Am meisten stört die Kunden, dass sie in aller Regel niemanden erreichen bei Unitymedia, und wenn doch, wird die Verantwortung für die Probleme auf den Vertragspartner 3Kabel in Bad Wurzach abgeschoben. "Wahrscheinlich ist es leichter, Donald Trump als Telefon zu bekommen als einen Vertreter dieser Firma", sagt ein erboster Konstanzer gegenüber dem SÜDKURIER. Jürgen Fischer aus Wallhausen, dessen Sohn in Radolfzell wohnt und seit Anfang Juni auf seinen Internetanschluss wartet, hat diese Vermutung: "Ich bin mir gar nicht sicher, ob 3Kabel existiert", sagt er. "Mir tun die Leute im Call Center von Unitymedia leid und ich verstehe auch, dass sie einen immer größeren Groll auf ihren eigenen Arbeitgeber haben. Die kommen mit den Beschwerden nicht mehr nach."

Neun Stunden "Hotlinehölle bei Unitymedia hinter mir"

René Lüder aus der Tulengasse berichtet: "Seit dem Unwetter vom 18. August sind wir von TV und Internet abgeschnitten. Das Problem wurde von mir bei Unitymedia gemeldet. Mir wurde versprochen, dass sich in Kürze ein Techniker bei mir meldet. Das geschah jedoch nicht." Mittlerweile habe er zwölf Anrufe und neun Stunden "Hotlinehölle bei Unitymedia hinter mir. Wartezeiten in der Hotline von 25 bis 30 Minuten sind die Regel. Die Mitarbeiter waren sehr freundlich. Doch wurde mir immer nur mitgeteilt, dass die Störung bekannt sei und die Entstörung beim Technikpartner 3Kabel in Auftrag sei.

Nach etwa 90 Anrufen bei dieser Firma ist das Ergebnis ernüchternd. Kein einziger Anruf ging an einen Bearbeiter durch. Mir wird per Band mitgeteilt, dass alle Mitarbeiter im Gespräch seien und ich eine Nachricht hinterlassen solle, nur um dann zu erfahren, dass diese voll sei und man aus der Leitung fliegt". Vor rund einer Woche schilderte René Lüder den Fall erneut einem Mitarbeiter von Unitymedia, der daraufhin Rücksprache hielt. "Anschließend sagte er mir, dass er nun mit offenen Karten spielen wolle. Die Probleme mit 3Kabel seien intern bekannt. Es sei reine Glücksache, einen Termin bei einem Techniker zu bekommen. Falls man Glück hat, liegt dieser Termin meist in weiter Zukunft und oftmals erscheint dann trotzdem niemand." 

Thomas Ranitzsch aus der Beethovenstraße wartet seit dem 3. August, dass sein Anschluss von Unitymedia repariert wird. Seither kann er nur stark eingeschränkt TV schauen. Bild: Oliver Hanser
Thomas Ranitzsch aus der Beethovenstraße wartet seit dem 3. August, dass sein Anschluss von Unitymedia repariert wird. Seither kann er nur stark eingeschränkt TV schauen. Bild: Oliver Hanser

Nachdem der SÜDKURIER am 24. August über die Probleme bei Peter Schuck sowie Walter Daniel und Beatrice Daniel-Schöpfer berichtete, ging es plötzlich schnell. Beide Parteien sowie deren Nachbarn haben mittlerweile wieder perfekt funktionierenden TV- und Internetanschluss. Markus Schöwe, Nachbar von Familie Daniel in der Gerichtsgasse und ebenfalls Betroffener, schrieb an den SÜDKURIER: "Es ist traurig, aber wahr, dass erst Ihr Artikel und damit das Einschalten des Pressesprechers und mutmaßlich dessen Druck innerhalb der Firmen eine Wirkung erzielt hat – innerhalb eines Tages. Urplötzlich konnte ein Techniker extra für unseren Bereich mobilisiert werden, wie mir von einer Mitarbeiterin von 3Kabel telefonisch mitgeteilt wurde.

