Worauf etliche Konstanzer Jahre gewartet haben, ist nun eingetreten: Der Bahnhof Petershausen ist barrierefrei, der Einstieg in den Seehas und die Regionalzüge erfolgt seit einer Woche über die jeweiligen Außenbahnsteige an den Gleisen. Die Zeiten des Gepäckschleppens durch die Unterführung sind damit ebenso vorbei.

Wie bewerten Menschen mit Behinderung die Barrierefreiheit?

Stephan Grumbt, Behindertenbeauftragter der Stadt Konstanz, will sich in den kommenden Tagen persönlich ein Bild über die Barrierefreiheit machen, wie er auf Anfrage erklärt. Aus dem Beirat der Menschen mit Behinderung habe er bereits gehört, „dass die Situation jetzt gut gelöst ist“. 

Wo sich bis vor kurzem noch die Einstiege am Bahnhof Konstanz-Petershausen befanden, türmt sich seit dem zweiten März-Sonntag 2020 das Geröll.
Wo sich bis vor kurzem noch die Einstiege am Bahnhof Konstanz-Petershausen befanden, türmt sich seit dem zweiten März-Sonntag 2020 das Geröll. | Bild: Brumm, Benjamin

Ursprünglich war die Inbetriebnahme der Außenbahnsteige für Ende 2019 vorgesehen. Geplant wurde das Projekt sogar bereits zehn Jahre vorher. Die einst angepeilten Kosten verdoppelten sich fast auf letztlich 24 Millionen Euro. Kurz vor Ende der Bauzeit verhinderten Lieferengpässe für ein Spezialteil und ein laut Deutscher Bahn „unbekanntes Bestandkabel“ eine Eröffnung im vorigen Jahr. Die Bahn hatte zunächst sogar eine Verzögerung bis Sommer 2020 befürchtet.

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Seit wann ist der Bahnhof Petershausen barrierefrei?

Nun erfolgte die Inbetriebnahme der Außenbahnsteige doch schon am Morgen des 4. März. Kurz darauf startete der Rückbau des Mittelbahnsteigs und der nun überflüssig gewordenen Personenunterführung. Voraussichtlicher Abschluss der Arbeiten: Mai 2020.

Video: Brumm, Benjamin

Wie war die Stadt Konstanz an dem Projekt beteiligt und was hat sie bezahlt?

Die Stadt Konstanz war für den Umbau Projektpartner der Bahn und äußerte unter anderem den Wunsch nach zwei Außenbahnsteigen, wie Ulrich Hilser vom Pressereferat der Stadtverwaltung erklärt. Hauptsächlich habe sich die Partnerschaft aber auf die Finanzierung bezogen.

Die Stadt bezahlte laut Hilser vertraglich fixiert rund eine Million Euro. 40 Prozent davon stammten von einem Landkreis-Zuschuss. „Die Stadt war durch die Festbetragsvereinbarung nicht von steigenden Baupreisen und Mehrkosten beim Bau betroffen“, stellt Hilser rückblickend fest.

Wurden Konstanzer Bürger mit Behinderung eingebunden?

Der Beirat für Menschen mit Behinderung sei in die Planungen des Tiefbauamts eingebunden worden, erklärt Stephan Grumbt, unter anderem beim Bau einer Rampe nahe dem Wobak-Wohnkomplex in der Gustav-Schwab-Straße und der Einrichtung eines Leitstreifens für Blinde am Bahnsteig. „Unsere Anregungen wurden fast vollständig umgesetzt“, sagt der Behindertenbeauftragte.

"Mit der frühzeitigen Inbetriebnahme können wir absolut zufrieden sein." Er gehe davon aus, dass die derzeit durch die Rückbauarbeiten noch herrschenden Hindernisse mit Ende der Arbeiten auch verschwinden.

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Manuela Pruß, die seit frühester Kindheit nahezu vollständig erblindet ist, unterstütze Grumbt bei Angelegenheiten von sehbehinderten Menschen. „Sie hat mir gesagt, dass die neuen Blindenstreifen hilfreich sind“, erklärt er.

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