Die Muettersproch-Gsellschaft will Schule machen: Sie setzt sich für den Erhalt und die Förderung der alemannischen Mundart ein und will das Thema nun auch in die Schulen bringen. Etwas Rückenwind bei der Suche nach Mitstreitern im Engagement für die Mundart gab jüngst zudem der „Tag der Muttersprache“, den die UNESCO ins Leben gerufen hat. „Mundart ist nicht altmodisch“, erklärt Heidi Wieland von der Muettersproch-Gesellschaft. „Ich kann Sachen viel besser ausdrücken, weil es meine Muttersprache ist.“

Heidi Wieland, Leiterin der Konstanzer Muettersproch-Regionalgruppe „Seealemannen“, schildert, dass diese den Dialekt auch schon im Kindesalter fördern wolle. Damit erreiche man auch eine Stärkung der regionalen Identität. Das überregionale Projekt „Mundart in der Schule“ soll deswegen auch in Konstanz anlaufen. Das Konzept ist mit dem Partnerverein Schwäbische Mundart bereits vor einigen Jahren zusammen entwickelt worden. In Baden-Württemberg hat es seit Beginn des Projekts rund 500 Begegnungen zwischen Schriftstellern, die mit Mundart arbeiten, und Schülern gegeben. Die Autoren singen, spielen oder lesen mit den Kindern. Walter Möll, Leiter der Regionalgruppe Hegau, erzählt, dass das Projekt letztes Jahr in Singen und Stockach im Rahmen der Jugendbuch-Tage und in Kooperation mit der Stadtbücherei stattgefunden habe. Es seien dabei sechs Doppelstunden realisiert worden, die alle sehr gut angekommen seien. Eine Klasse sei so begeistert gewesen, dass sie lieber eine Zugabe des Künstlers habe hören wollen als in ihre große Pause zu gehen, erzählt er. Um mehr Schulen anzusprechen, wird es im November eine einwöchige Kooperation mit der Stadtbücherei geben.

Wieland erklärt, dass die meisten Kinder zuhause kaum Dialekt sprächen: „Leider hat das hier nicht so einen Stellenwert wie zum Beispiel in Bayern.“ Dabei hätten Kinder, die zweisprachig mit Dialekt und Hochdeutsch aufwachsen, den Vorteil, dass sie andere Sprachen viel schneller lernen würden. Das sei bei Untersuchungen festgestellt worden. Mit der Rechtschreibung sieht Heidi Wieland kein Problem. „Das Alemannische ist ja keine Schreibsprache“, erläutert sie. Rosemarie Banholzer, Konstanzer Mundart-Dichterin, sieht das auch so: „Die Kinder können sehr schnell zwei Sprachen lernen. Es ist nur eine Ausrede, wenn man behauptet, dass durch den Dialekt die Rechtschreibung leidet“, erklärt sie. Auch sie hat früher, außerhalb des Projektes, Schulen besucht, den Kindern den Dialekt erklärt und selber lesen lassen. Die Kinder hätten immer gerne mitgemacht und seien sehr aufmerksam gewesen, erinnert sie sich. „Die Sprache lebt und verändert sich“, erklärt sie, „aber Mundart wird nicht aussterben.“ Auch für junge Leute, die zuhause keinen Dialekt sprechen würden, sei die Mundart durch die Fasnacht nicht fremd.

Heidi Wieland schildert, dass das Alemannische der am meisten erforschte Dialekt ist. Das liege unter anderem daran, dass der Dialekt von hier bis hoch ins badische Land und nach Voralberg verbreitet sei. Die Universität Konstanz leiste auch ihren Beitrag dazu, denn die alemannische Syntax ist Teil der Forschung des Bereichs Sprachwissenschaft. „Das Alemannische ist ja nicht nur die Sprache, da steckt ja eine ganze Kultur dahinter. Und wir möchten eben auch die Kultur bewahren“, so Wieland. Zu dieser Kultur gehöre nicht nur der Dialekt, sondern auch Fasnacht, das Essen und viele Bräuche. Und: „Wenn die Sprache stirbt, stirbt auch die Kultur.“

Informationen im Internet:

www.mundart-in-der-schule.de


Der Verein

Die Muettersproch-Gsellschaft ist in 20 Regionalgruppen unterteilt. Davon ist eine in Konstanz: die Seealemannen. Stammtisch ist jeden zweiten Dienstag im Monat. Der Verein entwickelte das Projekt „Mundart in der Schule“ und die CD „Horch emol“ mit Mundart-Geschichten und Liedern, die an Kitas und Schulen verteilt wird. Außerdem brachte der Verein ein Liederbuch und ein alemannisches Wörterbuch heraus. Einen Aufkleber gibt es auch: „Bi uns cha me au Alemannisch schwätze.“