Konstanz Mitreißende Reise durch Klassik und Filmmusik: Wind Symphonica begeistert beim Winterkonzert

Beim Winterkonzert zieht Wind Symphonica im Audimax der Uni Konstanz alle Register und begeistert das Publikum.

Wind Symphonica, der griffigere Name für das Symphonische Hochschulblasorchester Konstanz, hatte Winterkonzert im Audimax der Uni, und es kam wirklich ein Auditorium maximum: Der Saal war bis in den Olymp hinauf fast ausgebucht. Das will schon was heißen; es muss an der Qualität und Beliebtheit des 55-köpfigen Blasorchesters liegen, das Ralph Brodmann vor einigen Jahren gegründet und zu dieser Stärke geführt hat. Seine Dirigiergestik hat noch zugelegt, was dem blassinfonischen und Filmmusikabend Wucht und Ausdruck gab. Klassisches zuerst: Felix Mendelssohns "Harmoniemusik" mit Melodischem, Marschmäßigem und gewichtigem Finale ließ gleich die üppige Besetzung und Ausgeglichenheit des Großorchesters hören und erleben, bevor die musikalische Filmszene die Mitte des Konzerts beherrschte. Personelle Überraschung: Die Klarinettistin Julia Albicker durfte am Dirigierpult "Rejoice" des japanischen Komponisten Naoya Wada übernehmen und das rhythmisch bewegte, traditionell melodische, themenreiche Stück zu Klang und Volumen führen.

Aus dem dramatischen Glanzstück der Filmtrilogie "Der Herr der Ringe" von Johan de Meij ergossen sich der "Gandalf"- und "Hobbits"-Satz mit aller Macht des Orchesters: Das klang in grellen Farben, dröhnte in dunkler Perkus-sionswucht, wechselte in professioneller Präzision Tempi und Rhythmen, zeichnete samtweiche Holzbläsermomente, endete wild und pompös.

Wen elektrisiert nicht das Fanfarenmotiv des Westerns "Die Glorreichen Sieben", dem zu Herzen gehende Flöten- und Oboenmelodien folgen? Kurzes Ruhesentiment in Ennio Morricones "Cinema Paradiso" mit der lyrischen Erzählung einer sizilianischen Liebesgeschichte. Es war wie ein Atemholen vor dem Medley aus Andrew Lloyd Webbers "Phantom der Oper": Die gruselige Geschichte mit den genialen Melodien und Balladen von Liebe, Eifersucht und Tod in den Katakomben der Pariser Oper ist Musikgeschichte: "Angel of Music", "Musik der Nacht", "Think of me", die niedersausenden Akkorde des Phantom-Motivs (in der hier gespielten Version taucht es erst im Finale auf): Wind Symphonica holte alle Dramatik in flirrenden Solo- und Tuttiklängen heraus. Finaler Morricone: Western-Melodienfolge mit hymnischer Pracht, zackigem Marsch, verwegenem Ritt.

Und immer fehlt bei Filmmusik-Adaptionen eigentlich nur eins: Der Film. Eben das ist die Kunst, Filmmusik so zu spielen, dass Filmsequenzen vor dem virtuellen Auge des Zuhöres ablaufen können – Wind Symphonica hat das, in der blasmusikalischen Leistungsoberklasse zuhause, prächtig spielend fertig gebracht.

Um den Abend klassisch enden zu lassen, ging's mit der Zugabe weit zurück zum ungarischen Brahms-Tanz. In aufgekratzter Erinnerung aber blieb die grandiose Filmmusik.

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