Nach Bekanntwerden der Affäre um mögliche unerlaubte Zahlungen für Professoren an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) hat sich die Landespolitik eingeschaltet. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) will den Fall durch einen externen Gutachter überprüfen lassen. "In Konstanz gibt es Anzeichen dafür, dass wir in der jetzigen Konstellation die Verantwortung nicht allein dem Rektorat und dem Präsidium überlassen können", sagte Bauer im Landtag. Rektor Carsten Manz, gegen den eine anonyme Anzeige vorliegt, erklärte, dass die HTWG zur Bewertung ihrer neuen Besoldungsrichtlinie eine externe Sachverständige zurate ziehe. Gegenüber dem SÜDKURIER sagte er: "Natürlich nehmen wir die Empfehlung wahr. Ich erwarte von einem Ministerium, dass es auch unterstützend aktiv ist."

Eine von FDP und CDU geforderte Überprüfung der Zulagenpraxis an anderen Hochschulen lehnt Theresia Bauer ab. „Wir haben keine Veranlassung zu glauben, dass wir ein systemimmanentes Versagen haben“, sagte sie. Die Gewährung von Zulagen sei ausdrücklich vom Land in die Hände der Hochschulen gegeben worden. Der FDP-Abgeordnete Nico Weinmann kritisierte: „Die Wissenschaftsministerin kommt ihrer Verantwortung im Umgang mit Steuergeldern nicht nach.“

Die HTWG-Affäre beschäftigt außerdem den Untersuchungsausschuss im Landtag, der sich bislang nur mit der Ludwigsburger Affäre befasste. Der Untersuchungsausschuss werde die Regierung um Unterlagen aus Konstanz bitten, erklärte die Vorsitzende, Sabine Kurtz (CDU). Sie hält es jedoch "für nahezu ausgeschlossen, dass sich das Gremium damit beschäftigt", weil der Fall aktuell von der Regierung behandelt werde. Die Fraktion der Grünen fordert die Regierung unter Federführung der Konstanzer Abgeordneten Nese Erikli in einem Antrag auf, einen umfangreichen Fragenkatalog zu weiteren Hintergründen bei der Vergabe von Leistungsbezügen und anderen Zulagen an der HTWG zu beantworten.