Die Akteure sind die gleichen, der Schauplatz ist ein neuer. Drei Jahre nach der hitzigen Auseinandersetzung um die Fällung von Pappeln im Tägermoos rückt jetzt ein Baum direkt am linken Ufer des Seerheins ins Zentrum einer Diskussion, die sich zu einer neuen Protestbewegung entwickeln könnte. Erneut ist es Christel Thorbecke, die die Auflehnung gegen die von der Stadtverwaltung geplante, begründete und längst bekanntgegebene Fällung organisiert. Und erneut kommt Fabian Dietrich, der Baumgutachter aus der Schweiz, den die Tägermoos-Initiative bereits 2015 engagiert hatte.

Baumgutachter aus der Schweiz kommt am 8. Januar

Zum Ortstermin mit Fabian Dietrich am Montag, 8. Januar, um 15 Uhr, ruft Thorbecke alle Interessierten auf, zur Begutachtung des Baums dazuzukommen. Es könnte also eine keine Demonstration am Seerhein, direkt vor dem neuen Seminargebäude der HTWG werden. Vorab schreibt die Initiative: "Nach der Tragödie im Tägermoos, wo vor drei Jahren 41 gesunde Pappeln gefällt wurden, kann die damals gegründete Bürgerinitiative Pappelallee zu dieser geplanten Fällung nicht schweigen." Denn die von der Verwaltung veröffentlichten Begründungen für die Fällungen seien "vage und spekulativ": Kein Baum sei grundsätzlich sturmsicher, und den Orkan Burglind am Mittwoch habe der Baum am Rhein "gut überstanden".

OB Burchardt: Bürger hätten sich frühzeitig informieren können

Zugleich regt Thorbecke auch an, politisch weiteren Druck aufzubauen. Am Dienstag, 16. Januar, stehe die für den Moment noch aufgeschobene Fällung auf der Tagesordnung des Technischen und Umweltausschusses. Zur öffentlichen Sitzung sollten viele Bürger kommen, so Thorbeckes Aufruf. Der Technische Betriebsausschuss hatte das Thema bereits am 30. November beraten. Er hätte sich gewünscht, dass die Kritiker solche Angebote wahrnehmen, sich aus erster Hand über die Pläne der Stadt und ihre Gründe zu informieren, sagte neulich Oberbürgermeister Uli Burchardt im Gemeinderat.

Im Rathaus herrscht wenig Verständnis für die Initiative

Auch unter den Fachleuten im Baudezernat herrscht wenig Verständnis für das neuerliche Agieren der Tägermoos-Initiative. Bereits Ende November sagte Gerhard Majer, stellvertretender Leiter der Abteilung Grünpflege der Technischen Betriebe, die Pappel, in die junge Leute seit Jahren zusammengeknotete alte Sportschuhe werfen, sei beim Sturm am 2. August stark geschädigt worden. Ein großer Ast habe einen Riss im Stamm verursacht, zudem sei er innen hohl und faule weiter. Zudem gebe es Zweifel, ob die Pappel einem Orkan standhalte.

Am Seerhein soll als Ersatz eine Eiche gepflanzt werden

Die Stadtverwaltung hat angekündigt, für die zur Fällung vorgesehene Pappel einen Ersatz zu pflanzen. Wie auch an anderen Stellen am Seerhein-Ufer, ist eine Eiche vorgesehen. Übers ganze Stadtgebiet gerechnet, werden nach Angaben der Verwaltung diesen Winter rund 110 Bäume neu gepflanzt und etwa 60 gefällt.