Konstanz Münster-Orgelkonzert endet mit Hommage an Konstanz

Der Organist Tobias Willi greift bei seinem Konzert Themen mit lokalem Betzug auf und demonstriert mit seiner Registrierung die Qualität der Münsterorgel.

Das sechste und letzte sommerliche Münster-Orgelkonzert brachte drei Themen: "Musik der Glocken", "Komm Schöpfer Geist" und "Musik am Konstanzer Münster". Tobias Willi aus Zürich bettete diese Vorgaben sehr geschickt in Werke aus Renaissance und Moderne. Dabei ließ er sich außer als gewandter Tastenvirtuose als experimentierender Klanggestalter hören, der die Register fantastisch kombinierte: Grundtönig-streng klang alte Musik; wuchtige, tonale und atonale Tutti-Klangmassen füllten aufblühend und verebbend den Raum; und fast elektronische Synthesizer-Anklänge ließen aufhorchen: Das alles kann auch die immerhin schon über 60 Jahre alte Münsterorgel!

Glocken-Fantasien haben ihren besonderen Orgelreiz: William Bird (um 1600) lässt in "Bells" zwei durchgehend tönende, tiefe Glocken (C und D) von figuralen Stimmen umschweben; in modernen Clustern, Wellen und Tupfern lässt Grégoire Rolland (2014) seine Glocken leuchten; Maurice Duruflé schließlich (1902-1986) fugiert in spätromantischem, üppigem, rasantem Stil das Stunden-Glockenspiel der Kathedrale von Soissons. Von ihm spielte Willi auch die dreisätzige, mit 18 Minuten Dauer ungewöhnlich breit angelegte Orgelfantasie "Prélude, Adagio et Chorale": Mystische Atmosphäre, die sich in Wellenlaufwerk durchführungsartig zum strahlendem Fortissimo-"Veni creator spiritus"-Choral aufbaut, vom Organisten herausragend gestaltet.

Als der Konstanzer Komponist und Münsterorganist Hans Bucher (1483-1538) den damals schon 500 Jahre alten Hymnus "Veni creator spiritus" 200 Jahre vor Bach auskomponierte, standen ihm schon dessen Variierungstechniken zur Verfügung: Er arbeitete die Choralmelodie in allen Lagen ab, umgab sie spielerisch und durchaus heiter polyphon: Ein Werk, auf das die Konstanzer Münstermusik-Geschichte stolz sein kann!

Abschließend improvisierte Tobias Willi über die "Hymne" des Konstanzer Münster-Konradifestes "Wir grüßen dich, o Schutzpatron". Das Lied, zu inbrünstigem Volksgesang geeignet, von Erzbischof Conrad Gröber gedichtet, von Franz Philipp komponiert – alles aus badischer Hand! – ging Willi überraschend an: Sofort wandelte er das Dur-Motiv in Moll- und freitonale Tonfolgen ab, gab tänzerisch-ballettartigen Intermedien Raum, stieg in dunkle Klänge hinab, schien auf die Duruflé-Werke zurückzublicken, hatte den siebenstrophigen Text von Heilandsleiden und Erbarmensbitte im Blick und ließ den mehrfachen Refrain-Ausruf "Sankt Konrad, bitt für uns!" großartig triumphieren: Prachtvoller Abschluss des spannungsvollen, gut besuchten Konzerts.

Die Reihe

Mit dem Auftritt von Tobias Willi sind die diesjährigen Orgelkonzerte im Münster zu Ende gegangen. Erneut waren bekannte Musiker gekommen. Auftakt war am 28. Juli mit einer Bachnacht und Organist Jonathan Ryan aus New York sowie dem Vokalensemble ensemble cantissimo, es folgten die Grande-Dame der internationalen Orgelmusikszene, Jane Parker-Smith aus London, Berry van Berkum (Utrecht), Liudmila Matsyura (Madrid), der Saarbrücker Organist und Echo-Preisträger Christian Schmitt sowie Tobias Willi.

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