Ursula Bork fühlt sich belästigt. Kürzlich war sie am Hörnle, ein Ort, den sie sehr schätzt und an dem sie sich gerne erholt. Auf der Hörnle-Terrasse sei sie Stammgast, wie sie sagt. Zur Erholung trug der jüngste Besuch allerdings wenig bei. "Plötzlich steht so ein Gerät in der Luft und verharrt dort." Die Rede ist von einer Drohne, die sich Ursula Bork genähert hatte. Da ihr die Situation nicht behagte, sprach sie die Besitzer der Drohne, zwei junge Männer, an. Sie ließen die Drohne fliegen und ja, es sei auch möglich zu filmen, erklärten sie. Ursula Bork sei allerdings nicht gefilmt worden.

Das Thema lässt Ursula Bork auch im Nachhinein keine Ruhe. Ob sie wirklich nicht gefilmt wurde, das könne sie schwerlich erfahren. Sie informiert die Polizei und die Bädergesellschaft. Doch bei der Polizei kann man ihr nicht weiter helfen, das Hörnle sei öffentliches Gelände und dort eine Drohne zu nutzen, nicht verboten.

Das Thema tritt inzwischen häufiger in den Fokus der Öffentlichkeit. Peter Hauke, Sprecher beim Polizeipräsidium Konstanz, erläutert die Hintergründe: Zu privaten Zwecken dürfe jeder eine Drohne oder die Multicopter, wie die Geräte auch genannt werden, nutzen, sofern sie ein Gewicht bis fünf Kilo aufweise. Auch filmen und fotografieren dürfe man damit – nur veröffentlichen dürfe man die Bilder nicht, solang der Fotografierte nicht einverstanden ist. Nutze man einen Multicopter zu gewerblichen Zwecken oder wiege er mehr als fünf Kilo, muss dies beim Regierungspräsidium Freiburg (RP) genehmigt werden. Gegen das Gefühl, von einer sirrenden Drohne belästigt zu werden, kann ein Einzelner also wenig unternehmen.

Die Nutzung der Drohnen hat allerdings noch einen weiteren Aspekt, den der Sicherheit: Robert Leitner, beim Flugplatz Konstanz für die Flugsicherung zuständig, erläutert, dass die Multicopter nicht näher als 1,5 Kilometer an den Flugplatz heranfliegen dürfen, außerdem dürfen sie nicht höher als 100 Meter aufsteigen. Diese Regeln durchzusetzen, dürfte zunehmend zum Problem werden, ist er überzeugt. "Es gibt im Moment noch keine Lizenz, die für die Drohnennutzung verlangt wird, das ist aber schon im Gespräch." Wenn die Zahl der Drohnen weiter zunehme, seien Kollisionen in Flughafennähe vorprogrammiert. In einem Fall habe jemand seine Drohne in der Einflugschneise des Flughafens aufsteigen lassen. Die Polizei konnte den Mann ausfindig machen und habe ihn über das Verbot aufgeklärt.

Der Filmemacher Peter Schottmüller und sein Kameramann und Kollege Andreas Urra wissen um die Problematik. Treffpunkt Purren oberhalb von Litzelstetten: Bevor der kleine Quadrocopter aufsteigen soll, telefoniert Peter Schottmüller kurz mit der Polizei. "Wir informieren, dass wir hier aufsteigen, sollte irgendetwas sein, weiß die Polizei Bescheid." Dies gelte für das Gelände außerorts, innerorts müsse man das Ordnungsamt der Gemeinde informieren. Andreas Urra besitzt zudem eine Genehmigung des RP für seine Drohne, die er für die Filme nutzt. Ganz unkompliziert seien die Verfahren, die rund um die Drohne verlangt werden nicht: RP-Genehmigung, Aufstiegsgenehmigung, außerdem die Versicherung der Drohne. "Aber die Drohnenshots werten einen Film auf", erklärt Peter Schottmüller, "ich nutze in der Regel nicht mehr als zwei Drohnensequenzen in einem Film.