" Auch Unternehmer Peter Schuck freute sich, dass noch am Tag des Artikels Unitymedia Kontakt mit ihm aufnahm und mittels eines Technikers aus Überlingen kurze Zeit später das Problem löste. Peter Schuck hat Mehrkosten, die auf die Probleme mit dem Handy-Netz und dem Internet zurückzuführen sind. Er organisiert Radreisen in ganz Europa, seine Kunden kommen aus der ganzen Welt. Damit er erreichbar ist, musste er eine Aushilfskraft engagieren, die seine neue Nummer nach außen kommunizierte. "Das sind faktische Kosten in Höhe von rund 250 Euro", sagt der Unternehmer. "Ich kann aber nicht einschätzen, welche Einnahmen mir entgangen sind, weil ich einige Tage nicht erreichbar war." Er erwartet von Unitymedia nun eine finanzielle Kompensation. Reaktionen von der Firma? Bisher Fehlanzeige.

Unitymedia-Hotline riet Kunden zur Kündigung

Thomas Ranitzsch aus der Beethovenstraße muss seit dem 3. August auf Fernsehen verzichten. Seit einiger Zeit erscheint auf seinem Bildschirm der Hinweis: Die Fehlerrate am Antenneneingang ist zu hoch – schlechter Empfang. "Seither versuche ich, die Reparatur durch Unitymedia zu erreichen. Bis heute waren meine Anrufe ohne Erfolg, man entschuldigte sich zwar und sagte immer wieder Hilfe durch 3Kabel in Bad Wurzach für nächste Woche zu, dabei blieb es", erzählt er. "Ich hatte mir unter der Privatisierung etwas anderes vorgestellt. Bliebe noch der Rechtsstreit – aber gibt es denn nichts anderes?", fragt er frustriert. Aufgegeben hat Thomas Scheld aus der Berchenstraße. "Mir wurde sogar von Seiten der Hotline geraten, den Vertrag mit Unitymedia zu kündigen, nachdem mir seit dem 8. August nicht geholfen wurde", schildert er. "Es ist armselig, wie diese Firma mit ihren Kunden umspringt. Aber nun gut, ich werde heute noch kündigen", sagte er gestern gegenüber dem SÜDKURIER.

Helge Buchheister, Pressesprecher von Unitymedia, nahm auf Anfrage des SÜDKURIER zu den Problemen schriftlich Stellung: "Wir haben in der Region um den Bodensee herum bedauerlicherweise tatsächlich längere Wartezeiten beim Einsatz von Service-Technikern. Besondere technische Probleme mit der Netzinfrastruktur liegen jedoch nicht vor. Ursächlich für die Wartezeiten ist unter anderem eine Neustrukturierung unserer Servicepartner-Landschaft. Hier greifen noch nicht alle Rädchen so, wie sie sollten. Wir werden daher in enger Abstimmung mit unseren aktuellen Partnern noch an einigen Stellschrauben drehen. Um die Bearbeitung von Serviceanfragen zu beschleunigen, haben wir darüber hinaus vor kurzem einen zusätzlichen Partner hinzugezogen, der in unserem Auftrag nötige Reparatur- und Wartungsarbeiten an den Anschlüssen der Kunden beseitigt. Weitere Maßnahmen werden folgen. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Bearbeitungszeit sehr bald wieder auf ein normales Niveau reduzieren können. Für die Unannehmlichkeiten möchte ich mich im Namen von Unitymedia entschuldigen."

Gestern erklärte er dann gegenüber dem SÜDKURIER: "Wir haben ein noch größeres Problem in Nordrhein-Westfalen wegen der Fehlerbilder bei der Senderumstellung, daher sind unsere Mitarbeiter nicht erreichbar. Wir sind völlig überlastet und müssen die Probleme nach und nach abarbeiten."

Unitymedia

Der Kabelnetzbetreiber mit Sitz in Köln entstand 2005 durch den Zusammenschluss von iesy, ish und Tele Columbus West. Seit 2009 ist er Tochtergesellschaft von Liberty Global. 2011 wurde Kabel BW von Liberty Global übernommen und beide Unternehmen unter der Holding Unitymedia Kabel BW zusammengeführt. Seit der Einstellung der Marke Kabel BW 2015 verwendet das Unternehmen Unitymedia als Firma und Marke. Unitymedia hat 7,1 Millionen Kunden in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. 6,4 haben Kabelfernsehen, 3 Telefon und 3,2 Internet bei 12,9 Millionen per Kabel versorgbaren Haushalten.