Vor den Augen des neuen Geschäftsführers Jochen Andrew Lohmar hat Oberbürgermeister Uli Burchardt die Mitglieder des Betriebsausschusses Bodenseeforum zur Sondersitzung geladen. Anlass war die jüngst veröffentlichte Wirtschaftsprognose für das laufende Jahr. Demnach beträgt der erwartete Verlust statt 940 000 Euro knapp 2,5 Millionen Euro. OB Burchardt betonte bei der Sitzung im Ratssaal ausdrücklich die Rolle Lohmars: "Wir sind froh, dass er hier als Gast ist – und nur das ist er heute."

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Lohmar selbst weiß laut Burchardt seit Donnerstag von den "überraschenden und enttäuschenden Zahlen". Er selbst habe sie auch erst einen Tag vorher gesichert erfahren. "Nur deshalb fiel ihre Veröffentlichung zeitlich fast mit dem Antrag für den Zuschuss für das Jahr 2016 zusammen." Erst wenige Wochen zuvor stimmten die Stadträte einem Zuschuss von knapp 800 000 Euro zusätzlich für die ersten Monate des Bodenseeforums zu. Burchardt bleibt trotz der neuerlichen Hiobsbotschaft dabei: "Ich bin von der schwarzen Null überzeugt, das Haus hat einen langen Atem verdient." Mit der Berufung des neuen Geschäftsführers sei "der wichtigste Schritt zur Lösung des Defizits getan".

Bevor Lohmar tätig wird, erläuterte Interimsvorgänger Friedhelm Schaal, wie es zur miserablen Prognose kommen konnte: "Die Hauptstellschraube sind die Erlöse aus den Veranstaltungen, vor allem durch Catering und Bewirtung in diesem Bereich." Statt der erwarteten 2,6 Millionen Euro ist für dieses Jahr nur mit 1,2 Millionen Euro Umsatz zu rechnen. Zwar seien auch die Ausgaben höher als erwartet, weil unter anderem die Wartungskosten deutlich zu niedrig angesetzt wurden. Doch die um fünf Prozent höheren Betriebsaufwendungen seien entgegen der um die Hälfte geschrumpften Erlöse zu verkraften.

Das Problem: 157 Veranstaltungen waren ursprünglich für 2017 geplant, 137 wurden bisher akquiriert, bei diesen sind die Erlöse zudem geringer als erwartet. Stadtrat Heinrich Everke (FDP) wird wenig später daraus schließen: "Dann müssen wir dringend lernen, dass sich das Haus offenbar nicht für Kultur und Feste eignet, sondern mit mehrtägigen Tagungen und Kongressen belegt werden sollte." Denn diese brächten die notwendigen Erlöse aus der gastronomischen Bewirtung der Besucher.

Das Bodenseeforum Konstanz bleibt als Tagungs- und Veranstaltungsstätte weit hinter den Erwartungen zurück.
Das Bodenseeforum Konstanz bleibt als Tagungs- und Veranstaltungsstätte weit hinter den Erwartungen zurück. | Bild: Wolfgang Scheide

Der eigentlich als Wirtschaftsförderer der Stadt tätige Friedhelm Schaal sah sich nach dem Abgang von Geschäftsführer Thomas Karsch kurz nach der Eröffnung "als Projektleiter in der Verantwortung, das Programm aus einer Baustellensituation heraus zu wuppen". Er räumte ein, dass ihm als Generalist die nötigen Spezialkenntnisse für ein Veranstaltungshaus fehlten. Gleichzeitig verdeutlichte er die Situation im November 2016: "Wir haben weder Strukturen noch ein Organigramm vorgefunden.

" Umso wichtiger sei es, vor der wichtigen Zeit ab Herbst eine professionelle Führung zu haben. "Der Zuspruch und die Faszination für das Bodenseeforum zeigt doch seinen Wert für die Stadt", schloss Schaal.

An Schaal habe es nicht gelegen, dass das Bodenseeforum bislang keinen finanziellen Erfolg hatte, so der Tenor im Ratssaal. Auch wenn ersichtlich geworden sei, dass eine Geschäftsführung eines solch wichtigen Projekts nicht im Nebenjob zu machen sei. "Sie können mir glauben, dass ich den Urlaub jetzt zum Auftanken auch herbeisehne", sagte Schaal. Bei einer solchen persönlichen Belastung, entgegnete Till Seiler (FGL), "müsse man sich schon fragen, ob die Prioritäten dann nicht falsch gesetzt wurden". Die müssten nun eindeutig auf dem Bodenseeforum liegen.

Aus dem zweistündigen "Austausch von Informationen", wie Burchardt die Sondersitzung nannte, wird klar: Künftig erwarten die Mitglieder des Betriebsausschusses mehr Transparenz in Sachen Wirtschaftsplanung. Und zwar einmütig. So sagte Roger Tscheulin (CDU), der stets als Unterstützer des Projekts Bodenseeforum aufgetreten ist: "Die Zahlen treiben auch mir die Sorgenfalten auf die Stirn." Jürgen Faden (Freie Wähler) ist sich sicher, "dass man diese Umsatzlücke schon 2016 hätte sehen müssen". Da man nun wisse, dass der drohende Millionenverlust einzig an fehlenden Erlösen liege, müsse nun "alles getan werden, wenigstens noch ein bisschen entgegen zu steuern im zweiten Halbjahr".

Die Aussage der Stadtverwaltung, Zwischenergebnisse würden mehr schaden als helfen, empörte sich Till Seiler (FGL): "Sie richten keinen Schaden an, sondern helfen uns bei unserer Arbeit." Vielmehr seien noch im März Nebelkerzen gezündet und mit den guten Auslastungszahlen geprahlt worden. "Diese Arbeitsweise muss sich ändern", forderte er.

Erste Ergebnisse kann der Gemeinderat in seiner Sitzung am 13. Juli erwarten. Dann soll der erste Quartalsbericht für das Geschäftsjahr 2017 abgesegnet werden.

Das Bodenseeforum Konstanz
Das Bodenseeforum Konstanz | Bild: Aurelia Scherrer

Die Zahlen im Detail

Wesentlicher Faktor für die ernüchternden Prognosen für das laufende Betriebsjahr 2017 des Bodenseeforums sind die fehlenden Erlöse. Die wichtigsten Zahlen des Berichts für das erste Quartal des Jahres:

  • Umsatz: Die Stadt plante mit 157 Veranstaltungen für 2017, akquiriert wurden bisher 137. Weil sie zudem zu wenig einspielen, beträgt die Umsatzprognose rund 1,2 Millionen Euro. Der Wirtschaftsplan sah ursprünglich fast 2,6 Millionen Euro vor – also mehr als das Doppelte.
  • Kosten: Die höheren Kosten können vor allem durch nicht notwendig gewordene Leistungen beim Materialaufwand geschultert werden. Hier spart die Stadt knapp 800 000 Euro, der erwartete Betriebsaufwand steigt so von geplanten 3,5 auf etwa 3,7 Millionen Euro. (bbr)