Konstanz Narren rufen Fasnacht am Dreikönigstag aus

Hunderte Maskenträger und Bürger haben in der Altstadt bei Minusgraden den Auftakt der fünften Jahreszeit gefeiert. Hans-Peter Kratzer, Ratsherr der Alt-Konstanzer Hansele, der 30 Jahre lang die Fasnacht ausgerufen hat, legt die Ratsherrenrobe ab.

Hoch her ging es gestern in Konstanz, denn am Dreikönigstag wurde der Beginn der Fasnacht gefeiert. Am Schnetztor kamen zahlreiche maskentragende Zünfte zusammen und liefen, angeführt von Fahnenschwingern, den Nachtwächtern samt dem Hansele-Ratsherrn Hans-Peter Kratzer und Fanfarenzügen durch die dunklen Konstanzer Gassen zur Marktstätte und letztlich zum Obermarkt. Dort verkündete Kratzer nicht nur den Beginn der hochgeschätzten Fasnachtszeit, sondern kam insbesondere auf die Rechte und Pflichten der Narren zu sprechen. So sei es ab sofort erlaubt, sich zu "verbutzen und vermummen".

Das diesjährige Ausrufen war Hans-Peter Kratzers letzte Amtshandlung, denn nach dreißig Jahren legt er die Ratsherrenrobe ab. Umso pointierter war sein Auftritt, der sich als närrisch-spitzfindiges und zugleich unerschrockenes Verbalfeuerwerk gestaltete. "Ab heute", wandte sich Kratzer an das Narrenvolk, "werden Worte wie Negerküsse, Zigeunerschnitzel, Mohrenköpfe oder Nafris aus dem deutschen Wortschatz gelöscht; der Führerschein bleibt aber weiterhin Führerschein." Vor allem aber nahm er das Lokalgeschehen aufs Korn. Die Konstanzer Verkehrsplaner hätten das C-Konzept ad acta gelegt und wollten stattdessen das DEF-Konzept einführen. DEF stehe für Diagonale Einspurige Fahrbahnen. Die Innenstadt werde für den Autoverkehr gesperrt. Alle aus der Schweiz kommenden Fahrzeuge würden diagonal über die B 33 nach Hegne auf den Park-and-Ride-Parkplatz mit Seehas-Anbindung weitergeleitet. Extra für Schweizer werde überdies direkt im Lago eine weitere Seehas-Haltestelle eingerichtet.

"Vor dem Bodenseeforum wird kein langer Steg gebaut", verkündete Hans-Peter Kratzer. Eine kurze Mole würde ausreichen, denn Stadt, Landratsamt und IHK wollten zwei Luftkissenboote anschaffen, um einen Pendelverkehr zwischen Hafen, Rheintorturm und Bodenseeforum zu ermöglichen. "Mit Hilfe der Luftkissenboote wird auch ein geregelter Betrieb während der nächsten Seegfrörne sichergestellt", so der Ratsherr. Zudem gebe es ein neues Konzept für die Gestaltung der Marktstätte, welches Kratzer erläuterte: "Man plant, dieselbige zu überdachen, dann mit Palmen und Bananenstauden zu verschönern, ein Freiluftkino anstelle des leider nicht mehr vorhandenen Scala zu betreiben und den Platz mit angenehm zu begehenden Fliesen zu sanieren."

Zudem verriet der Hansele-Ratsherr den Grund, warum am Bodensee kein Fracking durchgeführt wird. "Nach dem Bekanntwerden einer geplanten Tiefenbohrung im Konstanzer Trichter hat auf der anderen Seite der Erdkugel Neuseeland Einspruch erhoben", so Kratzer. "Sie haben befürchtet, wenn hier zu tief gebohrt wird, dann fließt das Wasser vom Bodensee bei denen aus."

Wer die Schweizer Einkaufs-Tourismus-Gäste beschimpfe, werde auf das Härteste bestraft. Die Übeltäter würden in den nächsten Steinbruch verfrachtet, um Pflastersteine zu polieren, mit denen die Rosgartenstraße für jedermann gefahrlos begehbar gemacht werde. "Im Gnadenakt könnte man die Übeltäter für die Konzilfestspiele verwenden", so Kratzer. Über die Hinrichtung von Jan Hus und Hieronymus von Prag werde ein neuer Tatort gedreht. "Über die Vergabe der beiden Hauptrollen", verriet der Hansele-Ratsherr, "streiten sich angeblich ein gewisser Doktor Osner und ein Herr Langensteiner-Schönborn."

Abschied nach 30 Jahren

Zum 30. und zugleich letztem Mal hat Hans-Peter Kratzer, besser bekannt unter HP, gestern als Ratsherr der Alt-Konstanzer Hansele die Fasnacht öffentlich ausgerufen. Für seine Verdienste zeichneten ihn Zunftmeister Thorsten Heer und Vize-Zunftmeisterin Claudia Büchler mit einer Ehrenurkunde samt Orden aus. Kratzer sei immer treu zur Stelle gewesen und habe das Ausrufen nie ausfallen lassen. Wer die Nachfolge von Hans-Peter Kratzer antritt, steht noch nicht fest. Nur so viel ist sicher: "Es wird anders, weil es HP nicht mehr macht", so Thorsten Heer. (as)

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