Es ist so etwas wie ein Leitspruch in der Szene: Punk's not dead, anders gesagt: Der Punk lebt. Bad Religion können viele Lieder davon singen. Nach 16 Alben sind die alten Herren des Punkrock immer noch nicht müde, allen, die es hören und wollen oder nicht, ihre Kritik an Gesellschaft und Obrigkeit entgegenzuschmettern. Punk ist mehr als Musik, Punk ist Lebenseinstellung.

Und dieser ist Bad Religion in den vergangenen 36 Jahren treu geblieben. Auch wenn der Punk mal tot gesagt war, auch wenn die Truppe mit sich selbst zu kämpfen hatte, sie war nicht unterzukriegen. Und so kann das Quintett bei seinem Auftritt in Konstanz bei Rock am See, dessen Programm nun fast komplett ist, auf eine persönliche Musikgeschichte zurückgreifen. Die durchaus Veränderungen erlebt hat, obwohl Kritiker sagen, Bad Religion spiele stets denselben Song, nur in unterschiedlichen Varianten.

Angefangen hat alles mit einem Wunsch: Im Alter von 15 Jahren träumt Greg Graffin von seiner eigenen Band. Hatte er bislang in Schulchören gesungen, will er neue Pfade beschreiten. So findet er drei Mitstreiter und los ging's. Mit an Bord ist Brett Gurewitz, der zur zweiten wichtigen Säule in der Band werden sollte. Mit ihm zusammen schreibt Graffin fortan die Songs. Und so entsteht eine selbst betitelte EP, erstmals darauf ein durchstrichenes Kreuz zu sehen. Es sollte zum Markenzeichen der Jungs aus Los Angeles werden. Glückliche Umstände wollen es, dass der Song "Bad Religion" im Radio läuft und für ein erstes Aufhorchen sorgt. Der Langspieler "How could hell be any worse?" kommt 1982 heraus, mehr Prog-Rock als Punk.

Mit diesem ging es auf der Folgescheibe "Into the unknown" so richtig los. Allerdings legt die Band eine kurze Pause ein, bevor sie sich wieder zusammenfindet. Es lebe der Punk, Punk's not dead, wie die britische The Exploited 1981 ihre erste LP benennt. Ebenfalls eine nicht unterzukriegende Punkband, die allerdings die aggressivere Gangart bevorzugt.

Bad Religion setzen auf die eingängige Drei-Akkord-Folge, unverkennbar mit Greg Graffins fast schon harmonischem Gesang, angereichert durch mehrstimmigen Refrains und immer volle Karacho voraus. So präsentiert sich die Band seit der grandiosen Scheibe "Against the grain" im Jahr 1990, eine musikalische Fortführung von "Suffer". Bad Religions Sound ist geordneter geworden, weg vom chaotischen Revoluzzer-Dasein, hin zur schon intellektuell vertonten Gesellschaftskritik. Die Band klingt, als sei sie erwachsen geworden. Sie wird immer bekannter und beliebter, erhält aber erst für "Stranger than fiction" (1994) erstmals Gold. Nach den Aufnahmen steigt Brett Gurewitz aus, die zweite wichtige Säule. Es beginnt eine musikalische Durststrecke. Greg Graffin muss die Songs nun selbst schreiben, die wollen aber nicht so richtig zünden.

Im Jahr 2000 ist Gurewitz zurück und Bad Religion findet mit "Process of belief" zurück zu altem Stil. Auf ihren zuletzt vorgelegten Album erinnern sich die zwischenzeitlich alten Herren des Punkrocks an ihre Anfangstage und streuen eine Prise "Garage-Punk" ein. Ob Bad Religion sich dem Kommerz verschrieben haben, weil sie nicht wie andere Bands ihre Lebenseinstellung auch optisch zur Schau tragen und finanziell lukrative Auftrittsangebote annehmen, liegt im Auge des Betrachters. Fest steht, dass ohne diese Truppe sich der Punkrock vermutlich so nicht entwickelt hätte.

Rock am See: Am Samstag, 20. August, im Bodenseestadion mit Muse, The Libertines, Mad Caddies, Bad Religion, We were promised Jetbacks und Frightened Rabbit.