Nun soll die teils problematische Verkehrssituation auf der neuen Kindlebildbrücke doch durch ein paar Nachbesserungen entschärft werden. Im Sommer hatten die führenden Vertreter von Straßenverkehrsbehörde und Neubauleitung die Bedenken und Sorgen der Gemeinde Reichenau und etlicher Bürger noch als unbegründet abgetan und Änderungen für nicht nötig erklärt. Nun zeigten sich die Behördenvertreter bei einer Besichtigung vor Ort gesprächsbereit und machten Lösungsvorschläge. Bürgermeister Wolfgang Zoll bilanzierte: „Erfreulicherweise haben wir zu jedem Punkt einen Ansatz gefunden.“ Um diese Stellen geht es:

  • Aus Richtung Konstanz: Eine Rampe führt hinauf zur Brücke. An der Einmündung haben die Fahrer von Autos und Lkws schlechte Einsicht in den Kreuzungsbereich, so die Kritik. Für Linksabbieger Richtung Insel Reichenau ist hinderlich, dass die Brücke an dieser Stelle ihren höchsten Punkt hat, so der Bürgermeister. Die Blendwirkung bei tief stehender Sonne komme hinzu. Außerdem behindere das Brückengeländer die Sicht. Gemeinderätin Sandra Graßl-Caluk (SPD) berichtete, ein Lkw-Fahrer habe ihr gesagt, er sehe zudem vom Führerhaus nicht, ob jemand von rechts komme. Rechtsabbieger Richtung Bahnhof werden in einer scharfen Kurve geführt und müssen stark den Kopf drehen, um zu sehen, ob von links was kommt, monierten einige Räte.

    Zoll sagte, als Lösungsvorschlag sei ihm mehrfach ein Spiegel auf der anderen Straßenseite genannt worden. Paul Brühl von der Polizei lehnte das ab: „Spiegel ist gefährlich. Kleinere Verkehrsteilnehmer nimmt der Autofahrer nicht wahr.“ Stattdessen schlug er vor, die Spuren für Links- wie Rechtsabbieger anders zu markieren, um bessere Einsicht zu bekommen. Linksabbieger sollten senkrecht zur Straße stehen, Rechtsabbieger mit weniger Schräge. Stefan Basel von der Straßenverkehrsbehörde meinte, vielleicht sei auch eine gemeinsame Spur in beide Richtungen hilfreich. Er regte an, das Ganze farblich probeweise zu markieren, um zu sehen, wie es sich bewährt.

    Yvonne Guduscheit von der Neubauleitung meinte, die Breite der Einmündung reiche schon für zwei Spuren. Der B33-Projektleiter Daniel Schrodin sagte: „Wir machen einen Plan und legen diesen der Verkehrsbehörde vor.“Ein Stoppschild an dieser Einmündung halten Basel und Brühl nicht für nötig. Die Fahrer würden sowieso halten, um zu schauen. Und Rechtsabbieger würden dadurch unnötig gebremst. Ein weiteres Problem, jetzt, wo es früh dunkel wird, sprachen Zoll und Gemeinderat Matthias Graf (CDU) an. An den Gebäuden der Firma Maurer-Atmos nördlich der Brücke gibt es ein paar recht helle Strahler, die den Verkehr blenden. Basel sagte, er spreche das bei den Zuständigen an.
     
  • Radweg: Der kombinierte Fuß-/Radweg in beide Richtungen an der Westseite der Brücke sei zu schmal, so die Kritik. Die Behörden sagen, er entspreche mit drei Metern Breite den Richtlinien. Doch das ist nicht überall so. Zoll und Ralf Blum (CDU) maßen an der Südseite, der Abfahrt zur Reichenau, nach: Hier sind es zwischen den aufgemalten weißen Streifen gerade mal 1,75 Meter. Hier gibt es im Gegensatz zur Nordseite zum Bordstein und der Straße hin einen zirka 30 Zentimeter breiten Pflastersteinstreifen, dessen Zweck die Vertreter der Neubauleitung spontan nicht erklären konnten.

