Die deutsche SBB GmbH, die den Seehas-Zugverkehr zwischen Konstanz und Engen betreibt, sieht das Potenzial der Verbindung noch nicht ausgeschöpft. Nach Ansicht von Geschäftsführer Patrick Altenburger sprechen mehrere Faktoren dafür, dass die Fahrgastzahlen auf der S-Bahn-ähnlichen Verbindung weiter steigen können. Dabei werde der Seehas auch von Verbesserungen im Umfeld profitieren. „Aus der Schweiz kommen immer mehr Züge nach Konstanz rein“, so Altenburger. Auf der anderen Seite erwartet er positive Rückwirkung von Verbesserungen auf der Gäubahn Singen-Stuttgart: „Da kann der Seehas im Anschlussverkehr punkten.“ Auch Wirtschaftsprojekte wie das in Singen geplante große Einkaufszentrum seien geeignet, die Seehas-Verbindung noch aufzuwerten.

Pro Tag befördert der Seehas rund 15 000 Fahrgäste, darunter ist eine hohe Anzahl von Berufspendlern. Im Jahr 2017 erreichten die Züge nach Unternehmensangaben eine Pünktlichkeitsquote von 97 Prozent. Dabei gilt ein Zug als pünktlich, wenn die Verspätung weniger als vier Minuten beträgt. Zum Vergleich: Für Verbindungen im Nahverkehr der Deutschen Bahn wird eine Pünktlichkeitsquote von 94,4 Prozent angegeben. Die Toleranzschwelle liegt mit unter sechs Minuten allerdings höher als bei der SBB GmbH. Im Jahr 2018 geht die Seehas-Betriebsgesellschaft ein millionenschweres Sanierungsprojekt an. Die neun Züge, die im Einsatz sind, sollen mit einem großen Service für weitere zehn Betriebsjahre fit gemacht werden. Die Arbeiten werden im Unterhaltswerk der Schweizer Bahnen in Oberwinterthur ausgeführt.

Mit der Erneuerung des 15 Jahre alten Fahrzeugbestands geht die deutsche SBB GmbH in gewisser Weise in Vorleistung. Denn für den Betrieb des Seehas besteht zwischen der SBB GmbH und dem Land Baden-Württemberg ein unbefristeter, aber zum Ende 2020 kündbarer Vertrag. Das Land ist Aufgabenträger und Besteller des Zugverkehrs auf der Seehas-Strecke. Und die Seehas-Betriebsgesellschaft will gerne im Geschäft bleiben. Das Verkehrsministerium führt derzeit Gespräche mit der SBB, um zu klären, „ob eine Fortführung der Vertragsbeziehung über 2020 hinaus möglich ist“, wie das Ministerium auf Anfrage dieser Zeitung erläuterte. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte indes auch, dass man als Auftraggeber parallel zu diesen Gesprächen eine Neuausschreibung des Seehas-Betriebs für den Zeitraum von Dezember 2020 bis zur Elektrifizierung der Hochrheinbahn (anvisiert ist das Jahr 2026) vorbereite. Die Entscheidung über Vertragsverlängerung oder Neuausschreibung werde das Verkehrsministerium Ende 2018 treffen.

Der Landkreis Konstanz dürfte wohl gehört werden in der Angelegenheit, immerhin subventioniert er das Verkehrsangebot mit etwas mehr als einer halben Million Euro pro Jahr. Und in der regionalen Politik ist man des Lobes voll über das derzeitige Leistungsangebot. Der Kreis sei gut beraten, sich die bisher sehr verlässliche und qualitativ gute Bedienung der Strecke durch die SBB über 2020 hinaus zu sichern, stellt Helmut Kennerknecht fest. Der Bahnexperte der CDU-Kreistagsfraktion lobt: „Wir genießen hier Schweizer Bahnstandards.“ Der FDP-Fraktionsvorsitzende (und Bahnexperte seiner Partei) Georg Geiger sieht das auch so. Er warnt vor einem Verlust an Qualität und Pünktlichkeit. Eine Lanze für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der deutschen SBB GmbH bricht auch Ralf Bendl. Der Leiter des Amts für Nahverkehr und Straßen beim Landkreis Konstanz stellt fest: „Sowohl die Schwarzwaldbahn als auch der Seehas werden von Verkehrsunternehmen betrieben, die durch überzeugende Qualität und Zuverlässigkeit in der Region punkten. Aus der Sicht des Landkreises kann das auch so bleiben.“

Nachwirkungen

Im Landkreis Konstanz war 2016 im Schienenverkehr das Jahr des Gleis- und Weichenbaus. Dabei hatten die Sanierungsaktivitäten Einfluss auf das Fahrgastaufkommen. Wie der Verkehrsverbund Hegau-Bodensee (VHB) informierte, sank die Zahl der Fahrgäste im ÖPNV um 0,3 Prozent (auf 18,77 Millionen), während bundesweit ein Wachstum von 1,7 Prozent zu verzeichnen war. Für 2017 liegen noch keine Zahlen vor. Der VHB rechnet aber mit einem Anstieg der Fahrgastzahlen. Kurios: Der Seehas verzeichnete 2016 einen Fahrgastzuwachs um acht Prozent, weil er in den Phasen der Streckensperrung die nicht verkehrende Schwarzwaldbahn ersetzte.