Das Konzert des Sinfonischen Chors Konstanz in ausverkaufter Gebhardskirche thematisierte datumsgenau November-Trauer: Nachdenken über menschliches Schicksal, über religiöse Sicht auf Sterben und Auferstehungshoffnung. Dirigent Wolfgang Mettler hatte auch den "weltlichen" Johannes Brahms mit hineingenommen, um zum Hauptwerk des Abends hinzuleiten, dem "Requiem" des französischen Komponisten Maurice Duruflé.

Zu Brahms: Im "Schicksalslied" eröffnete die Südwestdeutsche Philharmonie den gemessen verhaltenenen Instrumentalsatz und musizierte die folgenden Extreme antik-heiler Götterwelt versus menschliche Zielsuche und Unzulänglichkeit zusammen mit dem stimmschönen Chorklang großfarbig aus: Da waren melodischer Lied-Brahms und dramatischer Deutsches-Requiem-Brahms in drängendem Tempo, harten Akkordschlägen und drohender Chromatik mit zu Ruhe führendem Orchester-Epilog vereint. Dazu kam in der "Alt-Rhapsodie" der persönliche Brahms, der Goethes "Lyrisches Ich" des unglücklich verliebten Knaben auf sich selbst münzte: Regine Jurda schilderte des Knaben Seelenzustand treffend mit heller, in Höhen strahlender Altstimme: ergreifend gesungenes Psychogramm, hinterlegt und belebt vom Männerchor.

Mit Duruflés "Requiem" trat der Sinfonische Chor in die katholische Welt der lateinischen Messe ein und gab unter Wolfgang Mettlers ausdrucksstarkem, Affekte prägenden Dirigat alle innere Kraft, alle lyrische Sanglichkeit, alle hochdramatischen Exzesse des 42-Minuten-Werks zwischen Nachromantik und Modernität packend wieder. Da zeigten die Themen ("Requiem aeternam", "Agnus Dei" und andere) in hellen Sopranhöhen, melodischen Alt-Einsätzen und kraftvollen Männerstimmen, wie registerfähig der Chor gestaltet; da gelangen dem Chor-Tutti auch in aufreizenden Dissonanzen ("Libera me") leuchtende Klangfarben und wuchtige Fortissimi: Ein "Dies irae" von schauerlicher Wucht; da sagten die meist in Pianissimo schönsten Stimmausdrucks auslaufenden Sätze viel aus über die hineinkomponierte Zuversicht und Totenruhe nach durchaus theatralisch verlaufenen Szenen. Eine groß besetzte Philharmonie agierte im machtvollen Tutti und schönen Solopartien von Cello, Harfe, Oboe, Englischhorn oder Bläsersätzen mit Engagement mit. Vertonte Ewigkeit verströmte das Mezzosopransolo von Regine Jurda in "Pie Jesu" bis ins verstummende Pianissimo hinein.

Der lange Schlussapplaus mit mehreren Vorhängen galt einer starken Aufführung unter Wolfgang Mettler, die tonalen Ernst mit großem Können aller Beteiligten verbunden hatte. Glockengeläut, das nach schwebend verebbendem Schlussakkord dankbarer Andacht und persönlichem Gebet dienen mochte, konnte wegen hineingrätschenden Beifalls nicht zu Ende ausklingen.

Gedenken wir an dieser Stelle auch des vormaligen Dirigenten Erwin Mohr, der 1990 Duruflés "Requiem" mit dem damaligen "Konstanzer Oratorienchor" an gleicher Stelle aufführen wollte und kurz davor verstorben war.

Der Sinfonische Chor

Das große Vokalensemble hat heute etwa 100 aktive Sängerinnen und Sänger. Seine Wurzeln verfolgt der Chor bis zum Jahr 1834 zurück, als 37 Konstanzer Bürger das sogenannte Bürgermuseum gründeten. Daraus wurde im Laufe der Zeit der heutige Konzertchor, der seit 2004 Sinfonischer Chor Konstanz heißt. Werke, die in jüngerer Zeit aufgeführt wurden, sind beispielsweise "Elias" oder "Carmina Burana". (eph)

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