    Blum meinte, diesen zu entfernen wäre nicht so teuer, dann könnte man den Begrenzungsstrich des Radwegs näher an der Straße ziehen. Brühl stimmte zu, dass man dies asphaltieren könnte, das Pflaster sei unsinnig. Blum regte zudem an, die Begrenzungsstriche des Wegs auf der Betonstrecke auf der Brücke fortzuführen. Zoll erklärte: „Man kommt jetzt aus der Enge auf eine unmarkierte Breite.“ Armin Okle (Freie Wähler) schlug vor, auf der Brücke gegenläufige Richtungspfeile auf den Weg aufzumalen, um die Gefahr zu verringern, dass sich Radler frontal begegnen. Die Neubauleitung will dies prüfen.

    Gemeinderat Berndt Wagner (CDU) monierte: „Ich halte den gegenläufigen Radverkehr generell für gefährlich.“ Er meine, das werde auf Dauer nicht funktionieren. „Ich glaube, man sollte über eine Radbrücke nachdenken.“ Diese könnte östlich der Kindlebildbrücke gebaut werden, meinte er. Schrodin sagte: „Wir haben eine planfestgestellte Lösung. Man sollte erst mal abwarten.“
     
  • Möglicher Irrweg: Gabriel Henkes (Freie Liste Natur) wies auf ein weiteres Problem hin. Am Brückenanfang auf der Nordseite, neben der Abfahrt Richtung Radolfzell, gibt es eine offen zugängliche Treppe, die für Wartungs- und Pflegearbeiten gedacht ist. Radfahrer, die in Richtung Insel fahren, könnten im Dunkeln den falschen Weg nehmen, da dort das Radlerschild weit rechts vom Weg steht, und bei der Treppe abstürzen, so Henkes.

    Er schlug vor, die vorhandene, aber stark gekrümmte Leitplanke an der Abfahrt nach Radolfzell vorzuziehen, um den Irrweg zu versperren. Schrodin erklärte, das sehe er kritisch, Radler aus der anderen Richtung könnten sich in der Planke verheddern. Aber er werde prüfen, ob der Zugang zur Treppe mit einer kleinen Tür gesichert werden könne.
     
  • Querung beim Kreisel: Die Führung des Fahrradverkehrs beim Kreisel am Anfang des Inseldamms wurde anfangs von vielen kritisch gesehen. Basel und Brühl erklärten erneut, es sei aus ihrer Erfahrung sicherer für die Radler, wenn sie hier untergeordnet seien, weil sie dann auf den Verkehr auf der Straße achten müssten. Wenn sie einfach zufahren könnten, sei die Gefahr größer, dass es zu Unfällen komme.

    Zoll sagte, er teile diese Auffassung: „Ich merke immer mehr, dass man gegenseitig Rücksicht nimmt.“ Graßl-Caluk meinte aber, die Querung sollte wenigstens beleuchtet sein, zumal hier auch Kinder im Dunkeln radeln. Brühl und Basel erklärten, eine solche Beleuchtung sei außerorts nicht üblich. Wenn die Gemeinde sie dennoch wolle, müsse sie das mit dem Amt für Nahverkehr und Straßen klären und vermutlich selbst finanzieren, so Basel.
     
  • Ausfahrt Maurer/Stader: Bei den Betrieben Maurer-Atmos und Jungpflanzen Stader nördlich der Brücke kreuzt die Ausfahrt den gegenläufigen Radweg. Zoll sprach dies als Problem an, das zwar vor allem die Betriebsangehörigen und Lieferanten betreffe, aber natürlich auch den Rad- und Autoverkehr in beide Richtungen. Die Einmündungen seien unübersichtlich. Schrodin kündigte an, hierzu werde es eine extra Verkehrsschau mit den Eigentümern geben.
     

Diskussion geht weiter

An der sogenannten Verkehrsschau auf der Kindlebildbrücke nahmen teil: Der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll, Stefan Basel, der Leiter der Straßenverkehrsbehörde, von der Neubauleitung Singen deren Leiterin Yvonne Guduscheit und der B 33-Projektleiter Daniel Schrodin sowie Paul Brühl, der Referent im Sachbereich Verkehr beim Polizeipräsidium Konstanz. Mit dabei waren außerdem die Gemeinderäte Ralf Blum, Matthias Graf, Berndt Wagner (CDU), Armin Okle, Hubert Schmidt (Freie Wähler), Angela Gasser, Gabriel Henkes (Freie Liste Natur) und Sandra Graßl-Caluk (SPD). Zoll kündigte an, dass die Ergebnisse der Verkehrsschau am 11. Dezember im Gemeinderat beraten werden. Er werde Basel und die Neubauleitung einladen. (toz)