Die Stadtwerke stellten am Wochenende ihre neuen Buszüge der Öffentlichkeit vor. Interessierte konnten bei Fahrten über den Konstanzer Bodanrück und auf dem Altstadtring die Gespanne aus einem Bus und einem Anhänger kennen lernen. Bei den Mitfahrern auf dem Rundkurs Mainau-Litzelstetten-Dettingen gab es überwiegend Lob.

Eingestellt werden müssen auf jeden Fall die Klimaanlagen. Während in dem einen Gespann wohlige Temperaturen herrschten, war es in dem zweiten eingesetzten Bus deutlich kühler. Eine ältere Mitfahrerin stieg mit der Bemerkung "Mir ist es zu kalt" nach wenigen Haltestellen vorzeitig aus. Dass die Temperatur nicht optimal geregelt wurde, war zuvor bereits Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Reuter und Werkstattleiter Andreas Hermann aufgefallen. Eine Verbesserung war beiden jedoch unterwegs nicht möglich.

Norbert Reuter saß selbst am Steuer von einem der beiden Buszüge, während Andreas Hermann Fragen der interessierten Bürger beantwortete. "Ich mache das vielleicht drei oder vier Mal im Jahr", erzählte Reuter. Gerne nutze er die Gelegenheit, bei Großveranstaltungen wie "Die lange Nacht der Wissenschaft" oder "Rock am See", um einen Roten Arnold zu fahren. Er genieße es, einen vollen Bus zu lenken. Auch der Umgang mit dem unterschiedlichen Publikum reize ihn. "Bei Rock am See sind es die vielen jungen Menschen, bei der langen Nacht das gemischte Publikum", sagte er. Ähnlich hält es auch Ralph Stöhr, der Leiter des Busbetriebes, der oft Sonderdienste macht. Er lenkte das andere Gespann. Sein Stellvertreter Mark Schuster und Verwaltungsmitarbeiterin Iris Okle unterstützten ihn bei der Beratung der Fahrgäste.

Norbert Reuter, einer der beiden Stadtwerke-Geschäftsführer, sitzt bei den Schnupperfahrten mit den neuen Buszügen konzentriert am Steuer. Bild: Nikolaj Schutzbach
Norbert Reuter, einer der beiden Stadtwerke-Geschäftsführer, sitzt bei den Schnupperfahrten mit den neuen Buszügen konzentriert am Steuer. Bild: Nikolaj Schutzbach | Bild: Nikolaj Schutzbach

"Ich interessiere mich für Busse, die mehr Entlastung bringen", erläuterte Christa Herrmann aus Litzelstetten. "Der Anhänger schwankt zwar, aber ich habe es mir viel unruhiger vorgestellt", sagte sie zufrieden. Ihre Anspannung stieg mit der Fahrzeit, "Ich bin gespannt wie er um die Kurve bei der Bushaltestelle Mainau rum- und die Steigung zum Litzelstetter Kreisel hochkommt", überlegte sie. Beides war dann auch kein Problem. Selbst die Wendeschleife durchfuhr der Buszug problemlos, obwohl zwei Autos behindernd in der Busbucht parkten.

Auf die vielleicht berüchtigste Kurve von Konstanz, die Engstelle beim Fachwerkhaus in der Dingelsdorfer Ortsmitte, war Heinz Linke aus Dettingen besonders gespannt. Diese packte der Buszug ebenfalls ohne Schwierigkeiten. Wer nicht aufpasste, bekam gar nicht mit, dass es dort im rechten Winkel um die Ecke ging.

"Ich habe keine Bedenken im Anhänger zu sitzen", erklärte Christa Herrmann auf Nachfrage. "Der vorhandene Knopf für den Notruf zum Fahrer ist wichtig", sagte sie zufrieden. Abends, so gibt sie allerdings zu, würde sie wahrscheinlich nicht hinten einsteigen. Ein abendlicher Buszug-Einsatz ist laut Stöhr vorerst nicht angedacht.

"Ich habe den Buszug schon mal fahren sehen", erzählte die zehnjährige Tanja aus Egg. "Ich wollte schauen, wie sich das Fahren darin anfühlt", erzählte sie. Im Anhänger zu sitzen finde sie komisch. "Aber auch schöner", sagte sie strahlend. "Super, ruhig, kein Motorengeräusch", urteilte ihre Oma Helga Misiewicz. "Ich finde den Anhänger interessant und schön leise", sagte Jochen Kunkel, der am Salzberg wohnt. "Hinten hat er eine Lenkachse und ist damit sehr beweglich", erklärte er fachmännisch. "Sonst ist es schwierig, in Konstanz durch die engen Straßen zu kommen." Er hofft, dass die Gespanne im Feierabendverkehr eine deutliche Entlastung bringen. "Mein Traum wäre eine Straßenbahn, aber das werde ich wohl nicht mehr erleben", sagte er.

Heinz Linke fand das erweitere Platzangebot wichtig. "Die Zahl der Rollatoren und elektrischen Rollstühle nimmt stetig zu", erläuterte er. Da es im Anhänger keine Möglichkeit gibt, einen Fahrschein zu kaufen, teilte er Mark Schuster seine spontane Anregung mit: "An den Türen sollte noch der Hinweis 'Nur für Barzahler' angebracht werden."

Mit den neuen MAN-Buszügen erweitert ein neuer Hersteller den bisher reinen Mercedes-Busfuhrpark. Die Motorisierung und die Anhänger sind neue Technologien für das Werkstattpersonal. "Wir werden relativ schnell reinwachsen", sagte Andreas Hermann selbstbewusst. Bis die Gespanne im Liniendienst eingesetzt werden können, dauert es voraussichtlich noch bis Ende dieses Monats, erklärte Ralph Stöhr. Rund 150 Fahrer müssen eingewiesen werden, etwa 30 von ihnen haben mittlerweile ihren Führerschein um den der Klasse E für Anhänger erweitert.

Alle Fahrer müssen laut Iris Okle die gleiche Qualifikation haben. Zu berücksichtigen, wer welches Fahrzeug steuern darf oder nicht, wäre bei der Fahrplangestaltung viel zu aufwändig, erläuterte sie.

Mögliche Einsatzorte

Die neuen Gespanne können etwa 30 Prozent mehr Passagiere befördern. Laut Ralph Stöhr sollen die Buszüge vor allem auf den 9er-Linien zur Universität für Entspannung sorgen. Dort sei während der Vorlesungszeit den ganzen Tag über Hochlastzeit. Auch auf der Ringbuslinie sei ein Einsatz denkbar. Viele Nutzer aus Litzelstetten, Dingelsdorf und Dettingen-Wallhausen setzen ihre große Hoffnung auf die Buszüge. In den Semesterferien sei angedacht, anfangs die Gespanne auf den Linien 1 und 2 einzusetzen. „Das sind schöne Linien, da kann sich das Personal gut dran gewöhnen“, erklärt Stöhr. (nea)