Andreas Urra und Filmemacher Peter Schottmüller lassen am Purren bei Litzelstetten die Drohne in die Luft steigen.
Andreas Urra und Filmemacher Peter Schottmüller lassen am Purren bei Litzelstetten die Drohne in die Luft steigen. | Bild: Hanser

Aber die braucht man." Inzwischen ist die Drohne ein paar Meter aufgestiegen und sirrt den Filmemachern um die Ohren. Das Geräusch finden auch die beiden unangenehm und haben somit Verständnis für Ursula Borks Beschwerde. Er versuche sich deshalb beim Filmen mit einer Drohne so unauffällig wie möglich zu verhalten, berichtet Schottmüller, es gehe schließlich um den Ruf einer ganzen Branche. Meist sei es völlig unnötig, Menschen bei den Aufnahmen nahe zu kommen. Gegen die vielen privaten Nutzer, die über das Thema Belästigung nicht nachdenken, könne man aber nichts tun. Eine Alternative zur Nutzung der Drohnen für Filme sehen die beiden nicht mehr: Im Vergleich zu einem Hubschrauberflug ist ein Multikopter deutlich günstiger. Zudem sieht er mehr: Zum Beispiel kommt er nah an Häuserfassaden heran und in enge Gassen hinein. Der Quadrocopter ist wieder gelandet, angenehme Stille am idyllischen Aussichtspunkt. Und Bilder von oben, die die Neugier befriedigen.

Erlaubt, verboten und Kurioses beim Drohnenbetrieb:

  • Der rechtliche Rahmen: Bis zu einem Gewicht von fünf Kilogramm gilt die Drohne als Spielzeug, ab fünf Kilo ist eine Genehmigung des RP erforderlich. Wer die Drohne zu gewerblichen Zwecken nutzt, braucht ebenso eine Genehmigung. Den Antrag muss der Nutzer schriftlich an die zuständige Landesbehörde stellen. Grundsätzlich gelten die allgemeinen Datenschutzvorschriften: Das heißt, man darf nicht in den Bereich der privaten Lebensgestaltung seiner Mitmenschen eindringen. Urheberrechte und Persönlichkeitsrechte sind zu wahren. Starts und Landungen bedürfen der Zustimmung des Grundstückseigentümers. Außerorts ist die Polizei zu informieren, innerörtlich das Ordnungsamt der Gemeinde.
  • Sicherheit: Der Betrieb der Drohne muss in Sichtweite des Steuerers stattfinden. Die maximale Flughöhe beträgt 100 Meter. Es ist verboten über Menschenansammlungen und Unglücksorten zu fliegen, wie Polizeisprecher Peter Hauke mitteilt. Der Betrieb einer Drohne muss 1,5 Kilometer Abstand zu Flugplätzen einhalten. In geringerer Entfernung bedarf es der Zustimmung der Luftaufsicht. Beim Betrieb eines Multikopters ist darauf zu achten, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Personen und öffentlichen Verkehrswegen gewahrt bleibt, wie ein Faltblatt des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur informiert.
  • Am Hörnle: Die Bädergesellschaft (BGK) denkt derzeit über mögliche Lösungen nach. Die Mitarbeiter beobachteten, ob und in welchem Rahmen Drohnen auftauchen, teilt Josef Siebler, Sprecher der Stadtwerke, mit. Zum anderen solle die Badeordnung angepasst werden, um das Fliegenlassen von Drohnen über dem Gelände zu verbieten. Sie muss dem Beirat der BGK zur Abstimmung vorgelegt werden.
  • Kosten: Für seine Drohne habe er etwa 3000 Euro bezahlt, berichtet Andreas Urra, inzwischen gebe es aber sehr günstige Modelle. Die Gebühr für die Genehmigung beim RP betrage etwa 250 Euro, ähnlich wie die Kosten für die Haftpflichtversicherung der Drohne.
  • Kollision: Spektakulär war die Kollision eines Airbus beim Landeanflug in London-Heathrow im April. Die Drohne habe die Vorderseite des Flugzeugs getroffen, das daraufhin dennoch sicher landen konnte, wie dpa berichtet.
  • Kuriosität: Auch bei den Möglichkeiten, gegen Drohnen, die Gefahr bringen, vorzugehen, ist man kreativ geworden. Bei der niederländischen Polizei gibt es ein Projekt, bei dem Falkner Seeadler trainieren, die Drohnen aus der Luft zu holen. Für die Seeadler entspricht die Drohne einer Beute: ein high-tech-Problem erfährt eine low-tech-Lösung. Die niederländische Polizei hatte zuvor andere Methoden getestet, um gegen den Missbrauch von Drohnen vorzugehen: Spezialdrohnen und Computerprogramme. Die niederländische Polizei berichtete von vielversprechenden Ergebnissen bei den Versuchen mit Seeadlern, wie aus Medienberichten hervorgeht.