Konstanz Narren wollen den Fasnachtsmontag wiederbeleben

Konstanzer Narrenvereine wollen dem Fasnachtsmontag mehr Leben einhauchen und ein Stück der Vergangenheit zurückholen.

Dieser Tag sei nicht mehr der, der er einmal war, sagt Blätzlebuebe-Zunftmeister Andreas Kaltenbach im Gespräch. Werner Jakoby von den Alt-Konstanzer Hansele pflichtet ihm bei: Für ihn sei es schlimm anzusehen, dass nach dem Kinderumzug und Wurstschnappen nicht mehr viel los sei in der Stadt. Mit einem neuen Programm wollen Vereine das ändern – das Singen von traditionellem Liedgut soll ein Anfang sein.

Es ist kein neues Wehklagen. Ob im kleinen Gespräch oder bei der Goschete am Fasnachtsdienstag sind immer wieder Beschwerden darüber zu hören, wie sich doch der Fasnachtsmontag verändert habe. Er sei immer mehr zu einem gewöhnlichen Arbeitstag geworden und immer weniger ein Fasnachtstag. „Wir könnten am Sonntagabend die Verbrennung machen, dann war es das“, sagt der Blätzlebuebe-Zunftmeister provokant, ohne diese Option zu wollen.

Was er damit verdeutlichen will: Ein Stück Konstanzer Tradition ist gewichen. Aber warum? „Viele gehen zum Ski fahren und kehrten der Fasnacht den Rücken“, sagt Werner Jakoby. Zudem fehle Neubürgern oft der Zugang zur Fasnacht, fügt der Häswart der Alt-Konstanzer Hansele hinzu. Andreas Kaltenbach von der mitgliederstarken Blätzlebuebe-Zunft beobachtet, dass manche Konstanzer Narrengruppen montags ihren närrischen Spaß lieber außerhalb der Stadt suchten.

Dem Fasnachtsmontag neues Leben einhauchen

Werner Jakoby sieht aber auch eine gute Entwicklung bei der Traditionsvermittlung. Nicht nur die Alt-Konstanzer Hansele besuchen Kindergärten, um den Kleinen die Fasnacht nahe zu bringen, die Bedeutung der Figuren und die Strophen jener Lieder, die zur fünften Jahreszeit einfach dazu gehören. Die Wissensvermittlung ist das eine. Das Angebot an entsprechenden Veranstaltungen das andere. Für die Hansele sei deshalb außer Frage gestanden, sich an der Belebung des Fasnachtsmontags zu beteiligen. Die Idee hierzu ist 2012 entstanden, blickt Blätzlebuebe-Zunftmeister Andreas Kaltenbach zurück. Er habe sich mit Mario Böhler von der Narrengesellschaft Niederburg über den Fasnachtsmontag unterhalten und später mit weiteren Zünften das Gespräch gesucht. Es habe Übereinstimmung bestanden, diesem Tag neues Leben einzuhauchen.

Singen traditioneller Fasnachtslieder

Der Fasnachtsmontag ist vor allem für die Kinder ein Ereignis. Um 14 Uhr startet der Kinderumzug durch die Niederburg, anschließend ist Kinderball sowie Wurstschnappen auf der Marktstätte. Anschließend soll künftig nicht fertig sein und der Platz gefüllt bleiben. Das Programm geht weiter. Ab 16 Uhr laden die Fasnachtsvereine zum Singen von traditionellen Fasnachtsliedern ein. Musikalisch sind der Fanfarenzug der Blätzlebuebe, die Blue Birds of Paradise, Michael Kaltenbach und Martina Bauer dabei. Es seien alle Narrenvereine eingeladen, diesen Fasnachtsmontag auf der Marktstätte mitzugestalten, fordert Blätzlebuebe-Zunftmeister Andreas Kaltenbach auf.

Bislang hätten neben den Blätzlebuebe und den Alt-Konstanzer Hansele auch Les Filous, die Konstanzer Teufel, Frichtle, Trolle, Altstadthexen, Piraten und Wüeschte Sierche ihre Unterstützung zugesagt. Musikwägen sind zur Unterhaltung auf der Marktstätte willkommen. „Die Bühne ist der Kaiserbrunnen“, sagt Andreas Kaltenbach.

Das Singen von Fasnachtsliedern soll erst ein Anfang sein. Im April wollen sich die Narrenvereine über eine große Aktion im kommenden Jahr unterhalten. Ihr Ziel ist klar: Sie wollen den Montag als festen Narrentag erhalten, sie wollen Mäschgerle und närrische Gruppen zur Fasnacht im eigenen Ort animieren. Und sie wollen vor allem den Konstanzern etwas bieten.

 

Zum Mitsingen

Neben vielen anderen Liedern ist am Fasnachtsmontag, 3. März, ab 16 Uhr auf der Marktstätte das Ahle-Lied von Karl Steuer im Repertoire. Zum Einstudieren und späteren Mitsingen hier der Text:

 

Bitte, bitte gib mer doch en Aahle,

gell, des isch so schä

Bitte, bitte gib mer doch en Aahle,

denn kriegsch du vo mir zwä.

Bitte, bitte, bitte so en Aahle,

schmeckt wie en halbe Kuss,

zwei halbe gieht en ganze,

en ganze Hochgenuss.

Aus dem Lied Bin e Niederburgler Frichtle von Willi Hermann ebenfalls zum Auswendiglernen:

Konstanzer Frichtle, dess kann i itt bleibe,

mueß doch hinaus i'd'Welt,

doch in meim Tagbuch wird immer i schreibe,

wo mir's am beschte gfällt:

Inselgass, Brückegass, Tullegass, Rheingass

Und dorauf no mei Herzass,

das ist mein herrlichster Niederburgwinkel,

mei Heimat Konradigass,

das ist mein herrlichster Niederburgwinkel,

mei Heimat Konradigass!

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