Trotz des Sintflut-Regens am Samstagabend fanden etwa 200 Besucher den Weg in die Altkatholische Christuskirche St. Konrad mit ihrem Portal auf dem Münsterplatz. Schuhe und Kleidung mussten getrocknet werden, ein Schirm-Panorama zierte die schönen schmiedeeiserenen Gitter, die den Eingang vom Kirchenraum trennen. Die Wetter-Kapriolen waren aber rasch vergessen, denn das Streichorchester Concerto Konstanz unter seinem Dirigenten Wolfgang Mettler, der sichere Anweisungen gab, wartete im beeindruckenden Kirchenraum mit barocken Altären und Dekor mit spannendem Programm auf.

Zentrales Werk waren die „Konstanz Skyline Variations“ vom Londoner Komponisten Kevin Jones, die ihre Uraufführung erlebten. Im Programmheft war die Silhouette der Stadt aus Seesicht reproduziert, darunter der Notenverlauf des Themas, die „Skyline-Melodie“ abgebildet. Wie aus einem Nebel mit glitzernden Streicher-Tremoli erhebt sie sich und kennzeichnet im Verlauf besondere Stellen im Stadtbild: Bahnhofsturm mit raschen Sechzehntel-Noten, die das Zugtempo symbolisieren, oder die Kirchentürme mit Aufwärtsskalen, die sich bis zu markanten Spitzentönen aufschwingen. In den Variationen kehren Themen-Fragmente immer wieder, ziehen sich die Spitzentöne wie Leitfäden hindurch. In der Konzil-Variation streiten energische tiefe Streicher mit den Violinen wie die Päpste zu Konzils-Zeiten, die Imperia kennzeichnen angenehm wallende Melodik und kecke Glissandi. „The Scientist“ ist dem Wissenschaftler Otto Lehmann gewidmet. Der reine Pizzicato-Satz klingt wie spritzende Tropfen im Glas des geistigen Vaters der Flüssigkristallforschung.

Jan Hus erfährt eine breit wogende, schwermütige Elegie mit kurzen Ausflügen in die hohen Klangregionen, die belebend wirken. Ein kreativer Spaziergang entlang der Kunstgrenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen ist der Satz „Die Prozession“: Mit Musikzitaten aus den Stil-Epochen geht der Komponist auf die Tarot-Figuren des Künstlers Johannes Dörflinger ein und gibt den Trümpfen Zauberer, Päpstin, König oder Tod melodische Metaphern. Und endlich wiegen sich im letzten Satz Schwäne im Wellen-Cluster auf dem See.

Das 25-minütige musikalische Stadt-Porträt ist Programmmusik in ihrer besten Form und gut konsumierbar, weil Kevin Jones mit Dissonanzen, krassen Harmonie- oder Tempi-Wechseln sparsam umgeht. Und das Concerto Konstanz konnte mit akkurater Spielweise und schöner Gestaltung überzeugen. Der anwesende Komponist zeigte sich beglückt über die gelungene Aufführung.

Die Uraufführung rahmten zwei Werke mit Solorollen für Hörner: Das Konzert für zwei Hörner und Orchester Es-Dur von Antonio Rosetti spielten die Solisten Gábor Kun und Valentin Eschmann. Klassisch-beschwingt, kantabel-romantisch oder im schmissigen Jagdhorn-Gewand konnten sie mit virtuosem Spiel und guter Einbindung in den Orchesterklang, der durch wenige Holzbläser erweitert wurde, überzeugen. Auch Joseph Haydns Sinfonie mit dem Hornsignal (Nr. 31 D-Dur), mit vier Hörnern besetzt, war ein Ohrenschmaus, auch wenn nicht alle Solorollen von Hörnern, Oboen, Cello, Flöte, Violine und Kontrabass gleichmäßig tonsicher ausgeführt waren: Es zählt das große Ganze, und das war dazu angetan, das Konzert in allerbester Erinnerung zu behalten.

Orchester und Zugabe

Dass Concerto Konstanz nicht nur Klassik kann, bewiesen sie in der durch langen Applaus gewünschten Zugabe: Ein sinnlicher Tango erklang absolut stilsicher. Das Streichorchester besteht seit 1971 aus musikbegeisterten Amateuren. Mitbegründer und Leiter Wolfgang Mettler bemüht sich verstärkt um zeitgemäße Auftragskompositionen, wie zuletzt auch vom lettischen Komponisten Peteris Vasks. (vpa)