeiten unterschiedlich um. Einige Badegäste würden viel nachfragen und hätten Verständnis für die Arbeiten. Andere hingegen zeigten keinerlei Akzeptanz. Das kann Robert Müller nicht verstehen: "Es soll immer alles funktionieren, aber nach dem Rechten schauen darf man nicht", sagt er. Arbeiten, die auch nachts möglich seien, würde das Team der Therme bereits außerhalb der Öffnungszeiten erledigen. Dann merken die Badegäste gar nicht, dass in der Nacht gearbeitet wurde. Am Thermalaußenbecken sei seit Oktober 2017 schon drei Mal nachts gearbeitet worden.