Konstanz Nachdem der Gemeinderat die Verlängerung des Vertrages von Intendant Nix ablehnte: Konstanzer Stadttheater sagt die Theatertage ab

Das traditionsreiche Konstanzer Haus möchte sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Das Großprojekt Atlantis 2020 soll jedoch nach wie vor stattfinden

Die künstlerische Leitung deutete es vor zwei Wochen im SÜDKURIER an, nun ist es Fakt: Das Stadttheater sagt die Baden-Württembergischen Theatertage 2019 ab. Unter dem Titel "Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit", teilt das Haus mit: "Nachdem Mitglieder des Gemeinderates Christoph Nix aufgefordert haben, weniger zu machen, um mit dem Geld auszukommen, möchte er diesem Ratschlag nachkommen. Die Erwartung der Stadt und des Gemeinderates, das Theater könne in zwei Jahren zwei Großprojekte stemmen, ist illusionär."

 

"Nicht zu bewerkstelligen"

Der Gemeinderat stimmte vor zwei Wochen gegen eine Verlängerung des Intendanten-Vertrages um ein Jahr. Er solle wie vereinbart im Sommer 2020 aufhören. Nix kündigte daraufhin an, die geplanten Großprojekte Theatertage 2019 und Atlantis 2020 neu zu überdenken. Nun schreibt die künstlerische Leitung: "Mit großem Bedauern stellen wir fest, dass die Theatertage neben dem Alltagsgeschäft mit künftig bis zu 28 neuen Produktionen sowie dem anstehenden Wechsel an der Spitze nicht zu bewerkstelligen sind.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie der Bühnenverein wurden informiert." Kulturbürgermeister Andreas Osner auf SÜDKURIER-Nachfrage: "Es ist noch zu klären, ob eine Absage allein durch das Theater möglich ist. Die Mitteilung des Theaters kommt für alle überraschend. Zumal die künstlerische Leitung auf die Landesförderung in Höhe einer Viertelmillion Euro verzichten würde. Die Stadt muss gegenüber dem Landesverband des Deutschen Bühnenvereins ein verlässlicher Partner sein."

 

Theaterfreunde haben Verständnis

Dieser Landesverband erfuhr gestern Abend vom SÜDKURIER von der Absage. "Die Stadt ist hier unser Ansprechpartner", sagte Geschäftsführer Hans Peter Radolko: "Wir sollten jedoch bald wissen, was Sache ist, da die Zeit drängt und so eine Veranstaltung nicht aus dem Ärmel geschüttelt werden kann." Barbara Gerking-Dönhardt, die Vorsitzende der Theaterfreunde Konstanz, sagte gestern auf SÜDKURIER-Nachfrage: "Ich finde es sehr schade, doch ich verstehe das Haus, dass es auf die eigene Produktion Atlantis setzen möchte." Es sei wichtiger, eigene Akzente zu setzen, "als eine Veranstaltung zu organisieren, die sowieso reihum im ganzen Land immer wieder stattfindet".

Nachvollziehbar sei die Absage auf jeden Fall, "denn beide Projekte, die den überregionalen Ruf des Konstanzer Theaters mehren, erfordern einen enormen Kraftaufwand, ein eingespieltes Team und Zeit". Und das sei nicht machbar, wenn der Intendant 2020 in Ruhestand geht – daher habe sie kein Verständnis, warum Nix nicht noch ein Jahr länger bleiben kann.

 

Das Haus

Das Theater Konstanz hat laut einer eigenen Pressenotiz innerhalb der letzten zehn Jahre die Zahl seiner Produktionen enorm gesteigert. Die Zuschauerzahlen sind unter der Intendanz von Christoph Nix von knapp 70 000 auf über 100 000 Zuschauer pro Spielzeit angestiegen. Er hat dem Haus durch künstlerisch hochwertige Arbeit, sowie den internationalen Projekten eine hervorragende Wahrnehmung bei überregionaler Presse und Fachpublikum verschafft.

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