Konstanz Monatelange Bauarbeiten: So wichtig ist ein kleines Bauteil für die Alte Rheinbrücke

Der Austausch einer Übergangsschiene an der Alten Rheinbrücke hat monatelange Arbeiten zur Folge. Ein beträchtlicher Teil der Arbeiten erfolgt in Handarbeit. Ende November soll die Brücke wieder normal befahrbar sein.

Rumms, rumms und nochmal: rumms. Wer auf der Baustelle der Alten Rheinbrücke steht, kann am eigenen Körper die Kräfte spüren, denen das Bauwerk Tag für Tag ausgesetzt ist. Drei deutliche Schläge künden davon, dass gerade ein Roter Arnold mit Anhänger über die Brücke gefahren ist. Genauer: Er passierte den Übergang zwischen Festland und Bauwerk. Exakt hier sitzt momentan auch das Problem, das eine Spezialfirma aus Memmingen seit Ende Juli behebt.

Dirk Meyer, der beim städtischen Tiefbauamt für den Bauwerksunterhalt zuständig ist, erklärt: "Die Übergangsschiene befindet sich am Ende der Brücke und federt Kräfte ab. Durch Frosteinwirkung Ende Januar dieses Jahres wurde sie gelockert, und auf der östlichen Fahrbahn kam es zu einem Loch im Asphalt." Die Busbetriebe meldeten dies, und sofort machte sich Dirk Meyer auf den Weg, um die Alte Rheinbrücke in Augenschein zu nehmen. Da sich die Schiene über die gesamte Fahrbahnbreite zieht und aus einem einzigen Teil besteht, muss sie komplett ausgetauscht werden.

Kleiner Schaden, großer Aufwand: Dirk Meyer und Michele Lagrutta (von links) vom städtischen Tiefbauamt halten die Pläne für die Sanierung der Alten Rheinbrücke in der Hand. Bild: Kirsten Schlüter
Kleiner Schaden, großer Aufwand: Dirk Meyer und Michele Lagrutta (von links) vom städtischen Tiefbauamt halten die Pläne für die Sanierung der Alten Rheinbrücke in der Hand. Bild: Kirsten Schlüter

"Sie ist wie eine Türschwelle", erklärt der Experte. Auch im Haus gibt es Übergangsschienen, zum Beispiel, um verschiedene Bodenbeläge miteinander zu verbinden oder zur Überbrückung von Dehnungsfugen. "Die Schiene auf der Brücke ist großen Belastungen ausgesetzt", sagt Dirk Meyer und zeigt auf die offengelegte Konstruktion. Tatsächlich: Als der nächste Stadtbus anrollt, sind nicht nur die Schläge zu spüren, sondern einzelne Stahlstäbe vibrieren sichtbar. "Ein Bus oder ein Lastwagen verursacht die 1000-fache Belastung eines Pkw", erklärt Michele Lagrutta, stellvertretender Tiefbauamtsleiter.

Um dieses unscheinbare Teil geht es: Aus dem Beton ragt die Übergangsschiene hervor, die das Festland mit der Brücke verbindet. Sie muss in mehreren Arbeitsschritten auf der ganzen Breite der Brücke ersetzt werden. Bilder: Kirsten Schlüter
Um dieses unscheinbare Teil geht es: Aus dem Beton ragt die Übergangsschiene hervor, die das Festland mit der Brücke verbindet. Sie muss in mehreren Arbeitsschritten auf der ganzen Breite der Brücke ersetzt werden. Bilder: Kirsten Schlüter
Das war auch der Grund für die vorübergehende Temporeduzierung auf zehn Stundenkilometer an dieser Stelle, bevor die Baustelle eingerichtet wurde. "Wir wollten die Übergangsschiene und die provisorische Ausbesserung der Fahrbahn schonen", erklärt Lagrutta. Eine echte Gefahr für die Statik der Alten Rheinbrücke habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. "Es hätte höchstens für Motorradfahrer unbequem werden können, wenn sie zu schnell über eine gelockerte Übergangsschiene fahren", ergänzt er.

Der Beton muss 28 Tage lang aushärten

Die Baustelle soll Ende November abgeschlossen sein. "Sofern im Lauf der Arbeiten keine weitere Überraschung auftaucht, das weiß man bei Brücken nie", schränkt Lagrutta ein. Warum aber dauert es mehrere Monate, ein unscheinbares Teil auszutauschen? Dirk Meyer erklärt: „Zunächst muss das zu reparierende Teil freigelegt werden, anschließend werden die offen liegenden Brückenteile aus Stahl mit Korrosionsschutz behandelt. Als nächstes erhält die Konstruktion eine Verstärkung, indem der Stahl in die richtige Position gebogen wird, was Bewehrung genannt wird. Wenn die Übergangsschiene eingefädelt ist, wird eine Verschalung gebaut, damit der Beton gegossen werden kann. Der muss dann noch 28 Tage lang aushärten.“

Michele Lagrutta ergänzt: "Wir haben hier außerdem wenig Platz und es sind bis auf einen Hochdruckreiniger keine schweren Geräte wie ein Kran oder Maschinen im Einsatz, das meiste ist Handarbeit. Das dauert einfach seine Zeit." Die Stadt bemühe sich, die Behinderungen so gering wie möglich zu halten. Sie wollte die Alte Rheinbrücke auch nicht komplett sperren, um den Verkehr über die Schänzlebrücke zu leiten. In sechs bis acht Wochen ist die östliche Fahrbahnseite fertig, dann beginnt dasselbe Spiel auf der Westseite, Richtung Rheintorturm.

Übrigens hat die Alte Rheinbrücke bislang tapfer durchgehalten: Sie wurde bereits 1938 umgebaut; im Kern ist sie der Nachfolger der Brücke von 1861. Im Jahr 1957 erhielt sie zur Leistungssteigerung weitere Fahrspuren. "Seitdem wurde die Übergangsschiene nie saniert", sagt Dirk Meyer. Ein paar Zipperlein habe die Brücke hier und da, doch Anlass zu größeren Sorgen gab sie nie. "Man muss sie halt gut pflegen", sagt Meyer. "Sie ist eine alte Dame."
 

Prüfungsrituale bei Brücken

Nach der Norm DIN 1076 müssen Brücken regelmäßig auf ihre Funktionalität überprüft werden. Alle drei Monate findet eine Beschauung statt, ein Experte achtet auf offensichtliche Unregelmäßigkeiten. Einmal im Jahr muss eine Brücke begangen werden, da wird etwas genauer hingeschaut. Alle sechs Jahre ist eine Hauptuntersuchung mit detaillierter Dokumentation. Die aktuelle Sanierung der Alten Rheinbrücke kostet laut dem stellvertretenden Tiefbauamtsleiter Michele Lagrutta rund 370 000 Euro für Planung und Bau. Sie liege im Zeit- und Kostenplan.

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