Die überhängenden Felswände zwischen den Gletschern, dem Nordpol viel näher als der Heimat. Die aufgerissenen Hände eines Kletterprofis an den Abstürzen der unzugänglichen Tafelberge mitten im Dschungel Südamerikas. Die verwitterten Gesichter der Männer, die in den Steppen zum Leben kaum mehr haben als eine Blechhütte. Ob an den Felsen von Baffin Island im Norden Kanadas, ob an der Kante des Roraima Tepui in Venezuela oder inmitten der Gauchos in Patagonien an der Spitze Südamerikas: Wer die Bilder gesehen hat, die Klaus Fengler von diesen Orten mitgebracht hat, vergisst die fast elementaren Eindrücke nicht mehr.

In Guyana, Waruma River, am Wandfuß des Mount Roraima, 2723 Meter hoch: Klettern einer neuen Seillänge.
In Guyana, Waruma River, am Wandfuß des Mount Roraima, 2723 Meter hoch: Klettern einer neuen Seillänge. | Bild: Klaus Fengler

Ausgezogen, um Geschichten zurückzubringen

Klaus Fengler ist einer, der ausgezogen ist, um Geschichten zurückzubringen. Ein Reporter im Wortsinn, und sein Werkzeug ist nicht das Notizbuch, sondern die Kamera. Die menschliche Dimension ist ihm stets wichtig, sagt er wenige Tage vor einem Ereignis, auf das er sich besonders freut. Die pure, kalte Schönheit der bizarren Felsspitzen Patagoniens kontrastiert mit den kleinen und im Bild doch unübersehbaren und markant positionierten Bergsteigern. Das ist auf einem der rund 40 Bilder zu sehen, die Fengler bis 20. MaiSamstag der Konstanzer Öffentlichkeit vorstellt.

Fotokünstler Klaus Fengler, der lange in Langenrain lebte.
Fotokünstler Klaus Fengler, der lange in Langenrain lebte. | Bild: Robert Jasper

Erste Arbeiten in der Siemens-Kantine

Die erste große Einzelausstellung seiner Arbeiten in Konstanz ist auch für einen Fotografen etwas Besonderes, dessen Bilder schon dutzende Male in großen Strecken von renommierten Magazinen wie „Stern“ oder „Geo“ veröffentlicht wurden – zumal, wenn seine allerersten Bilder ebenfalls in Konstanz gezeigt wurden. In der damaligen Siemens-Kantine in der Bücklestraße waren vor 15 Jahren schon erste Kletterfotos zu sehen, und bereits damals fiel an ihnen der ganz besondere Bildaufbau auf. Fengler, inzwischen 56, ist vor einigen Jahren aus Konstanz weggezogen. Aber zu der Stadt, von der aus er seine zweite Karriere startete, hat er bis heute eine besondere Beziehung.

Ein Bild mit Gauchos in Patagonien, Argentinien, als Klaus Fengler von Gobernador Gregores nach El Chalten geritten ist.
Ein Bild mit Gauchos in Patagonien, Argentinien, als Klaus Fengler von Gobernador Gregores nach El Chalten geritten ist. | Bild: Klaus Fengler

Dass Fenglers erste Arbeiten in der Siemens-Kantine zu sehen waren, ist kein Zufall. Dort arbeitete der studierte Maschinenbauer über viele Jahre. Das Bergsteigen war für ihn, der in Niedersachsen aufgewachsen ist, zunächst ein Hobby. So, erzählt Klaus Fengler, gewann er mit der Zeit Kontakt zu den Großen der Kletterszene. Stefan Glowacz und der unvergessene Kurt Albert wurden seine Weggefährten, und sie ließen sich gerne von Klaus Fengler fotografieren. Weil seine Fotos seinen Respekt für und seine Kenntnis über die alpinistische Leistung der Fotografierten zeigen.

Das Wichtigste, sagt Fengler, sind Respekt und Offenheit

Respekt und Offenheit, sagt Klaus Fengler auch nach seiner 17. Expedition, sind das wichtigste, was man mitnehmen muss. Ob es in die minus 45 Grad kalten Wälder jenseits des Urals geht, zu den Inuit in Grönland oder ins heimische Alpsteingebirge in Konstanzer Sichtweite. Die besondere Kraft, die seine Bilder dadurch bekommen, hebt er inzwischen durch den gänzlichen Verzicht auf Farbe noch weiter hervor.

Aufgenommen in Kanada, Baffin Islands, Pont Inlet: Der fünfjährige Inuitjunge kommt mit seinem Vater von der Jagd zurück und hat eine junge Robbe erlegt.
Aufgenommen in Kanada, Baffin Islands, Pont Inlet: Der fünfjährige Inuitjunge kommt mit seinem Vater von der Jagd zurück und hat eine junge Robbe erlegt. | Bild: Klaus Fengler

40 Bilder aus zwei Jahrzehnten stellt Klaus Fengler derzeit dem Konstanzer Publikum vor. Auch wenn er inzwischen im oberbayerischen Bischofswiesen lebt, ist ihm diese Ausstellung besonders wichtig. Mit dem Fotohändler Markus Wintersig verbindet ihn eine lange Freundschaft, und dass Wintersig nun seit einem knappen Jahr mit der Leica Galerie in der Niederburg einen Ort für die Kunst der Fotografie bereitstellt, empfindet Fengler als Glücksfall.