Konstanz Nach jahrelangem Werben: Spitalstiftung Konstanz macht endlich eine Pflege-Wohngemeinschaft

Mehr als zehn Jahre nach einem ersten Vorstoß des Altenhilfevereins gibt es jetzt eine realistische Chance auf neue Wohnformen im Alter: Die Konstanzer Spitalstiftung steht kurz vor dem Start in das Konzept Pflege-WG.

Die Stadt will Nägel mit Köpfen machen. Noch im Frühjahr hatte sie zu Veranstaltungen über die Gründung von Pflege-WGs eingeladen, jetzt liegt ein Millionen schweres Konzept zur Umsetzung eigener Projekte vor. Das unterstreicht die Notwendigkeit neuer Wohnformen im Alter.

Damit geht die Stadt einen Schritt voraus und demonstriert privaten Interessenten, wie Pflege-Wohngemeinschaften realisiert werden können. Bei den Informationsveranstaltungen hatte die Altenhilfeberatung Unterstützung dabei angeboten. Bei den Veranstaltungen wurde deutlich: Es bedarf neuer Wohnkonzepte, denn "Senioren wünschen sich ein kleines Umfeld in den eigenen vier Wänden, wenn sie umziehen müssen", war damals Bürgermeister Andreas Osner überzeugt. "Eigenverantwortlich und selbstbestimmt, aber mit Qualität", beschrieb Petra Böhrer von der Altenhilfeberatung das Leben in einer solchen WG; im besten Fall ist es so, dass ein Einzug in ein Pflegeheim gar nicht nötig wird.

Bereits im kommenden Jahr will die Stadt ihre erste WG eröffnen. Im März hatte der Spitalausschuss die Verwaltung mit der tieferen Planung für das Gebäude Talgartenstraße 4 beauftragt. Die Umsetzung liegt in der Hand der Spitalstiftung, sie musste sich mit dem Hospizverein einigen. Er hat das Haus angemietet, und der Vertrag läuft noch bis Mai 2019. Jetzt ist geklärt: Der Hospizverein zieht in das Nachbargebäude, ebenfalls in Eigentum der Spitalstiftung. Die Stiftung soll dann fast 1,2 Millionen Euro in die Hand nehmen, um das Haus Talgartenstraße 4 für die Pflege-WG umzubauen. Am Mittwoch soll der Spitalausschuss (ab 16 Uhr, Lehrsaal Klinikum) den Beschluss zur Umsetzung fassen, in der Woche darauf der Gemeinderat, zugleich Stiftungsrat.

Der Umbau ist laut Sitzungsvorlage für Herbst 2017 vorgesehen. Mitte 2018 sollen die ersten Bewohner einziehen. Die Planung sieht acht Plätze für Menschen mit Demenz und eingeschränkter Alltagskompetenz vor, betreut über eine 24-Stunden-Präsenz durch die Spitalstiftung. Die Senioren bewohnen eine Wohnung, jeder hat ein eigenes Zimmer mit eigenen Möbeln, eine Wohnküche bildet das Herzstück. Eine feste Tagesstruktur soll Orientierung und Sicherheit bieten. Die Versorgung hat allerdings ihren Preis. Nach derzeitigen Berechnungen müssten die Bewohner 2600 Euro im Monat selbst tragen; zuzüglich Anteil für einen ambulanten und frei wählbaren externen Pflegedienst. Aber: Bislang nicht berücksichtigt sind der Einsatz von Ehrenamtlichen sowie Erlöse aus Mietverhältnissen.

Während es beim Haus Talgartenstraße 4 bereits um einen einen Projektbeschluss geht, gibt für ein weiteres Vorhaben eher vage Ideen. Der Spar- und Bauverein soll nach ersten Überlegungen als Bauträger für einen Neubau am Erich-Bloch-Weg auftreten und diesen an die Spitalstiftung vermieten. Sie wäre dann Anbieterin einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für acht Personen. Das inhaltliche Konzept entsteht noch, es soll sich jedoch an jenem für die Talgartenstraße 4 orientieren.

Geld vom Altenhilfeverein

Bei dem Projekt an der Talgartenstraße 4 hat die Spitalstiftung einen finanziellen Partner und sie steht im Wort. Der Altenhilfeverein hatte im Jahr 2003 eine Schenkung erhalten: ein Haus. Das übertrug er der Spitalstiftung mit einer Abmachung. Über den Gegenwert von 150 000 Euro sollte ein Dementengarten am Haus Salzberg geschaffen werden – das ist geschehen. Nun steht eine weitere Zusage aus, weitere 400 000 Euro aus der Schenkung in ein Bürgerprojekt namens "Dementenhaus" zu investieren. Der Altenhilfeverein will weitere 250 000 Euro zum anstehenden Projekt beisteuern. (phz)

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