Mit Bestürzung und Trauer, aber auch mit dem Willen zu weiteren geschichlichen Forschungen haben das Stockacher Hohe Grobgünstige Narrengericht und die Konstanzer Narrengesellschaft Niederburg auf die Enthüllungen zur Biografie ihres früheren Mitglieds Willi Hermann (1907-1977) reagiert.

Angestoßen von der Redaktion unserer Zeitung, hatten die Recherchen des Konstanzer Stadtarchivars Jürgen Klöckler eine tiefe Verstrickung des späteren Komponisten bekannter Fasnachts-Schlager in das nationalsozialistische Regime nachgewiesen. In einem ersten Schritt sagte die Narrengesellschaft Niederburg die für 24. und 25. November geplanten Konzerte zum 111. Geburtstag des Komponisten Willi Hermann ab.

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Präsident Mario Böhler sagte, er sei froh, dass die Biografie des früheren Bühnenstars nun umfassend aufgearbeitet worden sei. Er kündigte an, dass die Narrengesellschaft nun vertieft ihre eigene Geschichte während er NS-Zeit, aber den den Umgang damit in den Jahrzehnten nach dem Krieg vertieft untersuchen werde.

Niederburg Präsident: "Dieser Teil ist nicht aufgearbeitet"

Er lade andere Konstanzer Narrenvereine ein, sich dem anzuschließen. Böhler hielt es für möglich, dass weitere ähnlich gelagerte Lebensgeschichten bekannt werden könnten. "Wir beschäftigen uns so viel mit Tradition, aber dieser Teil ist nicht aufgearbeitet", sagte Böhler. Er sei Jürgen Klöckler "wirklich dankbar", dass er sich mit dem Thema so umfassend auseinandergesetzt habe.

Auch beim Stockacher Narrengericht ist das Erschrecken groß. Narrenrichter Jürgen Koterzyna erklärte: "Wir sind uns alle einig, dass die Gräueltaten der Nationalsozialisten im In- und Ausland
abscheulich und verurteilenswert sind. Personen, die daran involviert waren, darf keinerlei
Ehrerbietung zustehen – auch nachträglich nicht."

Stockacher Narrenrichter: Wir werden unsere Geschichte genau untersuchen

Zugleich kündigte er weitere Recherchen an. Unter anderem ist offen, ob der schon im Jahr 1927 zum Laufnarr geschlagene und 1960 einstimmig ins Kollegium des Narrengerichts gewählte Hermann bereits parallel zu seiner Karriere in der NSDAP in der Stockacher Fasnacht aktiv war.