Mohammad Al-Sammarraie weiß, wie es ist, als Ingenieur auf einer Baustelle zu arbeiten. Im Irak, so sagt der 33-Jährige, habe er dies vier Jahre lang getan, unter anderem bei der Erweiterung einer Universität. Der Krieg habe ihn schließlich aus seiner Heimat getrieben. Seit fünf Jahren bemühe er sich, in Deutschland Fuß zu fassen. Der Verein Save me und ehrenamtliche Helfer unterstützen ihn, die Sprache gut zu lernen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Save me stellt Flüchtlingen Sprach- und Alltagsbegleiter zur Seite, damit sie gemeinsam auf Deutsch sprechen und den gelernten neuen Stoff praktisch anwenden können. Save me hat eigene Basis- und Vertiefungskurse und unterstützt Flüchtlinge, weiterführende Sprachkurse zu finanzieren. Denn vielfach fehlten denen, die in den Beruf erst noch einsteigen wollen, die Mittel dafür, sagt Zahide Sarikas vom Helferteam. Für diese Arbeit benötigt Save me Spenden.

Al-Sammarraie hofft, eine Arbeit zu finden

Mohammad Al-Sammarraie hat kürzlich die Prüfungen fürs Sprachniveau B2 bestanden. Demnach kann er jetzt komplexe, abstrakte Texte verstehen und sich spontan fließend verständigen. Mit dieser Basis hatte er zuletzt ein erstes Vorstellungsgespräch im Bereich Kanal- und Tiefbau. Einen Kurs, in dem der Flüchtling hätte Spezialbegriffe aus diesem Fach auf Deutsch lernen können, gebe es im näheren Umkreis nicht, sagt Zahide Sarikas. Sie hofft, dass der 33-Jährige dennoch die Möglichkeit zum Berufseinstieg bekommt. „Man kann nicht das gleiche Sprachniveau erwarten wie bei einem hier Geborenen.“ Wenn der gelernte Ingenieur erstmals in Arbeit sei, werde er sich sicher schnell den Wortschatz seiner Branche aneignen. Sarikas will sich dafür stark machen, dass kommunale Betriebe die Hürden für den Einstieg nicht zu hoch legen. „Ich hoffe auf ein Entgegenkommen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mohammad Al-Sammarraie streicht heraus, er habe bei den ehrenamtlichen Helfern gut lernen können. Diese seien immer ganz langsam vorgegangen und hätten auf das individuelle Können Rücksicht genommen. Im Blockunterricht dagegen würden sie mit einer Fülle von Vokabeln konfrontiert. Das erlebt auch Chimangol Salimi so. Sie habe noch nicht die Worte der ersten Lektion gelernt, da komme schon die zweite Lektion mit neuen Worten und neuer Grammatik hinzu. Chimangol Salimi kommt aus dem Iran. Ihr politisch aktiver Mann war vor vier Jahren nach Deutschland geflohen, danach zogen die Frau und die beiden Kinder nach. Vor allem für die 19 Jahre alte Tochter sei der Sprung nach Deutschland eine enorme Herausforderung, sagt die frühere Dozentin für Soziologie. Diese hat feste Ziele vor Augen: weiter am Deutschen feilen, Arbeit finden, die Kinder in gute Ausbildung bringen. Bisher spreche sie stundenweise in der Woche mit einer Patin von Save me Deutsch. Sie hoffe, bald auch im Alltag Deutsch anwenden zu können, bei einer Beschäftigung etwa in einem Geschäft. „Wenn man mit Menschen in Kontakt kommt, dann lernt man auch.“ Langfristig hofft sie auf eine Lehrtätigkeit.

„Wenn man in Kontakt kommt, lernt man auch die Sprache“

Auch Zahide Sarikas bedauert, dass oft Alltagsgelegenheiten zum Deutschsprechen fehlen, weil ein Teil der anerkannten Flüchtlinge in Häuser ziehen muss, wo Eingewanderte unter sich sind. Die Stadt Konstanz musste diese sogenannten Anschlussunterkünfte errichten, weil auf dem freien Markt keine Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge zu finden waren. Vorgaben des Landes zwangen die Kommunen eine Zeitlang, Häuser zu schaffen, die nicht für die gemeinschaftliche Belegung durch Einheimische und Flüchtlinge vorgesehen waren.

Alle Folgen der Serie „Wir helfen mit“ finden Sie gesammelt auf dieser Seite.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €