Die Schrecksekunde werden die Lago-Besucher nicht so schnell vergessen. Lautsprecherdurchsagen informieren sie darüber, dass sie erst einmal nicht aus dem Parkhaus des Einkaufszentrums herausfahren können. Es ist Freitagabend, gegen 18 Uhr, beste Zeit für einen Bummel oder einen Kinobesuch. Derweil fährt draußen die Feuerwehr vor, mit mehreren Fahrzeugen, darunter eine Drehleiter. Center-Manager Peter Herrmann greift selbst zum Mikrofon und beruhigt die Gäste. Niemand ist in akuter Gefahr, für die Unannehmlichkeiten werden Gutscheine für eine Tasse Kaffee ausgegeben. "Die Besucher haben das sehr gelassen mitgemacht", sagt Herrmann in der Rückschau, "das war sehr beeindruckend".

Währenddessen manövrieren die Feuerwehrleute den Korb der Drehleiter an die Brücke, die das Lago mit den Parkplätzen und der Promenade auf Klein-Venedig verbindet. Teile der Brückenkonstruktion hatten sich unerwartet gelöst und waren auf die Hafenstraße gefallen. Da war Gefahr im Verzug, sagt Walter Rügert, der Sprecher der Stadtverwaltung. Deshalb habe die Stadt nicht warten können, bis ein Fachbetrieb nach dem Problem schaut. Dass dann die Feuerwehr eine Not-Reparatur vornimmt, sei nicht so ungewöhnlich, erklärt Rügert. Beteiligt waren auch die Technischen Betriebe.

Was war passiert? Durch den Wechsel zwischen Frost und Tauwetter lösten sich laut einer Presseerklärung der Stadt vom Montag Teile aus der Konstruktion. Sie waren nicht tragend, die Sicherheit der Brücke war den Angaben zufolge zu keiner Zeit in Gefahr. Die Sperrung für die Benutzer hatte laut Walter Rügert vor allem den Zweck, den Feuerwehrleuten ein schnelles Arbeiten zu ermöglichen. Nach etwa einer Stunde war der Einsatz vorbei, die Brücke wurde ebenso wie die darunterliegende Hafenstraße – die einzige Zu- und Abfahrt zum Lago-Parkhaus – wieder freigegeben. Am Montag deutete an der Brücke nichts mehr auf die Probleme vom Freitag hin.

Dennoch sollen sich Experten das Bauwerk noch einmal ansehen. Es ist nach der Eröffnung des Lago im Jahr 2004 an die Stadt übergegangen, sie muss es deshalb instand halten. Das sagt auch Lago-Chef Peter Herrmann: "Die Bezeichnung Lago-Brücke ist da vielleicht etwas irreführend, mit uns als Einkaufszentrum hat sie nicht direkt zu tun." Tatsächlich sind die Besitzverhältnisse über einen Vertrag des damaligen Lago-Investors, der Büll und Liedtke-Gruppe aus Hamburg, und der Stadt Konstanz genau geregelt.

Wer die Baulast für eine Brücke trägt, muss sie regelmäßig und gründlich auf ihre Sicherheit untersuchen. Laut Stadtverwaltungen sind Begutachtungen alle sechs Jahre vorgeschrieben. Der Steg am Lago mit seinen markant roten geschwungenen Bogen war 2016, genau zwölf Jahre nach der Inbetriebnahme, an der Reihe. Damals habe es keine Auffälligkeiten gegeben, so die Stadtverwaltung. Dennoch sollen die Experten bald noch einmal Untersuchungen vornehmen, vor allem die so genannte Untersicht, also den zum Boden hin weisenden Teil des Bauwerks.

Wie teuer die Reparatur an den defekten Verkleidungsteilen ist und wie die Baumängel einzustufen sind, war am Montag noch nicht abzusehen. Die Brücke bleibt aber auf jeden Fall geöffnet, die Hafenstraße befahrbar. Sollten größere Instandsetzungsarbeiten nötig werden, steht zumindest zum Überqueren der Gleise in etwa 150 Metern Entfernung die Fußgängerbrücke in der Verlängerung der Bodanstraße zuf Verfügung. Sie hatte auch wegen hoher Baukosten-Steigerungen von zunächst geschätzten 1,8 Millionen auf schließlich über drei Millionen Euro für große Diskussionen gesorgt.
 

Fußgänger- und Radfahrerbrücken in Konstanz und ihr Zustand

 
  1. Fahrradbrücke über den Seerhein:

    Nach der Sanierung im Top-Zustand: Die Fahrradbrücke über den Seerhein.
    Nach der Sanierung im Top-Zustand: Die Fahrradbrücke über den Seerhein. | Bild: Jörg-Peter Rau

    Die rund 163 Meter lange Brücke überspannt den Seerhein und ist ausschließlich Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Die Stahlkonstruktion wurde ab 1990 gebaut und 1991 in Betrieb genommen. In Notfällen kann sie Fahrzeuge bis zwölf Tonnen tragen. Nach einer Generalsanierung des Belags im Jahr 2015 und einigen folgenden Nacharbeiten ist sie inzwischen wieder im Topzustand. Der raue Belag trägt seit der 300 000 Euro teuren Erneuerung sehr dazu bei, dass die Rutschgefahr bei Nässe und Eis geringer geworden ist.


  2. Fußgängersteg beim Bahnhof in Verlängerung der Bodanstraße:

    Teuer und noch ziemlich neu, aber die Aufzüge gehen oft nicht: Fußgängerbrücke am Bahnhof
    Teuer und noch ziemlich neu, aber die Aufzüge gehen oft nicht: Fußgängerbrücke am Bahnhof | Bild: Jörg-Peter Rau

    Über keine Brücke in Konstanz wurde in den letzten Jahren so viel diskutiert – wegen der hohen Baukosten und wegen der Gestaltung. Seit 2009 steht sie Fußgängern zur Verfügung, ein diskutierter dritter Abgang mit Lift zum Haupt-Bahnsteig des Konstanzer Bahnhofs wurde nie gebaut. Leider ist die Brücke oft verschmutzt, und die Aufzüge sind so unzuverlässig, dass sogar Warn-Leuchtschriften angebaut wurden, damit Nutzer mit Kinderwagen oder Rollstuhl nicht steckenbleiben.


  3. Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Reichenaustraße:

    Gerade mal gut zehn Jahre alt, aber der Belag ist schon schwer beschädigt: Die Fugängerbrücke über die Reichenaustraße zwischen Neuwerk und Arbeitsagentur bietet einen traurigen Anblick.
    Gerade mal gut zehn Jahre alt, aber der Belag ist schon schwer beschädigt: Die Fugängerbrücke über die Reichenaustraße zwischen Neuwerk und Arbeitsagentur bietet einen traurigen Anblick. | Bild: Jörg-Peter Rau

    Im Zuge des B-33-Ausbaus wurde die Brücke mit Treppen für Fußgänger und Spindeln für Radler im Jahr 2006 vom Bund fertiggestellt. Nach nicht einmal zehn Jahren wurden die Schäden im Belag immer größer, was zu einer politischen Posse führte: Die Brücke gehört dem Bund, der Belag dagegen der Stadt. 2017 soll er nach Klagen auch aus dem Gemeinderat nun endlich saniert werden, bestätigte die Stadt am Montag. Wie bei der Fahrradbrücke müssen die Arbeiten im Sommer gemacht werden.


  4. Fußgängerbrücke am Zähringerplatz:

    Verrosteter Belag, tiefe Pfützen: Die Brücke am Zähingerplatz ist nicht barrierfrei und wird wenig genutzt.
    Verrosteter Belag, tiefe Pfützen: Die Brücke am Zähingerplatz ist nicht barrierfrei und wird wenig genutzt. | Bild: Jörg-Peter Rau

    Kaum jemand benutzt den Übergang, der als sichere Querung vor allem für die Schüler von Theodor-Heuss-Realschule und der Gemeinschaftsschule Gebhard gedacht ist. Die Treppen sind steil, längst verblichene Schilder warnen vor Belagschäden und Rutschgefahr, tiefe Rostlöcher haben sich in den metallenen Belag gefressen. Das rund 30 Meter lange Bauwerk ist nicht barrierefrei und soll mit der Umgestaltung des Zähringerplatzes möglicherweise ganz abgebaut werden, in der Nähe gibt es eine Fußgängerampel. (rau)