Im Hof der Fritz-Arnold-Straße 7 brennen Kerzen. Jemand hat aus Teelichtern ein großes Herz gelegt. In der Mitte, noch in Cellophan eingepackt, ein Blumengesteck und ein Foto von Sony. So nannten seine Freunde den 19 Jahre alten Ferdison S, der hier am Samstagmorgen niedergestochen wurde. Ein großes S aus Kerzen, ein paar Blumen und immer wieder Leute, die vorbeigehen und kurz an die grauenhafte Tat vom Wochenende denken.

Warum musste der junge Mann aus dem Kanton Schaffhausen, der auf dem Bild so optimistisch in die Welt lächelt, sterben? Auch die Ermittler wissen es noch nicht. Die 50-köpfige Sonderkommission ist auch nach den Fahndungserfolgen vom Wochenende nicht aufgelöst, noch fehlen wichtige Puzzleteile. So erklärt Andreas Mathy, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, die Arbeit der Ermittler am Montag.

Auch die Bande jugendlicher Krimineller, gegen die vor einigen Jahren sogar die eigens gegründete Ermittlungsgruppe Berchen eingesetzt wurde, dürfte im Fokus der Behörden bleiben. Der 17-jährige mutmaßliche Haupttäter gehörte zu der Bande, bestätigt Staatsanwalt Mathy. Im Juli 2016 hatten seine Kollegen vor dem Amtsgericht Konstanz Klage gegen den Jugendlichen erhoben, der Vorwurf lautete auf gefährliche Körperverletzung. Die Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Ein Dreivierteljahr später soll er Sony S. mit einem einzigen Stich getötet haben, das ist der Stand der Ermittlungen vom Montag. Wo genau der 17-Jährige festgenommen wurde, sagt Mathy nicht, nur so viel: Es war in einer Wohnung im Konstanzer Stadtgebiet.

Vor allem im Jahr 2015 hatte die Bande immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Seit Herbst 2014 gingen bei der Polizei immer mehr Hinweise auf die etwa zehnköpfige Gruppe Jugendlicher ein. Mehrere Prozesse vor dem Amtsgericht endeten mit Urteilen. Körperverletzung, Diebstahl, Raub und sogar Einschüchterung von Zeugen lauteten damals die Tatvorwürfe.

Zwei 14-Jährige, die die Polizei als "besonders auffällig" beschrieb, waren zeitweise sogar in Haft, nach Polizeiangaben von damals wurden Schulen und Sozialarbeiter eingebunden, um das Problem in den Griff zu bekommen. Ob der Tatverdächtige vom Samstag zu ihnen gehört, ist noch nicht gesichert. Nach Informationen des SÜDKURIER soll es inzwischen eine zweite Generation von jugendlichen Straftätern geben. Der Name Berchen-Bande ist eine Zuschreibung vor allem von Gleichaltrigen.

Eine Aufnahme wenige Tage nach der Bluttat: die Shisha-Bar „Pasha of Dubai“.
Eine Aufnahme wenige Tage nach der Bluttat: die Shisha-Bar „Pasha of Dubai“. | Bild: Jörg-Peter Rau

Warum Sony S. und seine Gruppe mit der Gruppe des 17-Jährigen und des ebenfalls festgenommenen 21-jährigen Syrers in Streit gerieten, ist unklar. Auch die Cousine des Opfers, die Sony S. in der Tatnacht nach Konstanz begleitete und die Auseinandersetzung miterlebte, kann sich das Geschehen noch nicht ganz erklären.

Die 23 Jahre alte Frau wohnt in Schaffhausen, ihr Name ist der Redaktion bekannt. Sie sei zusammen mit dem späteren Opfer, seiner Freundin sowie einem Kollegen gegen 0.30 Uhr in die Shisha-Bar im Konstanzer Industriegebiet gekommen, berichtet sie. „Wir hatten einen schönen Abend und keinerlei Probleme mit anderen Gästen. Sony hat auch niemanden angetanzt“, erzählt sie, diese Darstellung werden Staatsanwaltschaft und Polizei Konstanz in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung einige Stunden später bestätigen. Auch der SÜDKURIER hatte zunächst von solchen Verhaltensweisen berichtet.

Wie die beiden Gruppen miteinander in Kontakt kamen, bleibt auch am Montag offen. Zu Herkunft, Wohnort und Alter der drei jungen Männer, die die Polizei vorläufig festgenommen hatte und dann wieder gehen ließ, gibt es keine Angaben. Möglicherweise bringen die Aufnahmen von Überwachungskameras in und vor der Bar weitere Klarheit. Bei der Ermittlung des 17-jährigen Hauptverdächtigen und seines 21-jährigen Mittäters waren die Videos laut Staatsanwaltschaft sehr hilfreich.