Wohl dem, der Freunde und Bekannte hat, wie sie Pfarrer Andreas Rudiger besitzt. Tiefer Respekt, Lob für seinen Mut und Anerkennung für sein Engagement in der Pfarrei Petershausen – das schlägt dem katholischen Priester entgegen, nachdem er am Wochenende bekannt machte, Vater zu werden.

Zumindest mehrheitlich, zumindest öffentlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Pfarrgemeinderat würde sich ein Verbleib Rudigers im Kirchendienst wünschen

Zum Beispiel von Rita Rotzinger-Magin. Es sei doch alles erklärt, sagt die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Petershausen zunächst. Schließlich will sie sich dann aber doch äußern, wie die Reaktionen der Katholiken im größten Konstanzer Stadtteil ausfielen: "Kein negatives Wort wurde darüber verloren, wie Pfarrer Rudiger sich verhalten hat. Wir alle bewundern seinen Mut und akzeptieren seine Entscheidung."

Rotzinger-Magin würde sich wünschen, dass er dem Kirchendienst erhalten bleibt – in welcher Form auch immer. Einige Mitglieder des Pfarrgemeinderats haben deshalb eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, um sich grundsätzlich für den Seelsorger auszusprechen. Über den genauen Inhalt herrscht jedoch noch keine Einigkeit innerhalb des Gremiums.

"Er muss sich aber erst einmal selbst im Klaren darüber werden, wie sein weiterer Lebensweg aussieht", sagt Rotzinger-Magin. Andreas Rudiger hat sich eine persönliche Auszeit erbeten und ist daher für eine Stellungnahme vorerst nicht zu erreichen. "Dies sollte man respektieren", sagt Rotzinger-Magin. Gleiches gilt für den Wunsch der Mutter des ungeborenen Kindes. Der SÜDKURIER hat mit ihr Kontakt aufgenommen. Nach einem Gespräch bittet sie darum, ihre Privatsphäre zu respektieren und diese zu wahren. Die Redaktion kommt diesem Wunsch nach.

Das könnte Sie auch interessieren

Gottesdienste bis 10. Januar 2019 sind geplant

Über Weihnachten und Neujahr müsse sich niemand um die Gestaltung der Gottesdienste in St. Gebhard, St. Suso oder Bruder Klaus sorgen. "Bis zum 10. Januar ist alles geplant", erklärt sie, "ich gehe davon aus, dass später ein Pfarradministrator bestellt wird."

Diese Vertreterposition entspräche dem Kodex des Kanonischen Rechts. Dort heißt es im 539. Canon: "Wenn die Pfarrei frei wird oder wenn der Pfarrer durch Gefangenschaft, Exil oder Ausweisung, wegen Unfähigkeit, angegriffener Gesundheit oder aus einem anderen Grund an der Wahrnehmung seiner pastoralen Aufgabe in der Pfarrei gehindert wird, ist vom Diözesanbischof so bald wie möglich ein Pfarradministrator zu ernennen (...)."

Was sagt Dekan Mathias Trennert-Helwig nach Bekanntwerden der Vaterschaft seines Priesters?

Bild: Parkwohnstift Rosenau

Dekan Mathias Trennert-Helwig kündigt an, dass Andreas Rudigers Stelle zeitnah neu ausgeschrieben werde. "Vorerst bin ich aber davon überzeugt, dass die Gemeinde in Petershausen sich selbst sehr gut organisieren kann und das nun überraschend entstandene Vakuum selbst füllt." Bei Bedarf wolle er jedoch für personelle Unterstützung sorgen, zum Beispiel durch Vertretungen anderer Seelsorgeeinheiten aus Konstanz.

Er selbst habe von Andreas Rudigers Entscheidung nur wenige Tage vor der übrigen Gemeinde erfahren, sagt Trennert-Helwig und räumt ein: "Das war keine erfreuliche Nachricht für mich. Andreas Rudiger hinterlässt eine große Lücke, ich bedauere sein Ausscheiden zutiest."

Der Dekan sagt aber auch, dass er sich eine weniger überraschende Ankündigung gewünscht hätte.

"Es steht außer Frage, dass er zum Kind und dessen Mutter steht"

"Der Abgang hätte länger vorbereitet werden können. 16 Jahre an einer Stelle, da ist es nicht ungewöhnlich, wenn ein Priester seine Gemeinde verlässt." Was nicht bedeute, er habe Rudiger empfohlen, über seine Vaterschaft den Mantel des Schweigens zu legen. "Es steht außer Frage, dass er zum Kind und dessen Mutter steht", sagt der katholische Dekan.

Üble Hetze gibt es nur im Internet. Seine Gemeinde steht zu Andreas Rudiger

Im Schutze der Anonymität steht das offenbar ganz und gar nicht außer Frage. Auf einschlägigen Websites werden Rudigers Vaterschaft und sein Umgang damit heftig kritisiert. So zum Beispiel in Beiträgen bei Gloria.tv, einer Art Facebook für – milde ausgedrückt – streng traditionalistische Katholiken.

Weil sich die 2005 ins Leben gerufene Seite (Motto: Je katholischer, desto besser) zu einem anonymen Hetz-Portal entwickelt hatte, distanzierte sich die römisch-katholische Kirche in Deutschland und der Schweiz von Gloria.tv.

Das könnte Sie auch interessieren

Über Rudigers Entscheidung ist dort viel zu lesen, vor allem sind es schwer zitierbare Respektlosigkeiten über die vermeintliche Schande, die der Konstanzer Seelsorger über seine Gemeinde gebracht habe. "Allein schon der Applaus der Schafe zeigt, wie verdorben die Gemeinde schon ist", schreibt jemand. Nichts werde verziehen, ein anderer. Ein Dritter stellt abstruse Vergleiche zu Mafia-Verbrechern auf.

"Was hat das mit christlichen Werten zu tun?"

Wenn sie von solchen Kommentaren hört, "friert es mich am ganzen Körper, da wird mir schlecht", sagt die Petershauser Pfarrgemeinderätin Rita Rotzinger-Magin. "Was haben solche Aussagen mit christlichen Werten zu tun?", fragt sie.

Aus ihrer Reaktion lässt sich eine Antwort ableiten, zumindest was die Petershauser Katholiken angeht: Nichts haben sie mit Christlichkeit zu tun. Erst recht nicht im Vergleich dazu, was Pfarrer Rudiger mit seinem Schritt ausgelöst hat.