Marion Mallmann-Biehler ist überzeugt: Unsere Gesellschaft profitiert davon, wenn es gelingt, möglichst viele Flüchtlinge erfolgreich zu inte­grieren. „Mir ist kein Deutscher bekannt, der irgendeinen Nachteil durch Flüchtlinge hätte.“ Deshalb überlässt sie den Ruhestand anderen und ist im Vollzeit-Job ehrenamtlich als Vorsitzende der Flüchtlingshilfsorganisation Save me tätig.

Zuvor leitete sie das Bibliotheksservice-Zentrum in Konstanz. Der Arbeitsschwerpunkt der promovierten Germanistin und Politologin lag dort auf dem Internetservice für Bibliotheken, Archive und Museen.

Flüchtlingskrise in Konstanz

Im Herbst 2015 erreicht die Flüchtlingskrise auch Konstanz. In diesen turbulenten Zeiten, als der Landkreis Flüchtlinge in Turnhallen unterbringt, ist man bei Save me der Ansicht, dass nicht alle zur Verfügung stehenden Räume konsequent genutzt werden. Mittlerweile hat sich die Lage deutlich entspannt, die Turnhallen stehen längst wieder dem Sport zur Verfügung.

Das könnte Sie auch interessieren

Fahrradwerkstatt sucht Helfer

Als Vorsitzende von Save me koordiniert Mallmann-Biehler die ehrenamtlichen Tätigkeiten von derzeit rund 250 aktiven Helfern. Diese reichen allerdings bei weitem nicht aus, um in allen Bereichen die Flüchtlinge angemessen zu unterstützen. In der Fahrradwerkstatt etwa sucht man Schrauber, die gespendete Fahrräder so instand setzen können, dass diese für einen kleinen Betrag an Flüchtlinge verkauft werden können.

Die Radwerkstatt von Save me boomt: Peter Passauer (rechts) zeigt Lamin Radora (links), wei man ein Fahrrad repariert. Bild: Aurelia Scherrer
Die Radwerkstatt von Save me boomt: Peter Passauer (rechts) zeigt Lamin Radora (links), wei man ein Fahrrad repariert. Bild: Aurelia Scherrer | Bild: Scherrer, Aurelia

Geflüchtete Menschen sind darauf angewiesen, Deutsch zu lernen. Bislang vergebens fordert Mallmann-Biehler von der Stadt Konstanz, so wie andere Kommunen die städtische Website und Behördenschreiben in einfacher Sprache zu verfassen. Hier könnten, so Mallmann-Biehler, die Helfer von Save me entlastet werden, die alle Hände voll damit zu tun hätten, Behördenschreiben für die Betroffenen zu erklären.

„Afghanen sind die wirklich Betrogenen“

Das Aufgabenfeld bleibt für die Helfer umfangreich. Da sucht ein junger Afghane Hilfe, um seinen Hauptschulabschluss zu schaffen, oder zwei Syrerinnen brauchen Unterstützung für die nächste Sprachprüfung. Letztere haben wegen ihrer Herkunft aus dem Bürgerkriegsland einen Sonderstatus, denn ihr Asylantrag wird fast immer bewilligt. „Afghanen sind die wirklich Betrogenen unter den Flüchtlingen“, sagt Mallmann-Biehler. Der einzige erfolgversprechende Weg zu einem dauerhaften Bleiberecht sei ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Lebhaftes Gespräch über das Thema Integration (von links): Integrationsforscher Özkan Ezli, Professor an der Universität Konstanz, Marion Mallmann-Biehler, Vorsitzende von Save me Konstanz und Bürgermeister Andreas Osner. Bild: Aurelia Scherrer
Lebhaftes Gespräch über das Thema Integration (von links): Integrationsforscher Özkan Ezli, Professor an der Universität Konstanz, Marion Mallmann-Biehler, Vorsitzende von Save me Konstanz und Bürgermeister Andreas Osner. Bild: Aurelia Scherrer | Bild: Scherrer, Aurelia
Das könnte Sie auch interessieren

Sie hält es für den besten Weg, die Neuankömmlinge in Konstanz auszubilden und möglichst rasch ins Berufsleben einzugliedern. Immerhin leben rund 1200 Flüchtlinge in Konstanz, und da derzeit kaum Neuzugänge zu verzeichnen sind, steigen die Chancen, diese Menschen aus den Heimen zu holen und in Anschlussunterkünften unterzubringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Das erfordert personalintensive Begleitung. Da muss ein Iraker finanziell unterstützt werden, damit dieser sich die Unterkunft für den Blockunterricht in Stuttgart leisten kann. Da braucht ein ins Berufsleben gestarteter iranischer Familienvater ein Darlehen, mit dem der Geringverdiener sich die Wohnung für sich und seine zwei Söhne leisten kann. Da muss ein junger Türke, dessen kommunistischer Doktorvater in der Türkei inhaftiert wurde, sich umorientieren und an seinem neuen Studienort in Tübingen Fuß fassen.

Neuankömmlinge müssten möglichst rasch ins Berufsleben eingegliedert werden, sagt Marion Mallmann-Biehler, Vorsitzende von Save me Konstanz.
Neuankömmlinge müssten möglichst rasch ins Berufsleben eingegliedert werden, sagt Marion Mallmann-Biehler, Vorsitzende von Save me Konstanz. | Bild: Scherrer, Aurelia

Auch Hilfe für Rückkehrer

Natürlich hilft man auch Menschen, welche wieder zurück in ihr Heimatland wollen. Kürzlich zog es eine Irakerin vor, nach glücklich überstandener Krebs-Operation zusammen mit ihrem Schwiegervater zurück in den Nord­irak zu ziehen, wo sie seitdem in einem Zeltlager mit ihren anderen Familienangehörigen leben.

Marion Mallmann-Biehler betont, dass unbegleitete junge männliche Ausländer in Konstanz kaum Probleme bereiten. „Konstanz ist weit weg von den Großstädten mit ihren Parallelgesellschaften.“

Für den Senior Expert Service half Marion Mallmann-Biehler in Indonesien, Uruguay und Moldawien beim Ausbau des Archivsystems – auch, um einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Einen moldawischen Bauern beriet sie beim Aufbau eines privaten Heimatmuseums mit Objekten aus der Sowjetunion. Seitdem ziert dessen Geschenk einer Lenin-Büste daheim den Schreibtisch der engagierten und streitbaren Frau im Unruhestand.

Spendenkonto von Save me:
Save me Konstanz e.V.
Sparkasse Bodensee
IBAN: DE93 6905 0001 0026 1188 10
BIC: SOLADES1KNZ