Den wichtigsten Satz nach diesem beunruhigenden Wochenende sagt Peter Hauke aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz. Nein, erklärt er nach den schrecklichen Taten von München und Ansbach und unter dem Eindruck von Anschlägen in Nizza und Istanbul, man rate den Bürgern nicht grundsätzlich davon an, Großveranstaltungen zu besuchen. "Das Leben muss weitergehen, und wir sollten unsere Freiheit nicht opfern", erklärt Hauke. Konstanzer, die zu Rock am See, zum Seenachtfest oder zum Oktoberfest gehen wollten, sollten dies weiterhin tun, aber mit "erhöhter Aufmerksamkeit." Was jetzt am wenigsten helfe, sei "neue Ängste zu schüren."

Dennoch ist die Lage eine neue. "Nach jedem solchen Ereignis bewerten wir die Sicherheitslage erneut", sagt Peter Hauke. Dabei stimmten sich alle Polizeidienststellen eng mit dem Landeskriminalamt ab. Zugleich verstärken die Beamten die Gespräche mit den Veranstaltern: Unter anderem geht es dabei um die privaten Sicherheitsdienste, die zum Beispiel Taschenkontrollen vornehmen. Für das am Mittwoch beginnende Weinfest ist dazu noch keine Entscheidung getroffen, bestätigt Hans-Rudi Fischer, der Chef des Bürgeramts. Die Stadt gehe umgehend in Gespräche mit den Veranstaltern und vor allem der Polizei, denn diese müsse die Lage zunächst bewerten. Bei den Sommernächten, bei Rock am See und beim Seenachtfest gibt es laut Hauke bereits Taschenkontrollen.

Dass der Festbesucher-Zustrom an festen Eingängen kanalisiert wird und dort Security-Mitarbeiter jeden Rucksack untersuchen, kann die Stadt den Veranstaltern zur Auflage machen, so Fischer. Die Zusammenarbeit mit diesen Wachleuten sei in der Regel sehr gut, bestätigt Polizei-Sprecher Hauke. Aber auch die Landespolizei werde bei den anstehenden Großereignissen "verstärkt Präsenz zeigen." Bei der Einsatzplanung werde auch das Vorgehen der Täter bei den jüngsten Gewalttaten berücksichtigt. Das heißt: Das Szenario Einzeltäter gewinnt an Bedeutung.

So bewertet auch Hans-Rudi Fischer die Lage. Und auch er will nicht grundsätzlich davon abraten, Großveranstaltungen zu besuchen: "Wir tun das Erforderliche, um den Bürgern ihre Feste zu erhalten", sagt er. Und weiß: Solle er öffentlich vor deren Besuch warnen, käme das einer Absage vom Weinfest bis zum Weihnachtsmarkt gleich.

 

Die nächsten Großveranstaltungen in Konstanz

In Konstanz stehen 2016 noch viele Ereignisse mit hohem Publikumsaufkommen an:

 

  • Ab 27. Juli: Weinfest. Auf dem Stephansplatz dreht sich von Mittwoch bis Samstag alles um das Thema Wein. Besucherzahlen haben die Organisatoren der eigens für das Weinfest gegründeten Firma Konstanzer Weinfest GbR, Claudio Sama, Kristina Dudy und Stefan Müller, im Vorfeld nicht genannt, auch aus den vergangenen Jahren gibt es kaum zuverlässige Daten.
  • Ab 10. August: Sommernächte. Von Mittwoch bis zum Seenachtfest-Samstag spielen Bands im Stadtgarten, die das Zeug haben, jeweils tausende Besucher anzuziehen. Trotz immer strengerer Sicherheitsauflagen verzichtet Organisator Dieter Wäschle in diesem Jahr wieder auf ein Eintrittsgeld.
  • 13. August: Seenachtfest. Der Veranstalter, die Firma EFM von Jürgen Wünsche, hat bereits in den vergangenen Jahren ein immer ausgefeilteres Sicherheitskonzept ausgearbeitet, allerdings war dort das Thema eher eine Massenpanik und die Rettung von Verletzten. Die Besucherzahl wurde von der Stadt auf 50.000 begrenzt. Die Polizei richtet während des Fest-Samstags seit einigen Jahren eigens eine Videoüberwachung ein.
  • 20. August: Rock am See. Wenn Bands wie Muse, Libertines oder Bad Religion spielen, erwartet Veranstalter Koko Entertainment bis zu 22¦000 Besucher, so viele Menschen kann das Bodenseestadion aufnehmen. Am Eingang gibt es seit Jahren auch Taschenkontrollen, vor allem in Hinblick auf Glasflaschen und mitgebrachte Getränke.
  • Ab 16. September: Oktoberfest. Dieses Jahr feiert eines der besucherstärksten Feste im Jahreslauf 15-jähriges Bestehen. Bis zum 3. Oktober erwartet Festwirt Hans Fetscher auf Klein-Venedig wiederum bis zu 100¦000 Gäste.
  • Ab 24. November: Weihnachtsmarkt. Während der vier Wochen bis 22. Dezember könnten bis zu 400¦000 Gäste zwischen den Buden auf der Marktstätte und am See schlendern. Bereits 2015 waren die Sicherheitsmaßnahmen auch mit Blick auf Anschläge deutlich verschärft worden. (rau)